Wein am Limit - Hendrik Thoma

Beiträge zum Thema "Allgemein"

08.12.2019 - Folge 415

Weine, die die Welt jetzt braucht

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Liebe Walinauten,

bei 500 unterschiedlichen Produkten bleibt immer etwas im Sortiment liegen. Vor allem sind das Weine, die in den Folgen nicht entsprechend besprochen wurden oder die außerhalb der Komfortzone, selbst bei unseren erfahrensten Walinauten, liegen. Zugegeben: das Wein-am-Limit-Programm richtet sich nicht an Etikettentrinker oder den Allerweltsgeschmack. Wir haben uns bewusst für Vielfalt, Charakter und Authentizität bei der Auswahl unserer Produzenten entschieden. Geschmack ist für uns persönlicher Reichtum und gehört gepflegt. Trotzdem gibt es immer wieder Weine, die das Klassenziel des Ausverkaufes nicht erreichen und sitzenbleiben. Es erinnert mich an den ein oder anderen Mitschüler, irgendwie auch an mich selbst, der vorzeitig die Schule verlassen musste. Irgendwann ist ja doch was aus dem Jungen geworden und aus einigen Individualisten mit denen ich die Schulbank gedrückt habe, sind sogar erfolgreiche Persönlichkeiten geworden. Man muss sich nicht in jede Schublade stecken lassen! Mach besser Dein Ding und folge Deiner Leidenschaft.

Warum kauft niemand diesen Stoff?

Es ist es völlig unverständlich, dass sich diese drei Weine überhaupt noch in unserem Weinpool befinden. Denn jeder für sich ist ein Top Stoff und gehört getrunken, vor allem genossen. Diese Weine sind Individualisten, sehr eigenständig und jeder in seiner Weise etwas ganz besonderes. Internationale Klasse, aber nicht dick aufgetragen, sondern Weine die “Spaß im Glas” verbreiten. Ich lege Euch dieses Trio ans Herz, nicht nur als gut gemeinter Rat, sondern als dringenden Trink- und Kaufbefehl.

Wie schmeckt der Stoff den man braucht, aber nicht kauft?

Der Falkenberg ist ein grandioser Stoff, dem eigentlich viel mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Ein trockener Mosel-Riesling mit Leichtigkeit par excellence. In der Nase ein typischer Duft mit satten Schiefernoten und einer üppigen Würze. Man erkennt eine leichte süße, die sich im Mund allerdings gar nicht widerspiegelt. Der Stoff ist knochentrocken mit einer brillanten Säure. Großes Kino!

Der Dario von der Bodega Marañones ist ein ganz Großer unter den Morenillo-Weinen, aber ohne jegliche Star-Allüren. Super frisch und angenehm kühl kommt er daher. Man findet typische florale, kräuterige und rotbeerige Aromen. Nichts fettes oder holziges, jedoch sehr fein und elegant! Ein “Primus inter Pares” oder erster unter Gleichen. Ein klarer und zarter Wein, den die Welt unbedingt braucht.

Der 3. Vertreter in dieser Runde ist der Sainte Radegonde von Jean Faux. Die Mär, dass Bordeaux’ teuer, elitär oder altbackend-langweilig sind, wird mit diesem feinsinnigen Gewächs trefflich widerlegt. Im Gegenteil, zeitgemäßer als auf Jean Faux gearbeitet wird, geht es nicht. Insbesondere der naturnahe Ausbau verhilft dem Wein zu einer anderen, neuen Art der Komplexität. Der Sainte Radegonde ist fein, delikat, frisch und mit einer messerscharfen Säure ausgestattet. Die rotbeerige Frucht steht hier im Vordergrund. Im Mund ist er würzig und mittelkräftig. Ein Bordeaux, jenseits der Grand Cru Classés, der sich aber in keinem Fall verstecken braucht.

Für noch mehr Spaß im Glas jenseits der Komfortzone,

Euer Hendrik

24.11.2019 - Folge 414

Alvar de Dios - Besuch des Weingotts aus Toro

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Liebe Walinauten,

der Weingott aka Alvar de Dios aus Toro höchstpersönlich hat sich die Ehre gegeben, und ist zu uns ins graue Hamburg gekommen. Wir haben viel unternommen, um seine charaktervollen Weine vorzustellen. Im Hamburger Weinrestaurant Kinfelts und in der Ole Liese auf Gut Panker wurden einige Big Bottles aus seinem Sortiment ausgeschenkt. Es ist großartig zu sehen, wie sich die Qualität und Präzision seiner Weine von Jahr zu Jahr steigert.

Alvar de Dios Hernandez arbeitet in seinem Hauptjob als technischer Berater auf der Bodega Marañones in der Sierra de Gredos, den Bergen bei Madrid. Er selbst stammt aus dem heißen Toro in der Provinz Zamorra, einer Gegend bekannt für schwere Rotweine. Vor einigen Jahren fing er an die alten Weinberge seiner Familie zu übernehmen, und kelterte aus den alten Reben dekadente Parzellen­weine aus hochgelegenen Weingärten. Mit dem Jahrgang 2016 bekam er die erste große internationale Anerkennung durch Luis Guiterrez vom Wine Advocate, der Spaniens Weine kennt wie kaum ein Zweiter. Auch Eric Asimov von der New York Times ist ihm sehr wohlgesonnen und hat den Tio Uco als „Best buy“ ausgezeichnet.

Was ist das Besondere an Alvars Stoff?

Es ist die Mischung aus Leichtigkeit und Intensität, die bei Alvars Gewächsen so verblüfft. Stilistisch sind diese aufgrund der minimalistischen Vinifizierung echte „Weine am Limit“. Alvar nutzt dabei die Grundelemente, die den „Stoff, aus dem die Helden sind“ ausmachen. Sehr alte, teilweise wurzelechte Weinberge, hohe Lagen mit heißen Tagestemperaturen, kühlen Nächten und anspruchsvollen Böden aus Granit oder Vulkangestein. Im Keller wird nur das Nötigste gemacht. Ungeschönt, ungefiltert, ungeschminkt abgefüllt und­ ohne Holz, das sich in den Vordergrund spielt oder Extrakt auskommend. Diese entlegenen Weinregionen und Weinberge nahe der portugiesischen Grenze sind wie ein “Phoenix aus der Asche” entstiegen. Sie sind ein wichtiger Baustein in der Erneuerung der modernen spanischen Weingeschichte, die tiefe Wurzeln in der Vergangenheit hat.

Wie schmecken die Weine von Alvar de Dios?

Der rote Faden durch Alvars Gewächse ist am besten mit Leichtigkeit und Authentizität zu umschreiben. Dabei geht er herrlich undogmatisch vor und erhält den Grundcharakter der Weine so, wie es den natürlichen Voraussetzungen entspricht. Holz als stilgebendes Geschmackselement sucht man vergeblich in diesen Stoffen, eher finden sich Finesse und Mineralität. Vor allem die Weißweine sind in ihrer Art unvergleichlich und von luftiger Feinheit. Die Rotweine aus dem Toro sind, wie es ihrer Herkunft entspricht intensiv und kraftvoll. Dafür sind die vom atlantisch geprägten Klima und portugiesischen Sorten beeinflussten Stoffe, mehr „funky“ und regional unvergleichlich.

Genießt diesen iberischen Weinspaß im Glas vom Feinsten. Olé!

Euer Hendrik

17.11.2019 - Folge 413

Südafrika Special

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Liebe Walinauten,

zu den Winzern am Kap der guten Hoffnung verbindet uns bei “Wein am Limit” eine lange und innige Verbindung. Sie waren die ersten Weingüter mit denen unsere Reise in das Weinuniversum begann.

Mittlerweile sind die einstigen „Underdogs” zu den berühmtesten und bestbewerteten Weinen Südafrikas aufgestiegen. So wurden Andrea & Chris Mullineux im gerade erschienen Platter’s Wineguide zum 4. Mal zum Weingut des Jahres ausgezeichnet. Einfach großartig und unerreicht. Neben den hervorragenden internationalen Anerkennungen, egal ob von Tim Atkin MW, Decanter oder dem Wine Advocate, bleiben unsere Protagonisten auf dem Teppich und halten an ihrer konsequenten Philosophie fest. Es freut uns noch viel mehr, dass diese kleinen, tapferen Produzenten einen geschmacklichen „Paradigmenwechsel“ in der Wahrnehmung herbeigeführt haben. Ihre Gewächse sind keine austauschbaren internationalen Weine, sondern eigenständige charaktervolle Tropfen bei denen das „Glou Glou“ und die Authentizität im Vordergrund stehen, oder auf deutsch die „Trinkigkeit“ und einfach mehr Spaß im Glas.

Was ist das Besondere an diesem südafrikanischen Stoff?

Auf einmal stehen ganz andere Rebsorten in Südafrika im Vordergrund. Wer hätte jemals gedacht, dass Weine aus Cinsault, Chenin Blanc oder Tinta Barrocca zu den besten des Landes gezählt werden? Vor 10 Jahren wohl niemand und auch jetzt haben viele Weintrinker immer noch veraltete Ansichten und reduzieren ihre Wahrnehmung auf Sauvignon, Cabernet und Co.. Unsere Winzer waren auf der Suche nach einer neuen Identität für südafrikanische Weine. Sie wollten nicht mehr als Bordeaux-Epigonen angesehen werden, sondern etwas Eigenes schaffen. Um dies zu erreichen, suchten sie besser an das Klima angepasste Rebsorten, ferner alte Reben, auch alternative Ausbauarten zum Barrique wie etwa große Fuder, Betoneier und Ton-Amphoren. Sie experimentierten mit früheren Lesezeitpunkten und einem anderen Weinbergsmanagement. Es ist an der Zeit die Neuankunft dieser Weine gebührend zu feiern. Trotz der widrigen Umstände, vor allem durch die Trockenheit, sind wieder elegante und aromatisch konzentrierte Weine entstanden. Keine Blockbuster, sondern den geschmacklichen Horizont erweiternde Stoffe.

Wie schmecken die Stoffe von Chris Alheit, Andrea und Chris Mullineux und Eben Sadie?

Der Fokus von Chris Alheit liegt fast ausschliesslich auf Chenin blanc von ausgewählten, alten oder hoch gelegenen Weingärten. Seine Weine spielen mittlerweile auf der ganz großen Bühne in vorderer Reihe mit. Es sind absolut eigenständige Weine, denn sie bewegen sich geschmacklich fernab der berühmten Loire-Chenins. Sie schmecken kraftvoll, sind selbstbewusst und zudem sehr lebendig und mineralisch, komplex und tief.

Die Mullineux betreiben, ähnlich wie Chris Alheit, Weinbau mit so wenig Interventionen wie möglich. Die Weinberge werden nicht bewässert, der Most spontan vergoren und es werden keine Säuren, keine Enzyme oder sonst irgendetwas zugeführt. Die Weine werden immer in größeren Holzgebinden ausgebaut und sind im Laufe der Zeit feiner und eleganter geworden. Ihre Chenins und Syrahs sind mineralisch, frisch und mit einer feinen Säure ausgestattet. Sie sind kraftvoll, mit viel Schmelz aber auch sehr balanciert. Weine zum Träumen und Verlieben.

Zu Eben Sadie braucht man eigentlich gar nicht mehr viel sagen. Ein Pionier, wenn es um Weinbau in Südafrika geht. Seine Kollektion rund um Columella und Palladius ist legendär und schon jetzt ein Stück Weingeschichte am Kap der Guten Hoffnung. Aber, auch seine Serie der Ouwingerdreeks findet immer mehr Beachtung in der hiesigen Weinwelt. Namen wie Soldaat, Pofadder, Kokerboom oder Skurfberg lassen eingefleischte Südafrika-Fans weiche Knie bekommen.  Sie sind extrem vielschichtig und komplex und sie sollen zeigen, wie wunderbar Weine von uralten Parzellen sein können.

Wir sind froh, dass wir mit Crystallum, Mullineux, Chris Alheit und Eben Sadie einige der besten Winzer in unserem Angebot haben.

Auf mehr südafrikanischen Spaß im Glas,

Euer Hendrik

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