Wein am Limit - Hendrik Thoma

Beiträge zum Thema "Finkus Bripp"

01.09.2012 - Folge 48

Der Spontandreh

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Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2009 Lolita Finkus Collection
Douro
Soulfaktor 3
10-20 Eur
2009 MILF Finkus Collection
Douro
Soulfaktor 5
10-20 Eur

Dieser spontane Dreh entstand, nachdem mein geplanter Gast, der Schauspieler Marek Erhardt, kurzfristig abgesagt hatte.

Deswegen habe ich auf meiner Facebook-Seite gefragt, wer kurzfristig zum Dreh kommen wollte. Die Resonanz ging wahnsinnig schnell. Als Erste hatte sich Annette Schmidt gemeldet, die Wein aus reiner Leidenschaft trinkt. Der zweite Gast ist ein alter Bekannter. Sven Lorenz, Moderator vom Hamburger Bürgerradio „Tide 96“, bei dem ich schon mal zu Gast in seiner turbulenten Sendung „Spätlese“ war.

Auch ein Kameramann war schnell gefunden: Der weitgereiste Schwede Chris „F. Gump“ Jans der nebenbei immer in Weingeschäften gejobbt hat. Da er noch nicht so mit der Kamera vertraut war, bitte ich die kleinen Unterbrechungen, Unschärfen und Wackler zu entschuldigen. Betrachten wir diese Folge einfach als Livedreh und authentisch.

Auf dem Verkostungstisch stehen heute zwei Weine mit besonders kunstvoll gestalteten Etiketten und explosivem Inhalt. Sie sind das geistige und physische Werk von einem befreundeten Wein-Blogger, dessen kreative Beiträge ich mir sehr gern anschaue: Es sind die roten Douro-Cuvées „Lolita“ und „Milf“ von Finkus Fripp aus München, dessen Seite www.wineontherocks.com mittlerweile auch ein Shop ist. Von beiden Weinen gibt es nur 666 Flaschen in Deutschland. Die Rebsorten für diesen Stoff sind die Tinta Roriz (die portugiesische Variante des Tempranillo) und die wertvolle Touriga Nacional (die ich zu den besten Rebsorten der Welt zähle) und 15 % alte, undefinierbare Reben, die im gemischten Satz im Weinberg stehen. Diese „Vinhas Velhas“ sind im Douroteil eine Besonderheit und ein USP der lange Zeit nicht genutzt wurde. Früher wurden hier fast nur robuste, einfache Weine meist nur für den lokalen Markt abgefüllt. Eigentlich ist das Dourotal berühmt für Portwein, und es wird aufgrund seiner steil abfallenden, hohen Schieferhänge auch der „Grand Wine Canyon“ genannt.

Erst in den 90er Jahren tauchten hier die ersten wirklich inspirierenden Weine auf. Seitdem zählt die Weinwelt das heiße Dourotal zu den spannendsten „neuen“ Weinanbaugebieten der „Alten Welt“ und erlebte einen großen Investmentboom. Douro-Weine haben eine irre Frucht, die durch eine kühle, mineralische Frische ausgeglichen wird. Die Böden und die Struktur der Weine erinnern mich etwas an das Priorat in der Nähe von Barcelona. Einzig das Klima ist sehr unterschiedlich. Das Dourotal wird vom Atlantik beeinflusst, und die Prioratos haben einen mediterranen, wärmeren Touch.

Doch zurück zu den Weinen dieser Folge. Hinter der Zusammenarbeit für dieses Projekt steht neben Finkus das Weingut Quinta do Popa aus dem Cima Corgo, dem Herzstück des Dourotals. Zusätzlich wurde die portugiesische Weinlegende Luis Pato aus dem Bairrada engagiert.

Ich bin ehrlich gesagt immer etwas kritisch, vielleicht sogar unprofessionell voreingenommen, wenn ich diese „Joint-Venture-Weine“ sehe. Häufig ist es einfach nur Marketing und eine für den Konsumenten teurere Angelegenheit, sie zu kaufen. Man bezahlt sozusagen für des Königs neue Kleider. Meistens ist es nur ein anderes Etikett für denselben Inhalt. Ein weit verbreitetes Übel, das besonders für kommerziell ausgerichtete Weinklubs angewandt wird.

Hier liegt der Fall anders. Finkus hat sich viel Zeit genommen und sich ausgiebig Gedanken gemacht, einen eigenständigen Stil auf die Flasche zu ziehen. Es sind keine Blockbuster oder langweilige Monstertropfen, sondern Gewächse mit wunderbarer Frische, die nicht satt machen und einen wohldosierten Ausbau im Eichenholz hatten. Sie schmecken nicht nach Speerholz oder verbrannten Kaffeebohnen, die man so häufig ins Glas bekommt. Hier springt einem die kühle Frucht förmlich ins Gesicht, ohne zu belästigen. Diese beiden Weine zeigen ihre unverwechselbare Herkunft.

Die „Lolita“, mit ihrem frechen, unverschämt daherkommenden Aroma, macht dem fantasievollem Namen alle Ehre: jugendlich rotfruchtig, würzig, saftig und knackig. Ein toller Douro-Wein, der mir Freude macht. „Milf“ ist ein wesentlich reiferer und üppigerer Rotwein. Ein Stoff, der das Potential zum reifen hat. Man merkt, dass die alten Rebstöcke dem Wein eine komplexe Tiefe schenken. Sie hat mehr Fülle und Kraft am Gaumen. Ein nachvollziehbarer, schmeckbarer Unterschied zur „Lolita“.

Zwei amtliche Weine, die ich jedem Zuschauer von Wein am Limit ans Herz lege. Auch preislich sind sie nicht zu abgehoben. Ein Kompliment an Finkus, Luis und ihre großartige Umsetzung von „mehr Spaß im Glas“. Hier kommt Freude auf!

Vielen Dank an dieser Stelle an Annette, Sven und Chris „Gump“ für die spontane Umsetzung dieser Folge. In taste we trust!

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