Wein am Limit - Hendrik Thoma

Beiträge zum Thema "Allgemein"

11.02.2018 - Folge 329

Burgund, aber bezahlbar!

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Das Burgund hat es schwer gehabt in den letzten Jahren, seit 2010 gab es nur 3 mengenmäßig zufrieden stellende Ernten (2011/2015/2017). Ansonsten war die zentralfranzösische Region stark gebeutelt von Frühjahrsfrösten, starkem Regen und Hagelschaden. Bei gleichzeitig erhöhter weltweiter Nachfrage nach Weinen der Region waren die Preissprünge in den letzte Jahren enorm. Burgund hat eben einen Ruf wie Donnerhall und die Weine sind in den letzten Jahren immer präziser und besser geworden. Das war nicht immer so, wenn man an die schwachen 60er und 70er Jahre denkt. Große Lagen, sind kein Garant für große Weine.

Einen Vorteil hat die Entwicklung der letzten Jahre trotzdem gehabt. Die einstigen B und C Lagen sind, auch aufgrund des Klimawandels, interessanter geworden. Wie zum Beispiel das hochgelegene Saint Romain mit 300 – 500 Meter Seehöhe. Früher war es hier zu kalt und die Weine hatten einen mittelmäßigen Ruf. Heute ist Saint Romain ein Geheimtip unter Winzern. Einige der Lagen (Lieut Dit) verfügen über sehr gute steinige Böden und mit Fingerspitzengefühl lassen sich hier Weine keltern, die das Niveau von viel berühmteren und teureren Dorflagen haben. Remoissenet macht einen prachtvollen, eleganten Cru aus der Parzelle Combe Bazin, der noch sehr gute Reserven hat. Die 2014 sind eher rassige, frische Weine mit einer saftigen Säure.

Der Bourgogne Blanc aus z. T. deklassifizierten Village Weinen (Puligny-Montrachet), wird geblendet mit Partien aus dem nördlich gelegenen Chablis. Die Weingärten sind im Schnitt 20 Jahre alt und eignen sich hervorragend für einen eleganteren, leichten Stil. Gereift wurde er in gebrauchten 300 Liter Tonneaux Fässern. 2015 war ein perfektes Jahr, was einige große Weine hervorgebracht hat. Während sich alle Welt um die großen Lagen reisst, die dann auch noch unfassbar teuer sind, macht die Strategie sich um die Einstiegsweine zu kümmern mehr als Sinn. Denn die Definition eines großen Jahres ist, dass es insgesamt gute Qualitäten in allen Qualilätslevels gab. Auf alle Fälle lässt der Bourgogne Blanc sich bereits gut an und schmeckt auch noch in 4-6 Jahren.

Der 2013er Bourgogne “Vieilles Vignes“ von Philippe Pacalet stammt aus 60 Jahre alten Anlagen in der berühmten gemeinde „Vosné Romanée“. Der sehr behutsame Ausbau (11 Monate in gebrauchten Fässern), keine Filtration oder Schönung und die geringe Schwefelung lassen ein bezauberndes zartes Bukett entstehen. Fleischig, erdige Aromen, rote Beerenfrüchte, delikat und fein. Am Gaumen kein Blockbuster, sondern vibrierend, vital und elegant. In diesem Niveau ist der “Vieilles Vignes” ein starkes Stück. Denn Pinot Noir/Spätburgunder in einer solchen top Qualität ist immer ein teures Vergnügen, hier ist es mehr bezahlbar.

Ich wünsche Euch mehr Spaß im Glas,

Euer Hendrik

04.02.2018 - Folge 328

Folge 328 - "Piu Piu" heißt Piep, Piep! Wir haben Dich und JoJo lieb!

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Liebe Freunde, Kunden und Walinauten,

das Weingut Fio in Piesport an der Mittelmosel trägt ohne „wenn und aber“ die geistige Handschrift von Dirk van der Niepoort, einem der ganzen großen Winzer unserer Zeit. Leichtigkeit, Finesse und seriöser Trinkspass, das ist die Essenz seiner Weinbereitung

Um das tägliche Geschäft, die Weinberge sowie die handwerkliche Arbeit kümmern sich Dirks Sohn Daniel und der Moselaner Philipp Kettern.

Die beiden jungen Winzer gehen mit einer erfrischend unbekümmerten Art an die Vinifikation heran, dabei haben beide einen ziemlich internationalen Background und viel Erfahrung in Sachen Weinbereitung.

Das schmeckt man ihren Weinen an, die sich nicht so schnell in irgendeine Schublade stecken lassen. Sie scheren sich nicht um eine internationale Stilistik und bleiben dabei dennoch weltoffen. Bei Fio Wines lässt man sich ausreichend Zeit für den Ausbau, das macht den Unterschied.

Jetzt kommen die zwei neuesten „Babies” aus der Fio Schmiede. Ein leicht schäumender Pétillant Naturel, kurz „Pétnat“ genannt, aus einem ungewöhnlichen Grundwein (mehr dazu in der Weinbeschreibung). Für mich ist das der Prosecco Killer schlechthin, leicht, fein, süffig und dabei 100 mal köstlicher und charaktervoller. Diese mittlerweile sehr beliebte Weinart ist durch die wachsende Naturweinszene einem breiteren Publikum bekannt geworden. Die in der Flasche vorhandene Kohlensäure ersetzt sozusagen die Zugabe von Schwefel. Durch das einmalige Vergären auf der Flasche bleibt die Hefe erhalten und gibt während der Reifung weiter Geschmack ab. Übrigens Vorsicht beim öffnen, da diese Flaschen nicht degorgiert sind und noch über eine Menge Druck verfügen.

Auch bei ihrem “Orange Wine” war die hochgelegene Herkunft die Grundvoraussetzung ein charaktervolles Produkt auf die Flasche zu ziehen. Bei diesem Wein steht die Machart und der Ausbau eher im Vordergrund als die Lage, dennoch spürt man sie über die Attribute wie Säure und die Rebsorte Riesling. Absolut unterschätzt und ein köstliches Getränk. Darum geht es hier mehr als um Terroirdebatten.

Beide Weine tragen eine unverwechselbare Handschrift und noch viel wichtiger, sie verbreiten eine Menge Spaß im Glas. Sind wir nicht alles etwas „hipster“?

Viel Freude damit,
Euer Hendrik

29.01.2018 - Folge 327

Thomas Imbusch und sein Traum von 100 auf 200 zu kommen.

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Liebe Walinauten,

es tut sich was in der Hamburger Gastronomie. Gut so, denn im internationalen Vergleich können wir in der Hansestadt ein wenig Anschluss gebrauchen, vor allem erfrischende Konzepte die auf bestmöglichen Produkten basieren. Mit der Fertigstellung der Elbphilharmonie kommt ein vermehrt überregionales Publikum und das stellt seine Ansprüche.

Thomas Imbusch beobachte ich bereits ein paar Jahre und halte seine Kreationen für grandios. Der Mann hat Geschmack und kommt kulinarisch auf den Punkt. Alles was sich auf dem Teller wiederfindet macht Sinn, ist geschmackvoll und regt an. Er selbst sieht sich mehr als Handwerker, einer mit großem Herz, feiner Zunge und viel Passion. Ein Perfektionist im besten Sinn, ein junger Mann der was bewegen will.

Nach einigen Stationen u.a. bei Christian Bau und die letzten Jahre in Tim Mälzers „Off Club“ ist jetzt der Zeitpunkt gekommen oder der Knoten geplatzt. Mit dem Restaurant „100_200“ öffnet Thomas in den nächsten Monaten seinen Lebenstraum, über den ich in der Vergangenheit häufig mit ihm sprach. Ich bin mir sicher, er wird das „wuppen“, denn sein Ehrgeiz, aber auch sein Talent werden ihn gleich in die Spitze der Hamburger Gastronomie befördern.

Da Gastronomie auch Mannschaftssport ist, hat er mit Sophie Lehmann eine interessante, (das ist genauso gemeint) charmante Gastgeberin und Sommeliere gefunden. Auch mit Barchef, zukünftigem Saalchef und „Rauschexperte” Jan-Philipp Fricke stösst ein alter Weggefährte zu ihm. Er war die letzen Jahre federführend an der Seite von Jörg Meyer im „The Boilerman“ und dem „Le Lion“.

Wir von “Wein am Limit“ werden ihn unterstützen, insbesondere mit unseren Weinen und unserer Expertise, denn es gehört zusammen was zusammen gehört! Das ist auch unsere Meinung. Wir haben die Location gesehen, einfach abgefahren. Surreal und mega zugleich.

Wer die Entstehung dieses neuen Restaurant, sozusagen im Brooklyn von Hamburg (Rothenburgsort) live mitverfolgen möchte der subskribiert am besten den Newsletter.

Hamburg ist immer eine Reise wert, bald erst recht.

Mehr Spaß im Glas und alles gute und viel Erfolg für das 100_200,

Hendrik

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