Wein am Limit - Hendrik Thoma

Beiträge zum Thema "Allgemein"

23.07.2017 - Folge 4

Welche ist die richtige Trinktemperatur für Wein?

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Liebe Walinauten,
das Weingenuss mehr mit Gefühl, als mit festgelegten Schemen zu tun hat, davon zeugt der Umgang mit der Trinktemperatur des Weines. Natürlich sind die Richtlinien in der Literatur brauchbar, aber häufig schwer umzusetzen. Einige wollen das Glas beschlagen sehen, brr, andere (viele) wiederum ihren Rotwein in Kamintemperatur genießen.
Für mich ist der maßgebliche Faktor die Außentemperatur. Diese ist wiederum von den Räumlichkeiten und der Jahreszeit abhängig, sogar von den Weingläsern (schrankwarm, dünn- dickwandig und Größe). Spätestens jetzt wird es kompliziert. Muss nicht, kann aber, vor allem ist man selbst gefragt. Wer seinen Rotwein oder Champagner mit Eiswürfeln trinken möchte, der soll das bitte tun. Ich mache es nicht, weil ich mir den Wein nicht versauen möchte. Unser degenerierter Zeitgeist der an „eiskalt“ und somit häufig geschmacklos gewöhnt ist, will schließlich auch befriedigt werden. Soll er, jeder muß glücklich werden, ganz für sich alleine.
Ein paar kleine Trink-Hilfen habe ich Euch in dieser Folge zusammengestellt und wer noch etwas dazu weiß, der kann es gerne kommentieren, oder soll uns erzählen wie er es gerne mag.
Insgesamt gilt für alle Weine, je leichter und dünner, desto kühler können sie getrunken werden, egal ob Rot oder Weiss. Bei niedrigeren Temperaturen zeigt sich die primäre Fruchtaromatik stärker und Säure wird intensiver und Alkohol weniger wahrgenommen. Weine, die in kleinen neuen Barriques ausgebaut werden, werden wenn zu kalt getrunken, meistens unangenehm bitter und haben eine harzige Holznote. Passt nicht, machen trotzdem viele.
Viele opulente Weißweine zeigen ihre Komplexität irgendwo zwischen 14-16 ° Cel. Deswegen am besten an in eine Karaffe geben, bauchige Gläser aus dem Schrank und langsam warm werden lassen. Irgendwann kommt der Punkt, wenn es zuviel ist. Jetzt gilt schneller trinken, oder kalten Wein nachschenken.
Was für die Säure gilt, ist auch bei Bitterstoffen üblich. Je kühler, desto stärker schmeckt man die Tannine (Gerbstoffe aus der Traubenschale). Bei sonnengeladenen roten Alkoholgranaten macht es durchaus sie bei 12-14° Cel. zu trinken. Die Frucht präsentiert sich klarer, der Alkohol hält sich zurück und die edlen Tannine werden kühlend und erfrischend wahrgenommen. Hier braucht es ein gutes Händchen, um das Optimum zu finden. Ein paar weitere Tips findet Ihr im Video.
Viel Spaß beim üben wünsche ich Euch und immer ein perfekt temperiertes Glas in der Hand,
Hendrik
06.07.2017 - Folge 309

Ankündigung für den 32. Livestream - Molinos Bergfussweine

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Liebe Walinauten,

der 32. Livestream findet am Donnerstag, den 24. August 2017 ab 20.00 Uhr auf „Wein am Limit“ statt.

Drei traumhafte Weine aus dem Piemont werden besprochen, bewertet und verkostet. Diese Region, auch das Langhe genannt, mit seinen pittoresken Hügelketten, ist eine der kulinarisch reichhaltigsten Italiens. Gelegen am Fuß der Alpen bietet es eine malerische Kulisse für einige der besten Gewächse der Welt. Die Weine hatten es in den 60-80iger Jahren schwer. Zuviel alter angestaubter Glanz, zu wenig Qualität im Glas, von obskuren Händlern abgefüllt. Der Aufstieg kam in den 80iger Jahren und gipfelte in dekadenten Preisen in den 2000ern, denen nicht mehr jeder folgen konnte und wollte. Bei dem Familienweingut Azienda Molino in Treiso ist das Sympathische, dass sie hohe Qualität zu vergleichsweise vernünftigen Preisen bieten. Alle Weine dieses aufstrebenden Weingutes sind authentisch und schnörkelos piemontesisch. In ihrem Portfolio bilden die Molinos die Vielfalt der Region ab, von denen wir drei Gewächse an diesem Abend mit Euch teilen wollen. Begleitet wird die Sendung von Marco Molino und seinem Cousin Jens, der sich um die Weinberge kümmert. Freuen wir uns auf eine unterhaltsame Episode aus Bella Italia.

Kurz die Spielregeln für den 32. Livestream. Es ist keine Anmeldung oder eine App nötig. Klickt uns auf dem Reiter Aktuelles Video am Donnerstag, den 24. August 2017 ab 20.00 Uhr auf „Wein am Limit“ an. Ihr könnt auf den Ablauf des Hangouts direkt Einfluss nehmen, indem Ihr uns z.B. über die Kommentarfunktion Eure Eindrücke mitteilt oder auch Fragen stellt. Wer möchte, kann darüber hinaus auf meinem öffentlichen Facebookprofil https://www.facebook.com/HendrikThoma unter der letzten Mitteilung Fragen stellen. Selbstverständlich geht das auch auf Twitter unter @hendrikthoma #WeinAmLimit. Für alle die nicht dabei sein können, sollen oder wollen: Don’t worry! Ihr könnt Euch die Sendung im „Reload“ in Ruhe anschauen (was viele machen) und dazu die Weine genießen. Wer sich das Paket nicht leisten möchte oder kann, ist trotzdem herzlich willkommen zuzuschauen und mitzumachen. Es wird eine Menge Vinotainment und Information geboten.

Wir freuen uns auf Euch und mehr Spaß im Glas,
Hendrik

28.06.2017 - Folge 308

Montepeloso - Es lebe der Verschnitt

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Liebe Walinauten,
häufig sind Weine aus dem Mittelmeerraum Blends. Zurecht! Denn das warme, maritim geprägte Klima und die unterschiedlichen Böden und Höhenlagen führen zu einer Vielzahl von Rebsorten, die wiederum individuell ausgebaut werden müssen. Somit ist eine Cuvée dem Fingerspitzengefühl und der Weitsicht des Autoren überlassen.

Fabio Chiarelotto ist ein Meister des Blendings und vor einigen Jahren hat er sich entschlossen, in einem kleinen Seitental von Suvereto an der Küste des tyrrhenischen Meeres, seinen Traum des eigenen Weinguts zu erfüllen. Im Gegensatz zu vielen anderen Produzenten in der Region hat er an die dort herrschende Sommerhitze angepasste Sorten ausgesucht. Auch hier ist der Klimawandel deutlich zu spüren und die internationalen Sorten wie Chardonnay, Merlot und Co. geraten in manchen Jahren eher zur Likörklasse, als zu trinkbaren Weinen.

Obwohl Fabios Spitzenwein, der Gabbro, aus einer über 30 Jahre alten Anlage stammt, sind seine Weine etwas wie die toskanische Antwort auf Châteuneuf-du-Pape aus dem Rhônedelta. Der köstliche Bianco de Toscano ist ein zarter, feiner Wein und ein delikater Einstieg in Fabios Range. Malvasia Bianca für den Unterbau, Claretta und Trebbiano für die Leichtigkeit und der Vermentino für das Aroma. Eigentlich war der Wein nicht für den Export bestimmt, doch nachdem wir ihn auf der Prowein probiert hatten, mußten wir ihn einfach haben. Er projiziert die Leichtigkeit italienischer Weißweine, ohne dabei banal zu sein, wie es viele aus Bella Italia (Lugana, Prosecco, Pinot Grigio etc.) sind. Ein toller Wein, der bis zum Ende des Jahres getrunken gehört.

Der rote A Quo ist der wichtigste Wein des Hauses, der die Philosophie bestens präsentiert. In einigen Ländern wird dieser sinnliche Rotwein enthusiastisch gefeiert, hier in D arbeiten wir daran. Traumhaft nach Amarenakirschen und Gewürzen duftet diese Blend aus Sangiovese, Montepulciano und Cabernet Sauvignon (nicht wie im Video falsch beschrieben). Als Gegenstück hat er eine saftige, natürliche Säure. Wieder einmal gelingt Fabio das Kunststück einen schweren körperreichen Rotwein mit anmutiger Leichtigkeit zu keltern. Ein klassischer Wein zum Essen und keine Obsttorte oder Trinkmarmelade.

So geht „la Dolce Vita“ und mehr Spaß im Glas,
Euer Hendrik

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