Wein am Limit - Hendrik Thoma

Beiträge zum Thema "Allgemein"

02.08.2020 - Folge 460

Lusitanien am Limit - Vieles über Wein aus Portugal

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Liebe Walinauten,

Portugal hat in unserer Wein am Limit – Familie einen besonderen Platz und wir haben das kleine Land am westlichsten Zipfel Europas schon dutzende Male besucht. Jedes Mal sind wir von der Ursprünglichkeit und Herzlichkeit der Menschen beeindruckt. Diese gehen unbeeindruckt, abseits der Internationalisierung der Weltweinbühne, ihre eigenen und mittlerweile sehr erfolgreichen Wege.

Die Portugiesen gehören seit jeher zu den stilleren Playern der Weinbranche und ganz stetig haben sie sich in einer Nische des Weinmarktes einen Namen gemacht. Ihre Weine, wenn man internationale Publikationen als Indikator nimmt, sind durch die Bank sehr gut bewertet. Trotz des Festhaltens der Lusitanier an alten Traditionen sind die Weine heute moderner, zugänglicher und verständlicher geworden. Am besten passen sie zu der schmackhaften Küche des Landes, die von Nord nach Süd extrem variiert. Wir halten es mit unserer Auswahl portugiesischer Produzenten mit dem irischen Schriftsteller Oscar Wilde. Der sagte einst: „Ich habe einen ganz einfachen Geschmack, ich bin immer mit dem Besten zufrieden.“

Wie schmecken die drei lusitanischen Stoffe?

Das Schnupperpaket ist ein kleiner Exkurs in die unterschiedlichen Regionen vom kühlen, feuchten Norden bis in den heißen Süden mit seinen Gebirgsketten. Natürlich wird das Trio den 250 unterschiedlichen Rebsorten Portugals nicht gerecht, schon gar nicht dem gesamten Spektrum an Weinarten. Dafür haben wir einige der aufstrebenden Sternchen versammelt, die man sonst nur schwer findet, die aber unter Kennern einen sehr guten Ruf genießen. Von etabliert bis zum Newcomer, von klassisch bis konventionell (Soalheiro), über biodynamisch (Pato & Wouters) bis zu Natural (Domino). Das sonntägliche Video haben wir etwas anders als sonst aufbereitet und wir hoffen, dass Euch die zusätzlichen Informationen helfen, mehr Orientierung und vor allem mehr Genuss an diesen köstlichen Weinen zu haben.

Obregado et belo dia, vor allem mehr lusitanischen Spaß im Glas wünscht Euch,

Hendrik & das WaL-Team

26.07.2020 - Folge 459

Le Saint Louis - Vin Mousseux von der Loire

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Liebe Walinauten,

der Bretone Alain Couillaud aus Landreau im Muscadet Sèvre et Maine – Gebiet an der Loire Mündung ist einer der pfiffigsten Winzer in unserem Portfolio. Immer gut gelaunt, voller Elan und Ideen geht er an die Grenzen des Machbaren oder setzt mit seinen Cru neue Geschmackshorizonte. Sein Bruder Christian kümmert sich um die 20 Hektar Weinberge und die Umstellung auf biologische Zertifizierung schreitet Parzelle für Parzelle voran. Die Weine werden jedes Jahr besser, präziser und klarer. Vor allem tritt der Herkunftscharakter immer deutlicher hervor. Denn die Nähe zum rauhen Atlantik und die Schiefer- bzw. Granitböden bilden den natürlichen Rahmen dieser naturbelassenen Gewächse. Das schmeckt man.

Was ist das Besondere an Haut Planty?

Auf den ca. 10.000 Hektar des Muscadet Sèvre et Maine – Gebietes werden viele günstige Konsumweine gekeltert. Die Weine dürfen nur zu 100% aus der Rebsorte Melon de Bourgogne gekeltert werden und lagern vor dem Verkauf bis zum nächsten Frühjahr nach der Ernte „sur lie“, bzw. auf der Hefe. Es sind traumhafte Speisebegleiter vor allem zu frischen Meeresfrüchten; sie sind leichtfüßig, herb, trocken und im besten Fall mit einer kühlen Mineralik ausgestattet. Leider sieht der Markt in ihnen nicht mehr als banale Einfachheit und Durstlöscher. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Melon de Bourgogne nicht zu den aromatischsten Rebsorten gehört, vergleichbar mit dem Sylvaner hierzulande. Dabei kann ihre kernige Mineralität sehr überraschen. Dafür muss man die Erträge weit mehr reduzieren, als von den Behörden festgelegt.

Es gibt nur wenige Produzenten, die Dynamik oder Kreativität an den Tag legen. Die Grenzen sind durch die sehr günstigen Marktpreise gesetzt. Nur wenige schaffen es, sich aus dem Schatten der Appellation zu lösen und den Weintrinkern ein anderes Geschmacksbild der Region zu vermitteln. Zu diesem Dutzend Individualisten gehört Gaec du Haut Planty. Ein echter Familienbetrieb, ohne viel Bling Bling, aber mit enormer Passion. Auch wenn man meint, dass die Couillauds zur Opposition gehören, steht bei ihnen Handwerk und Tradition an erster Stelle. Weit weg von den getunten langweiligen Industrieplörren, die weltweit die Discounterregale füllen. Alain und seinen Gewächsen wird meistens deswegen der Appellationsstatus verweigert, weil er wenig oder gar nicht schwefelt, ironischerweise die Weine länger auf der Hefe belässt als erlaubt und sie manchmal in gebrauchten Holzfässern reift.

Wie schmeckt der Stoff?

In der Kategorie der Vin Mousseux, den einfachen Schaumweinen ohne Herkunftsbezeichnung, hat Alain die größte redaktionelle Freiheit. Ursprünglich wollte er einen Pet Nat, einen Petillant Naturell, keltern. Der erste Versuch blieb in der Vergärung stecken und er musste nochmals mit weiterer Hefe nachhelfen. Durch den sich daraus ergebenen höheren Kohlensäuredruck konnte er seinen Schaumwein nicht mehr als Pet Nat deklarieren. Jetzt lässt er seine Le Saint Louis Blanc & Rosé als Vin Mousseux durchlaufen. Ganz bewusst bringt er sie mit dem Hefesatz, also undegorgiert, auf den Markt. Das gibt nochmals Geschmack und tut der Reifung gut. Beide Schaumweine sind auf ihre Art brillant und knochentrocken. Der Rosé mit etwas mehr fruchtigeren Noten des Cabernet Francs und der Blanc mit einer saftigen, rassigen Säure. „Glou, Glou, Glou!“ Wenn es nur mehr davon gäbe…

Mehr bretonischen Spaß im Glas wünschen Euch,

Hendrik & das WaL-Team

19.07.2020 - Folge 458

Der Wein der Römer - Abbia Nóva aus Piglio

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Liebe Walinauten,

wir freuen uns über einen italienischen Neuzugang in der Wein am Limit-Familie. Italiens Weingeschichte und Vielfalt auf das Piemont, die Toskana, das Friaul und Sizilien zu reduzieren, wäre ein monumentaler Irrtum. Schon gar nicht ist der Frascati der beste Wein aus dem Latium, der fällt eher durch seine geschmackliche Monotonie auf. Der “Stiefel“ ist so reich an Traditionen, unterschiedlichen Rebsorten, Mikroklima und Böden wie kein zweiter Player auf dem gesamten „Mondovino“.

Man muss einfach nur ein wenig in der Vergangenheit graben, so wie die Cousins Pierluca und Daniele Proietti und schon kommen dabei wunderbare Geschichten heraus, wie das noch recht junge Weingut Abbia Nóva eindrucksvoll zeigt. Ganz in der Nähe und südlich der “Ewigen Stadt” Rom, liegt Piglio und die Zone Frusinate, die sich entlang der Costa Graia an die Abruzzen anschmiegt. Teilweise konnten die Cousins alte Anlagen mit den drei Untersorten des Cesanese del Piglio erwerben, einer autochthonen Varietät, die es hier seit 500 Jahren gibt. Diese Parzellen wurden nach dem 1. Weltkrieg und der Reblaus auf den steil abfallenden Terrassen gepflanzt, aber auch die weißen Sorten wie Passerina, Bellone und Malvasia, die in gefühlter Sichtweite des Mittelmeeres wachsen, liefern köstliche Weine. Kein Wunder, dass hier irgendwo die Reste einer Villa von Kaiser Trajan zu finden sind. Der Mann wusste gut zu leben…

Was ist das Besondere an Abbia Nóva?

Die Proiettis widmen sich bereits seit den 80iger Jahren dem biologischen An- und Ausbau. Heute arbeiten sie mit so minimaler Intervention wie möglich und nötig. Schwefelzugaben und / oder das Spritzen mit Kupfer finden in manchen Jahren gar nicht statt. Lediglich homöopathische Dosierungen und Produkte sind bei Ihnen erlaubt. Sie lassen sich von den alten römischen Schreibern Columella (“de re rustica“) und Catone inspirieren, die schon früh die Ansicht vertraten, dass die besten Weine diejenigen sind, die durch ihre natürlichen Qualitäten glänzen. Alle Weine von Abbia Nova sind spontanvergoren, ungeschönt und unfiltriert. Gearbeitet wird mit unterschiedlichen Gebinden wie Amphoren, aber auch mit Edelstahl, Beton und Glasgebinden (Demijohns).

Wie schmeckt der Stoff?

Die weingutseigene Beschreibung für einen ihrer Weine ist die Beste: „ …so, als wenn man eine Glühlampe in der Werkstatt oder im Waschraum anknipst. Überall ist dieses strahlende Licht.“ Die Weine von Abbia Nóva sind nicht klassisch, sondern ein wenig wild, scheinbar chaotisch und lassen sich in keine Schublade stecken. Trotz ihrer schroffen Robustheit haben sie einen sanften Kern und ihnen wohnt eine tiefgründende Seele inne. Denn hinter diesen Gewächsen liegt eine ereignisreiche Vergangenheit und vor Ihnen eine spannende Zukunft. Es hat nur jemanden – wie die Proiettis – gebaucht, um sie aus dem Schlaf zu wecken. Sie folgen keinen Dogmen und sind in Koexistenz mit einer gastronomischen Seele zusammen groß geworden. Das sind keine Kamin-Kuschelweine. Dieser Stoff fordert den Gaumen und ist dabei großzügig zugleich. In der Weinmarketingsprache wird gerne das Wort „Vino Meditatione“ verwandt, hier stimmt die Metapher. Denn der ganzheitliche Ansatz, der diese Stoffe ausmacht, fordert nicht nur unseren Geschmackssinn, sondern fragt den Betrachter auch in welche Richtung der Weinbau gehen will.

Mehr meditativen Spaß im Glas,

Hendrik & das WaL Team

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