Wein am Limit - Hendrik Thoma

Beiträge zum Thema "Allgemein"

04.08.2019 - Folge 398

Besuch bei Candialle - Flüssiges Gold aus der Conca D'Oro

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Liebe Walinauten,

mit Candialle, bzw. Josephin und Jarkko Peränen, arbeiten wir seit Anbeginn der Zeit von Wein am Limit in 2013 und auch schon etwas länger. Das 12 Hektar große Kleinod befindet sich in einem der schönsten Plätze des Chianti Classicos, der Kernzone des Gebietes, im Örtchen Panzano. Hier liegt die goldene Schale, die Conca d’Oro, mit ihren nach Süden ausgerichteten, kalkhaltigen Lagen auf 300-400 Meter Meereshöhe. Wir schätzen die kühle, mineralische und herbe Frische dieser authentischen Toskana-Gewächse, die klassisch-puristisch sind. Das deutsch-finnische Paar geht unbeirrt seinen Weg und pflanzt auf den unbelasteten Böden Reben in Einzelstockerziehung -teilweise mit hoher Dichte- und bewirtschaftet die Weinberge nach biologischen Kriterien (ohne sich zertifizieren zu lassen). Die beiden betreiben einen hohen Aufwand, wenn es um Erziehungsform und manuelle Arbeit im Weinberg geht. Die Früchte ihrer Arbeit können sich mehr als sehen, vor allem schmecken lassen.

Chianti oder Chianti Classico?

Das Chianti Classico wurde bereits 1716 von Cosimo III. dem Grossherzog der Toskana festgelegt und ist damit eine der ältesten oder vermutlich die älteste Ursprungsbezeichnung der Welt. Klassifiziert wurde damals das Gebiet zwischen den rivalisierenden Städten Florenz und Siena.

Es ist und bleibt verwirrend, auch für den Verbraucher, denn der Unterschied zwischen den Randzonen des Gebietes, dem Chianti, ist enorm. Darüber hinaus gibt es noch eine Handvoll Subzonen, wie das hochgelegene Rufina, oder die Colli Senesi im Süden des Gebietes, die teilweise unter Mussolini hinzukamen. Diese müssen zwar ihren Zusatznamen tragen, sorgen aber für noch mehr Verwirrung.  Für die ca. 7.200 Hektar Chianti Classico gelten die Bestimmungen, dass mindestens 80% aus der Sorte Sangiovese (Sange Jove – das Blut Jupiters) stammen müssen. 20% dürfen entweder aus lokalen Sorten wie Canaiolo oder Colorino stammen, oder internationalen Playern wie Merlot und Cabernet Sauvignon. Weiße Sorten sind seit 2006 nicht mehr erlaubt.

Die Mindestreife beträgt ein Jahr nach der Ernte, immer ab Oktober des selben Jahres. Für die „Riserva“ sind zwei Jahre, davon min. drei Monate auf der Flasche, und für die neue Qualitätsstufe “Gran Selezione“   30 Monate, davon min. drei Monate auf der Flasche, Pflicht.

Was ist das Besondere an Candialle?

Die Weine von Candialle sind für uns der Inbegriff der Toskana. Die Chianti Classicos bestehen hauptsächlich aus Sangiovese und Malvasia Nera und/oder Cannaiolo. Herrlich “old school” und dabei so zeitgemäß.

Das Paar beweist nicht nur für die lokalen Sorten, sondern auch für die weitgereisten  Merlot, Cabernet Franc oder Petit Verdot, teilweise in der Blend ein gutes Händchen. Interessanterweise schmeckt man selbst bei diesen charakterstarken, internationalen Sorten das einzigartige Terroir der Conca d’Oro heraus. Immer mit einer kühlen frische, steinigen Mineralität und einer elegant-fruchtigen Note duften die Weine nach der wilden, herben Toskana.

Der Ausbau findet nicht exzessiv, sondern behutsam und durchdacht in Holzgebinden, Stahltanks und Zementgefäßen statt. Somit wird die Einzigartigkeit dieses besonderen Ortes im Glas eingefangen. Es gibt berühmtere Namen in diesem renommierten Gebiet, sicherlich, aber Candialle ist eine der großen Entdeckungen, die man hier machen kann.

Wir wünschen Euch noch mehr toskanischen Spaß im Glas, tanti Saluti,

Euer Hendrik

28.07.2019 - Folge 397

Wir sind Pfalz - Collective Z

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Liebe Walinauten,

Christoph Ziegler hat mit Collective Z -einem Garagenweingut- einen phänomenalen Blitzstart an die Spitze der jungen, deutschen Avantgarde hingelegt. Am Anfang eines jeden charaktervollen Gewächses steht an erster Stelle ein anspruchsvolles Terroir. Das hat er in der völlig unbekannten Enklave Leistadt, auf 250 Meter Meereshöhe über Bad Dürkheim, gefunden. Normalerweise holen hier die Winzergenossenschaften ihre Ernte, aber immer mehr bekannte Produzenten schauen sich in den nicht flurbereinigten Weinbergen um. Hier ist es um einiges kühler als in der Ebene und die krassen Kalkfelsen bilden ein forderndes Terroir. Ein besonderes Merkmal sind u.a. die im Schnitt 25-50 Jahre alten zum Teil wurzelechten Reben. Davon gibt es nur wenige in Deutschland, ja sogar weltweit kaum. Die natürlichen Bedingungen sind perfekt, nur wurden sie lange einfach übersehen. Austauschbare Weine können viele keltern, doch Christoph war von Anfang an überzeugt keine Verkostungsweine, sondern elegante Speisebegleiter auf die Flasche zu füllen. Die Weinberge werden ausschließlich biologisch bewirtschaftet.

Wer ist der Neue im Team?

Deutscher Rotwein fernab jeder Internationalität und trotzdem einer warmen Intensität. Leider wird häufig vergessen, dass es ein paar traumhafte, alte Portugieser-Anlagen in Deutschland gibt. Was für ein Glück, dass Marie + Christoph diese alte Anlage (60+ Jahre) in der Gewanne Bärentaler Hang gefunden haben. Das Besondere am „Bernvalley“ ist, dass diese Parzelle in einem Naturschutzgebiet liegt und hier seit langem niemand mehr spritzen darf. Die Weinberge sind buschartig, urwüchsig und die alten Reben stehen auf nacktem Kalkfels. Eine weitere Besonderheit ist das Mikroklima aus warmen Tagen und kühlen Nächten (hohe Lage und Wald). Somit ermöglichst es ein langes Reifefenster. Was für ein toller Rotwein, der die deutsche Weinlandschaft bereichert. Dunkelfruchtig, würzig, elegante, seidig-feine Tannine und am Gaumen spürbar kühl, trocken und mineralisch. Man muß den Portugieser nicht zwangsläufig zum halbtrockenen Rosé verunstalten. Das hier ist Benchmark, in jeder Hinsicht. PS: Portugal ist ein Land, das westlich von Spanien liegt.

Was bringen die 2018er?

Der Klimawandel bringt den deutschen Weinbauern vorerst wärmeres Wetter und damit Schlagzeilen. Zumindest in 2018 war es spürbar trocken und wärmer als sonst. Von der Presse wurde der Jahrgang mit dem Prädikat „Masse und Klasse“ (OMG!) in den Himmel gehoben. Tatsächlich gab es wenig schlechte Beeren, aber viele Weine sind eben doch ziemlich vordergründig und einfach geraten. Das war in dem bis dato heißestem aller Jahrgänge, dem 2003er, ähnlich. In der Spitze gab es wenig Herausragendes bei den trockenen Weinen, aber natürlich gibt es das in 2018.

Bei Collective Z ist eine qualitative Dynamik zu erkennen. Das Weingut ist noch jung und lernt schnell dazu. Man findet sich, justiert die Einstellungen und definiert seinen Weinstil mit jedem Jahrgang präziser. Eigentlich gibt es keinen Grund die noch etwas unruhigen 2018er zu kaufen, vor allem weil wir noch etwas 2017 im Bestand haben, die sich toll zeigen. Mit etwas Geduld von mindestens einem Jahr sehe ich die 2018er jedoch vor den 2017ern, zumindest in ihrer Klarheit. Das hochgelegene, kühlere Terroir von Leistadt spielt diesem Jahrgang voll in die Hände. Bei den produzierten und uns zugeteilten Mengen dauert es auch nicht lang, bis der 2018 ausverkauft ist. Also ran an den Speck und ein paar Flaschen weglegen.

Wir wünschen Euch noch mehr außergewöhnlichen Spaß im Glas,

Euer Hendrik

14.07.2019 - Folge 396

Dominó - Lusitanien am Limit

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Liebe Walinauten,

wir haben lange gesucht, bis wir diese portugiesische Perle gefunden haben. Der heiße Tip kam von unserem Freund Dirk van der Niepoort, der mit Vitor Claro bereits gearbeitet hat und zu seinen großen Unterstützern zählt.
Jetzt haben wir die erste Charge nach Deutschland geholt, denn in so wichtigen wie innovativen Weinmärkten wie USA, UK und Skandinavien finden sich diese Weine bereits und werden gefeiert. Nun kommen diese lusitanischen „Weine-am-Limit“ in unseren Weinpool und hoffentlich auch zu Euch auf den Tisch.

Wer ist Dominó?

Wenn jemanden der Weinbazillus befällt, dann gibt es oft kein Halten mehr. Passioniert war Vitor Claro schon immer, vor allem als erfolgreicher junger Koch. Doch seine wahre Leidenschaft war der Rebensaft. Seit einigen Jahren bewirtschaften er und seine Frau Rita Ferreira in der abgelegenen Serra do S. Mamede im Alentejo alte Weingärten auf 750-800 Meter Höhe. Dazu kommen Weinberge im nördlich gelegenen Beira Interior und am Douro. Mittlerweile haben die beiden ihre Fühler sogar in die fast vergessene Atlantikregion Colares nördlich von Lissabon ausgestreckt. Ihre Philosophie ist weit entfernt von überextrahierten Monsterweinen, die sich in heißen Regionen ohne weiteres keltern lassen. Bewusst haben sie sich für allerhöchste Ansprüche an den Standort der Reben entschieden.

Was ist das Besondere an den Weinen?

Die Subregion Portalegre im Alentejo bieten diese notwendigen Voraussetzungen mit ihren alten, autochthonen Reben. Diese müssen sich auf dem hartem Granit quälen und mit heißen Tagen, sowie klirrend kalten Nächten auskommen. Seit 2015 gibt es sogar einen eigenen kleinen Keller, nachdem sie die ersten Jahre als »Garagisten« gearbeitet haben, obwohl die Produktion mit 10.000 Flaschen trotz neuen Räumen weiterhin extrem limitiert ist. Nach einer meist langen, behutsamen Mazerationszeit findet der Ausbau in gebrauchten Barriques statt. Es wird nur teilweise entrappt und auf Schönungen wird komplett verzichtet. Mit minimaler Schwefelung und einer manchmal notwendigen, leichten Filtration werden die Weine auf die Flasche gezogen. Wer denkt, das Alentejo-Weine alle 15 % Alkohol haben müssen – was zwangsläufig irgendwann zur Maulsperre führt – der sollte sich mit diesen feinen, sinnlichen Gewächsen selbst eine zweite Chance geben. Denn erst dann versteht man das Alentejo ein bisschen besser.

Mehr lusitanischen Spaß im Glas wünscht,

Hendrik

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