Wein am Limit - Hendrik Thoma

Beiträge zum Thema "Allgemein"

13.10.2019 - Folge 407

Das Jerez Projekt - Tosca Cerrada

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Liebe Walinauten,

heute wollen wir uns mal ganz einem Projekt im Süden Spaniens widmen. Den köstlichen, nach Feuerstein und Mandeln duftenden, Weinen aus Jerez, die unfitriert aka „en rama“ abgefüllt werden.

Auf den weißen, kalkhaltigen Albarizaböden rund um Jerez de la Fonterra, Cadiz und Sanlucar de Barrameda wächst die Palominotraube. Im Wechselbad von heißen und feuchten Winden entsteht ausschließlich hier, mit Ausnahme des französischen Jura, ein besonderer Hefestamm namens Flor. Dieses geschmacksgebende Element verleiht vor allem den Manzanilla und Fino Sherrys ihr untrügliches Aroma. Da der Sherry vor allem ein wertvoller Exportartikel war und ist, wurde er ursprünglich für den langen Seeweg haltbar gemacht, indem man ihn mit Branntwein verstärkte, bzw. fortifizierte.

Wie schmeckt Sherry ohne dieses Verfahren?

Wahrscheinlich so, wie der Urwein dieser Region, nur mit deutlich weniger Alkohol. Denn der Flor bildet sich natürlich auch in den Grundweinen. Genau das wollte der aus dem galizischen Bierzo stammende Winzer Mario Rovira wissen, und startete sein Experiment namens “Tosca Cerrada”. Fasziniert vom Terroir und der traditionsreichen Geschichte wurde er Partner der kleinen Bodega Delgado Zuleta aus Jerez. Er selektiert Partien und Einzelfässer aus deren Pago de Balbaina. Sein Fokus liegt auf den unterschiedlichen Albarizaböden, die den Charakter der Weine prägen. Das Terroir klar herauszuarbeiten, ist dem Wesen des großen Bruders Sherry fremd und sicher ein weiterer Aspekt zur Unterscheidung. Denn im Solera-System gehen die individuellen Eigenschaften zugunsten eines generischen Typus verloren.

Der Boden macht die Musik!

Die etwas gräulich-gefärbte und weniger kalkhaltige, vor allem sehr feste Variante des Bodens namens “Tosca Cerrada” bedeckt 80% des Gebietes. Diesem Boden sagt man nach, dass besonders runde, gut strukturierte und elegante Weine auf ihm entstehen. Der organische Anbau der Reben und die minimale Verwendung von Schwefel ist für Marios -ironischerweise als Landweine eingestuften Gewächse- obligatorisch. Das Ergebnis ist einzigartig und fantastisch. Mit dieser Finesse und Delikatesse bringt dieser Sherry-Urtyp eine ganze andere Wahrnehmung mit, als das bisher Bekannte.

Ich wünsche Euch mehr Fino-Spaß im Glas

Eurer Hendrik

06.10.2019 - Folge 406

Ankündigung des 45. Livestreams - Aÿ, Argonne und Champagner Henri Giraud

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Liebe Walinauten,

endlich wieder ein Livestream aus dem HQ und dann mit einem Thema, das uns nicht nur an Festtagen beschäftigt, sondern eine ganzjährige Herzensangelegenheit ist: Champagner.

Livestream mit Henri Giraud

Mit Henri Giraud haben wir diesen Sommer eines der bestgehüteten Geheimnisse der Champagne in die Wein-am-Limit-Familie aufgenommen. Eine große Rarität im europäischen Markt, weil ein Großteil der überschaubaren Menge von 250000 Flaschen im Jahr nach Japan exportiert wird, wo er für seine Besonderheiten und der perfekten Kombination zur Umami-Küche geliebt wird. Das Besondere an den Weinen ist die konsequente Umsetzung, nicht nur im Weinberg, sondern vor allem während das Ausbaus. Dabei scheut man sich nicht vor dem Thema Mikrooxidation in Terrakotta-Amphoren und Argonne-Eichenholzfässern. Stahltanks finden sich wenig bei Henri Giraud, auch weil Holzgebinde seit jeher für die klassische Weinbereitung verwendet wurden. Mit unfassbarer Präzision werden diese Gewächse auf die Flasche gefüllt.

Wir haben an diesem Abend den Exportleiter Gauthier Vecten zu Gast im WaL-HQ, der uns die besondere Philosophie des kleinen Produzenten im Grand Cru Ort Aÿ vermitteln wird. Seit der Übernahme der Geschäftsleitung des alteingesessenen Hauses ist viel passiert, und das wollen wir entsprechend würdigen. Wie ging das noch? “Im Sieg verdient man ihn, in der Niederlage braucht man ihn!“ Was zu feiern gibt es immer.

Spielregeln des Wein-am-Limit-Livestreams mit Gaultier Vecten

Kurz die Spielregeln des 45. Livestreams. Es ist keine Anmeldung oder eine App nötig. Klickt auf den Reiter „Video“ in der Menüliste am Donnerstag, den 07. November 2019 ab 20.00 Uhr auf „Wein am Limit“. Ihr könnt auf den Ablauf des Hangouts direkt Einfluss nehmen, indem Ihr z.B. über die Kommentarfunktion unter dem Video Eure Eindrücke mitteilt oder auch Fragen stellt. Wer möchte, kann darüber hinaus auf meinem öffentlichen Facebookprofil von “Wein am Limit” unter der letzten Mitteilung Fragen stellen. Für alle die nicht dabei sein können, sollen oder wollen: Don’t worry! Ihr könnt Euch die Sendung im „Reload“ in Ruhe anschauen (was viele machen) und dazu die Weine genießen. Wer sich das Paket nicht leisten möchte, ist dennoch herzlich eingeladen zuzuschauen und mitzumachen. Es wird auf alle Fälle eine Menge Vinotainment und Information geboten.

Auf mehr prickelnden Spaß im Glas und einen legendären Abend,

Euer Hendrik

22.09.2019 - Folge 404

Matias i Torres - Neues von Victoria und Ihren explosiven Vulkanweinen

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LIEBE WALINAUTEN,

Moden und Trends kommen und gehen. Bestand hat nur das Zeitlose, das gilt auch im schnelllebigen Weingeschäft. Die 4,5 Hektar kleine Bodega Matias i Torres auf — einer der westlichsten Kanareninseln — „La Palma“ ist seit 1885 oder fünf Generationen im Familienbesitz. Es wird heute von Victoria Torres geleitet, einer charaktervollen Powerfrau, die das Erbe der Familie seit 2010 weiterpflegt. Allen Widrigkeiten zum Trotz, denn Frauen haben es in der hiesigen Machowelt nicht einfach, ist sie diejenige, die den besten Wein der Insel keltert. Sie gehört auch zu den aufstrebenden Produzenten Spaniens, und der von uns sehr geschätzte Luis Guiterrez vom Wine Advocate hat sie ganz oben auf seine Watchlist gesetzt. Ihre neuen Babies (so nennt sie ihre Weine) werden von ihm durch die Bank hoch gelobt für die Empathie, Präzision und Eigenständigkeit die „Viki“  mit ihrer Kollektion zeigt.

WAS IST DAS BESONDERE AN MATIAS I TORRES?

Viktorias Weine sucht man auf la Palma vergebens. Diese finden sich auf Weinkarten in London, New York, Stockholm oder Kopenhagen und in Deutschlands besten Restaurants. Denn das Meiste, was aus la Palma kommt, ist allenfalls netter Urlaubswein. Matias i Torres Gewächse sind anders, eigenwillig und dafür auch authentischer. Nicht austauschbar und im Duft und Aroma liefern sie ein Stück ihrer Herkunft wie nur wenige Weine auf der Welt. Sie keltert ihre Beeren, z.B. mit einer 150 Jahre alten Baumkelter oder vergärt in alten Holzbütten aus Pineteakholz. Der größte Schatz sind die alten Weinberge, im Schnitt 60 Jahre alt und manche bis zu 140 Jahre alt. Die Sorten stammen zwar vom spanischen Festland, sind aber alle wurzelecht und liefern aufgrund der harten Bedingungen nur Minierträge. Die Maische wird mit Füssen getreten und der Ausbau findet in gebrauchten Gebinden aus Kastanie und Eiche statt.

WIE SCHMECKT DER STOFF?

Herb, mineralisch, pur und salzig im Geschmack. Der Duft wird nicht durch andere störende Elemente des übermäßigen Ausbaus, wie z.B. durch Industriehefen oder neues Holz maskiert. Kantig sind diese Cru, konsequent und mutig vinifiziert, ohne gewollt zu wirken. Im Kern schwingt immer eine kühle Frische mit. Der bist zu 5 Meter dicke Boden aus vulkanischem Geröll names Lapili, die kühlen Passatwinde und die sengende Hitze sind der Rahmen für ein bizarres Aroma aus getrockneten Kräutern, nassen Steinen und gelben Früchten. Luft und etwas Temperatur tut ihnen gut. Derjenige, der sie trinkt, dem wünschen wir einen offenen Menschen an seiner Seite. Dann wird sich einem der Zauber dieser Unikate auch erschließen. Weine für Herz und Kopf zugleich.

Irgendwo in einer bedeutenden Weinpublikation habe ich gelesen das Vulkanweine der nächste Trend sind. Gemacht wird ein Trend nach unserer Beobachtung von Menschen, die keinem folgen, außer sich selbst und ihrer Passion.

Ich wünsche Euch mehr authentischen Spaß im Glas,
Eurer Hendrik

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