Wein am Limit - Hendrik Thoma

Beiträge zum Thema "Allgemein"

24.05.2020 - Folge 441

Australia's Finest mit Ochota Barrels, Giaconda und Ocean Eight

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Liebe Walinauten,

wir lieben es an den Wein-Vorurteilen deutscher Verbraucher zu rütteln. Das Bild, das wir in unserem Land von australischen Wein haben, ist nach unserer Auffassung zu einseitig. Technisch, uniform und für das Discountregal produziert, so lautet die hiesige Meinung. Außer ein paar Icon-Weinen der Parker-100-Generation ist die Wahrnehmung auch in der Spitze fatal. Selbst Kennern der Materie werden höchstens 10 Namen einfallen.

Das Bild und die Szene die wir aus Oz kennen ist bunt, vielfältig und individuell. Ganz anders und weit entfernt von dem was in den deutschen Regalen stattfindet. Deshalb haben wir Euch ein Australien-Spezial zusammengestellt, welches sich fernab der gängigen Stereotypen befindet. Es gibt noch viel mehr zu entdecken, aber wir sind sicher, Euch einige der interessantesten Weingüter des Kontinents zu präsentieren.

Auch in “Down Under“ gilt: die besten Weine sind stark limitiert und haben ihren Preis. Im Vergleich zu den berühmtesten Gewächsen der Welt ist der aber immer noch reell.

Was erwartet Euch im Glas?

Die Böden, das variantenreiche Klima, die wurzelechten, teilweise uralten Reben und die nicht zu unterschätzende Tradition, aber auch der Pioniergeist sind das Feld, das in “Down Under“ bestellt wird. Der Trend zu kühleren Flecken, egal ob am Ozean oder in Höhenlagen, die bessere Analyse des Bodens und auch das erweiterte Spektrum der Sorten lassen viele Möglichkeiten zu. Holzeinsatz nur da wo nötig und möglich und moderatere Alkoholwerte sind auf der Agenda der neuen und alten Generation der australischen Winzer mit Qualitätsanspruch. Lasst Euch überraschen vom Gefühl und der Empathie, den die Wein-am-Limit-Protagonisten auf die Flasche gefüllt haben.

Wie schmecken die drei verkosteten Ozzy-Stoffe?

Riesling aus Down Under?! Für viele ist das ein Buch mit sieben Siegeln. Warum Eulen nach Athen tragen? Dabei steht Australien bei der Riesling Produktion ganz weit vorne, sogar im internationalen Vergleich liegt es mit 4260 Hektar vor Frankreich, Österreich und Washington. Nach den 24.000 Hektar in Deutschland stehen die Ozzys sogar auf Platz 2 der Riesling Rebflächen weltweit. Dennoch sind viele Rieslinge aus Australien recht belanglos. Taras Ochota gelingt es, einen Stoff auf die Flasche zu ziehen, der genauso rebellisch unangepasst ist wie er selbst. Wie es sich für einen ehemaligen Punkmusiker gehört, hat er seinen Riesling einer der ersten US Hardcore Punkbands aus den 80igern, den „Adolescents” gewidmet. Der 2019er “Kids of the Black Hole” spiegelt die Rebsorte in seiner reinsten Form wie ein hartes Gitarrenriff wieder. Er hat eine saftige Säure und zitrusfrische Aromatik, die ziemlich frech und aufmüpfig, vor allem „ bonedry“ geladen, im Glas daherkommt. Das ist kein klassisch australischer Riesling, auch kein deutscher oder ein elsässer Stil. Es ist ein Taras Ochota Original. Simply delicious!

Jetzt muss ich aufpassen, dass ich nicht zu überschwänglich werde. Aber was der Giaconda 2016 “Estate Vineyard Chardonnay“ aus Beechworth, Victoria im Glas zeigt ist ganz großes Kino. Wahrscheinlich liegt er bei den 10 besten Chardonnays die ich je getrunken habe. Diese Mischung aus einem Potpourri von Popcorn, Feuerwerks Böllern, Curry, Salzbutter, exotischen Früchten und einer nicht aufgesetzt wirkenden Dichte und Komplexität. Das seidige feine Mundgefühl, die präzis eingestellte Säure und der nicht enden wollende Geschmack sind episch. Wohl dem der ein paar von den raren Flaschen sein eigen nennen kann.

Die kargen und kalkreichen Böden von Ocean Eight liefern den Stoff, der beim ruhig und überlegt agierenden Mike Aylward zum 2017 Pinot Noir führt. So kennt man Australien hierzulande bisher nicht; denn diese Finesse, diese Frische und diese zurückhaltende, aber nachhaltige Tiefe schreibt man Pinots immer nur in Europa zu. Mike entlockt den Beeren eine knackige Frucht, die nach roten Johannisbeeren, Walderdbeeren und Sauerkirschen duftet. Dazu kommt ein, für Mornington Peninsula typisch, kräuteriger Duft der mit einer saftigen Säure bestens abgestimmt ist. Ziemlich unterschätzt, eigenständig und mit Empathie (nicht zuviel Holz) umgesetzt. Wenn Übersee im Glas dann bitte so…

Wir wünschen euch schon jetzt mehr “Ozzy” Spaß im Glas,

Euer Hendrik & das WaL-Team

17.05.2020 - Folge 440

Ankündigung des Fioingsten-Pakets

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Liebe Walinauten,

die Digitalisierung schreitet mit großen Schritten voran und macht auch vor dem Weinbusiness nicht halt. Das ist nichts Neues, aber ist es, seit Kontaktbeschränkungen und Reisewarnungen unseren Alltag bestimmen, unumgänglich andere Wege als ausgetrampelte Pfade und schick geteerte Straßen zu gehen. Die Situation ist besonders und teilweise chaotisch, doch sollten wir versuchen die mit Ihr verbundenen Veränderungen als Chance und nicht als Bürde zu sehen.

Wir halten die digitale Fahne hoch

Ein Thema das uns schon seit langem bei Wein am Limit begleitet ist die Online-Verkostung. Als wir anfingen wurde noch nicht gezoomt, sondern mit Google+ Hangouts übertragen. Die Technik hinkte unseren Ideen immer ein wenig hinterher. Heute ist es anders. Wir können ohne große Hürden mit zig Winzern und Walinauten auf der ganzen Welt zusammenkommen und uns unserer Leidenschaft widmen: Wein verkosten. Der Aufwand ist nicht besonders hoch und der Spaß ist enorm. Wir müssen weder hunderte Kilometer fahren, noch nach der Weinprobe überlegen wie wir nach Hause kommen. Es gibt viel Positives und wir sollten das Neue nicht grundlegend ablehnen oder zu kritisch sein.

Natürlich wird ein digitales Meeting nicht die Emotion aufbringen können, die wir haben, wenn wir mit Freunden vis-a-vis am Tisch sitzen, die dritte Flasche Wein leeren und uns danach freundschaftlich im Arm liegen. Wir lieben Verkostungen und die wird es auch bei Wein am Limit weiterhin geben. Doch müssen wir uns daran gewönnen, dass Online-Verkostungen auch nach den Krisenzeiten, ein zusätzliches Tool sein werden, um noch näher mit Winzern und uns Weintrinkern zu agieren. In Zukunft freuen wir uns also auf mehr digitalen Spaß im Glas mit jedem, der sich traut und Lust hat.

Der rote Faden des Fio Wines Projekts

Das Fio Wines-Projekt, das mit dem Jahrgang 2012 begann, ist das Baby von drei passionierten Winzern, die den traditionellen Moselstil pflegen und kultivieren. Der rote Faden – Fio heißt auf portugiesisch Faden – ist Entschleunigung und Stressbefreiung in unserer rasanten Welt, vor der auch die Weinbranche nicht halt macht. Es gibt heutzutage viele technisch korrekte und schnell „gemachte“ Weine, aber das Besondere spricht nur durch die Herkunft und seine Originalität zu uns. Viele reden darüber, nur wenige setzen es gekonnt um.

Online Verkostung mit Fio Wines

Am Freitag, den 29. Mai 2020 von 19:00 Uhr bis 20:30 Uhr treffen die Walinauten auf Philipp Kettern und Marco van der Niepoort von FIO Wines. Philipp lernte auf einer Verkostung in der Karibik (!) den legendären Dirk van der Niepoort aus Porto kennen. Letzterer liebt deutsche Rieslinge, insbesondere die filigranen Moselrieslinge mit ihrer nervig­rassigen, fruchtbetonten Art. Ein Besuch bei Jean-François Ganevat war sicherlich ebenso prägend. Man wollte den Stil aus dem Jura mit an die Mosel bringen und hat sich im Jura inspirieren lassen. Es dauerte ein paar Jahre, bis die beiden einen gemeinsamen Nenner für ihr Projekt fanden. Zwischenzeitlich stiegen Dirks weinbegeisterte Söhne Daniel und Marco mit ein und leben mittlerweile an der Mosel.

Alle Weine aus dem Hause FIO sind schon Dank ihrer ausgiebigen Fassreife gut trinkbar, aber auch mit reichlich Potential für die nächsten Jahrzehnte ausgestattet. Die Trauben werden handgelesen und stammen von den steilen Hängen aus dem legendären Weinbauort Piesport an der Mittelmosel. Sie vergären langsam und spontan in großen 1.000 Liter Fuderfässern und reifen einige Zeit darin. Diese schonende, ruhige Art des Ausbaus, benötigt zum Beispiel geringe Schwefeldosierungen und sonstige Eingriffe in den Entstehungsprozess. Damit sind sie sicher nicht allein, auch andere großartige Winzer folgen diesem Weg, dennoch sind hier ein paar großartige charaktervolle Gewächse entstanden. Ein spannendes Projekt von unseren charaktervollen Freunden, das bei aller Langsamkeit eines hat: „Rasanten Trinkfluss!“

Wir freuen uns auf Euch und den Moselspaß zu Pfingsten im Glas,

Hendrik, Philipp & Marco

10.05.2020 - Folge 439

Chateau d'Arlay -Willkommen im Jurassic Park

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Liebe Walinauten,

wir sehnen uns nach den Zeiten in denen wir Gäste in unserem Weinpool getroffen haben, um mit Ihnen neue Folgen für unsere WaL Videoshow aufzunehmen. Es wird wohl noch etwas dauern und während wir auf neue Stoffe aus Australien warten, haben wir fast übersehen das ein heißgeliebter Stoff während des Shutdowns bei uns klammheimlich eingetroffen ist. Die Weine von Château d’Arlay aus dem Jura sind -wenn auch begrenzt- wieder da.

Auf diesem Weingut vereinen sich Tradition, aber auch Vision und zeitgemäßes Denken in harmonischer Art und Weise. Wahrscheinlich, weil in der Weinbranche die alte Regel gilt: “die ersten hundert Jahre waren die schwersten, danach wurde alles ganz einfach”. Count Alain de Laguiche und seine Familie sind seit 1000 Jahren auf dem Kalkfelsen von d’Arlay ansässig. Wahrscheinlich fällt es ihm deswegen so leicht jedes Jahr eine stilsichere Kollektion abzuliefern. Auf alle Fälle sind diese eigenständigen Weine endlich wieder verfügbar, sogar ein paar Flaschen vom seltenen Strohwein- dem Vin de Paille- gibt es.

Wer ist Château d’Arlay?

Auf den 1800 Hektar Weinbergen die es im Jura gibt, werden von Alteingesessenen wie von Newcomern aufsehenerregende Weine gefüllt. Château d’Arlay nimmt dabei -nicht zuletzt aufgrund seiner Historie- den Status eines Klassikers ein. Das 25 Hektar Weingut hat einige sehr alte Weinberge (im Betriebsdurchschnitt 50 Jahre), einen traditionsreichen Fasskeller aus dem 17. Jahrhundert und liegt sehr günstig an der Grenze der Bresse zum höheren Juragebirge mit südlicher Ausrichtung, die vor den kalten Nordwinden schützt. Die Durchschnittserträge liegen bei 30 Hektoliter pro Hektar. Der mergelige Boden besteht aus Kalkstein mit fossilen Einschlüssen, obwohl nicht organisch zertifiziert, wird in vielen Punkten in dieser Methode gearbeitet. Diese natürlichen Voraussetzungen sind der Grundstein für einen Grand Cru, der unter Kennern einen Ruf wie Donnerhall besitzt. Château d’Arlay gehört zu den traditionsreichen Gewächsen einer europäischen Weinkultur, die unverwechselbar und einzigartig ist. Mit einem Bein in der Vergangenheit, mit dem anderen in der Zukunft. Epic!

Wie schmeckt der neue Stoff aus dem Jura?

Ein sehr unterschiedliches Trio. Der 2016 Blanc Tradition ist der Signature Wein von d’Arlay, wenn es um Zugänglichkeit und Frische geht. Hier findet sich im Bukett etwas vom berühmten Florhefeduft, der an Mandeln, Champignons und salzige Butter erinnert, wieder. Wenn man so will riecht und schmeckt er wie ein Manzanilla Sherry, ohne den kräftigen Alkohol zu haben und nur mit einer zarten Andeutung an das klassische Sherry Aroma. Ein vielfältiger Speisebegleiter, der vor allem gut zu Seafood, aber auch Pilz- oder Gemüsegerichten, wie Spargel, Steinpilzen und Morcheln oder gebackenem Sellerie passt. Knochentrocken, nussig, sehr mineralisch und mit einem genialen Schmelz ist diese 3 Jahre im gebrauchten Barriques gereifte Blend aus Chardonnay und Savagnin.

Der 2012 Corail hat seinen Namen nicht von ungefähr, mit seiner transparenten korallenroten Farbe, die durch das blenden von weißen und roten Grundweinen, aber auch die 4 jährige Reifung in gebrauchten Fässern stammt. Ein klassischer Wein, wenig fruchtig, mit Würze und erdigen Aromen daherkommend. Man kann ihn leicht gekühlt wie einen kräftigen Rosé oder mit 17° C wie einen leichten Rotwein trinken. Was für ein köstlicher Stoff mit einer „old school und old world“ Nase. Spicy! Ein feiner Duft von alten Fässern, erdigen Noten und einer zarten roten Frucht die an gereiften Pinot Noir denken lässt (der auch hier Komponente ist). Das ist echte Lebensfreude im Glas. Schön, dass es noch so etwas noch gibt.

Der 2018er Trousseau „En Treize Vents“ ist erst der zweite Jahrgang dieses Rebsortenweines und trotz der 14,5 Volt finde ich ihn elegant. Denn man merkt sie diesem kraftvollen Rotwein aus den wärmeren, flacheren Lagen des Châteaus überhaupt nicht an. Ein echtes Kunststück, welches seine Balance durch die d’Arlay typische Säure und die knackigen, gut eingebundenen Gerbstoffe findet. Diese Sorte erlebt eine kleine Renaissance. Vor dem Genuss 1-2 Stunden in die Karaffe geben und Spaß haben, aber nicht warm werden lassen. Sonst wird er zu Sangria.

Wir wünschen euch jurassischen Spaß im Glas und bleibt gesund,

Hendrik & das WaL-Team

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