Wein am Limit - Hendrik Thoma

Beiträge zum Thema "Roséwein"

16.09.2018 - Folge 353

Christian Tschidas "Himmel auf Erden"

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Liebe Walinauten,
endlich sind die “Himmel auf Erden”-Gewächse vom burgenländischen Charakter-Winzer Christian Tschida wieder verfügbar. Viele haben sehnsüchtig auf diese Serie gewartet. Nach einem frostgeplagten 2016 in dem die Erntemenge recht klein ausfiel, kommen jetzt die markanten 2017er in den Weinpool. Der „Himmel auf Erden“ ist eine Radierung des berühmten, österreichischen Künstlers Prof. Alfred Hrdlicka (RIP 2009), der ein Freund von Christian Tschida war. Irdisch, sinnenfroh und aufmüpfig genau wie diese kleine Weine, so stellt sich dieses herrlich dekadente Bild dar.

WAS MACHT DIE WEINE VON CHRISTIAN BESONDERS?
Der kräftige Kerl, den man nur selten ohne Lederjacke sieht, wird gerne als »Enfant terrible« bezeichnet. Klar, das Burgenland war lange konservativ geprägt und da fällt so ein Charakter schnell auf. Fest steht,  dass Christian Tschida aus Illmitz ein unabhängiger Geist ist. Einer, der sich nicht leicht in Gruppen und Verbände zwängen lässt und der ganz konsequent seinen Weg geht. Er passt also sehr gut zu Wein am Limit. Bei all der Unabhängigkeit aber weiß er genau wie man Wein macht, ja wie man große und gleichzeitig völlig eigenständige Weine in die Flasche bekommt. Das hat viel mit dem richtigen Bauchgefühl zu tun und das scheint Christian in die Wiege gelegt worden zu sein.

FÜR WEN IST DER HIMMEL AUF ERDEN?
Diese Weine polarisieren, doch wenn man sich ihnen unbefangen stellt und sich einlassen kann, öffnen sie die Pforten zu neuen Geschmackshorizonten. Natürlich, nicht jeder wird ein Fan, weil sie sich außerhalb der geschmacklichen Komfortzone bewegen und mehr Free-Jazz als Kuschelrock oder Klassik sind. Aber, sie bleiben im Gedächtnis, ob positiv oder negativ als etwas völlig eigenständiges haften.

Unbehandelt, unfiltriert, ungeschönt und ohne zusätzlichen Schwefel auskommend, verfügen sie über einen großartigen Trinkfluss, vor allem durch ihre beeindruckende Textur. Mit solchen Begriffen wie roh, ungeschminkt oder Urtyp kann man, ohne sie probiert zu haben, vielleicht noch am meisten anfangen.

Auf alle Fälle sind sie traumhafte Essensbegleiter, insbesondere zu salzigen oder säuerlichen Speisen. Mega zu japanischer Küche oder zu den köstlichen Reis-Fischhappen, den Sushi, laufen diese Gewächse zur Höchstform auf.

Wir wünschen noch mehr himmlischen Spaß im Glas,
Euer Hendrik & das WaL Team

10.06.2018 - Folge 341

Tough People Drink Pink - Neues aus der Gut Oggau-Familie

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Liebe Walinauten,
diese zwei köstlichen Sommerkracher schmecken auch im Winter, eigentlich ist immer Zeit für sie. Es sind zwar Roséweine, aber nicht die typischen Bonbonwässerchen, sondern gestandene Persönlichkeiten. Bisher waren die beiden Familienmitglieder vom burgenländischen Gut Oggau immer sehr schnell ausverkauft bei „Wein am Limit“. Insbesondere der Jahrgang 2016 hatte es nicht gut mit dem kleinen Familienweingut gemeint. Zwar gab es eine hervorragende Qualität, aber leider zu wenig Wein. Die Familie mußte zusammenrücken und die verbliebenen Partien wurden geblendet, damit es überhaupt etwas gab. In 2017 entspannt sich die Lage mit gleichzeitig fabelhafter Qualität und Menge. Manchmal, aber nur manchmal kann die Natur auch versöhnlich sein.

WER IST GUT OGGAU?
Stephanie und Eduard Tscheppe-Eselböck bewirtschaften nach Demeter zertifizierten Kriterien 30 unterschiedliche Parzellen im Bereich Neusiedlersee/Burgenland. Neben Klassikern wie Blaufränkisch, Zweigelt, Grüner Veltliner und Weißburgunder gibt es auch den dort eher seltenen Gewürztraminer sowie die pilzresistente Rebsorte Roesler. Ihre naturbelassenen, langsam und mit Zeit ausgebauten Weine sind unfiltriert, ungeschönt und wenig, oder gar nicht geschwefelt. Keine von Dogmatismus geprägte Ideologie, sondern gefühlvoll interpretierte, flüssige Meisterwerke die handwerklich klar umgesetzt sind.

WAS ZEICHNET IHRE PHILOSOPHIE AUS?
Ihre Weine sind für sie Mitglieder eines Familienstammbaums von jung zu alt bzw. von frisch zu komplex. Sie sind für die beiden Weinmacher so lebendig und so eigenständig, dass es für sie auf der Hand lag, eine eigene Weinfamilie aus den Weinen entstehen zu lassen. Mit den Jahrgängen werden übrigens die Gesichter auf den Etiketten ebenfalls immer älter – ein kleines aber wichtiges Detail; denn es zeigt, wie konsequent die beiden Weinmacher sind. Und genau diese Konsequenz hat uns neben dem unbestrittenen Können auf ganzer Linie überzeugt. Hier entstehen unverwechselbare Weine mit großer innerer Kraft und Spannung.

WIE SCHMECKEN DIESE GEWÄCHSE?
Irgendwann ist immer das erste Mal. So kann auch eine Begegnung mit der Gut Oggau-Weinfamilie ungewöhnlich, sogar außergewöhnlich sein. Manchmal braucht es bei soviel Persönlichkeit eine wenig Gewöhnungszeit und vor allem Offenheit. Doch ist man im Kreis der Familie angekommen, dann kommt man nur noch schwer von Ihr los.

Wir wünschen Euch mehr Spaß im Glas mit der “La Familia“,
Hendrik

04.06.2016 - Folge 264

André, der Held vom Heldenplatz

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Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2015 Espontaneo / Blanc de Noir
Ludovic Engelvin, Languedoc
Soulfaktor 5
10-20 EurDetails
2015 Riesling "Von den Terrassen"
Weingut Knebel ,Mosel
Soulfaktor 4
10-20 Eur

Heute ist ein alter Freund und Weggefährte zu Gast. Mit dem Franco-Italiener André Nini habe ich mehrere Jahre im Hamburger Hotel Louis C. Jacob gearbeitet. Er ist ein Sommelier der alten Garde mit unglaublicher Passion und Fingerspitzengefühl für die “Trinkstimmung” seiner Gäste.

Vor kurzem hat er sich, gemeinsam mit seinen beiden Partnern Julia + Markus, einen langgehegten Traum erfüllt. Ein eigenes Restaurant in Hamburg, in dem einfach, aber gut gekocht wird und eine exquisite ausgesuchte Weinkarte auf die Gäste wartet.

Das besondere am Restaurant Heldenplatz ist eigentlich aber das “Spätkonzept”. Bis weit nach Mittnacht, ggf. auch um 2.00 Uhr morgens gibt es hier noch warme Küche, selbst ein Menü mit korrespondierenden Weinen. Der Heldenplatz hat seinen Focus auf Gastronomen und Nachtfalter, denen um diese Uhrzeit nach mehr zu Mute ist als nur ein fettiger Döner oder eine Phosphatstange mit Cola, gerichtet. Eine Bereicherung und Glücksfall für die Hamburger Gastronomie, den ich mit dieser Folge gerne unterstützen möchte. Wir brauchen in Hamburg mehr als nur diese vielen austauschbaren Biedermeier Lokale, sondern Gastronomen die in erster Linie wert auf die Qualität ihrer Produkte legen. Die gibt es, aber zu wenige… .

André hat einen Wein aus seiner Weinkarte ausgesucht, der bei WaL kein Unbekannter ist. Matthias Knebel alias “The Bachelor” ist mittlerweile ein gefragtes Fotomodell. Letztlich posierte der gut-aussehende Winzer in der deutsche Ausgabe der GQ als Dressman.

Aber nur hübsch sein ist nicht alles. Matthias ist ein großartiger Winzer, der auf der steilen Schieferhängen der Terrassen Mosel bei Winningen elektrisierende Rieslinge keltert. Der 2015er Riesling “von den Terrassen” kommt grandios im Glas daher: fruchtig, würzig, dicht und im Geschmack saftig frisch, sowie kompakt. Ein klasse Wein und im Einstiegsbereich von allerhöchster Qualität. Eigentlich fast gefährlich in dieser Preisklasse so gut zu sein, denn was soll da noch kommen?

Der 2. Wein ist ein weißgekelterter Grenache Noir aus dem nördlichen Languedoc. Der Espontaneo von Ludovic Engelvin aus Vic le Fesq ist mit seiner hellen Kupferfarbe und ganz leichten Trübung ein Hingucker.

Ludo einer der kompromisslosesten und mutigsten Winzer in der Wein am Limit Familie. Wahrscheinlich kann nur ein Seiteneinsteiger so unbekümmert Weine keltern. Seine ländlichen Nachbarn halten ihn für einen Spinner. Er hat unser anderem als Sommelier und Weinhändler gearbeitet, um sich später seine Sporen bei keinem geringeren als Didier Daguenau an der Loire, einer der großen Lichtgestalten des französischen Weinbaus, zu verdienen.

Ludo arbeitet retro im Weinberg mit Tieren und Pflanzen, bearbeitet jede Parzelle von Hand und interveniert kaum im Keller. Rechtzeitige, frühe Lese, spontane Vergärung, keine Schönung, Behandlung oder Filtration, geringe Schwefelung und Ausbau in in großen und kleinen gebrauchten Fässern.

Der “Espontaneo” ist pur, kristallin und glockenklar. Es ist, als wenn man an Salzsteinen lecken würde. Knochentrocken und erfrischend mit feiner Säure. Primärfrucht mit Dosenobstaroma sucht man vergebens. So stelle ich mir einen hellen, eleganten Rosé vor. Perfekt zu Seafood oder auch einem herzhaften Wurst- und Salamiteller und auch als Apero. Der ungewöhnliche Name steht für die Wild- und Unbekümmertheit der blutlosen, aber nicht ungefährlichen Variante, des französischen Stierkampfes.

Ein Wein ohne Schönfärberei und nichts für halbsüß kalibrierte + gemainstreamte Zungen. Oder vielleicht doch? Denn es ist an der Zeit wach zu werden und endlich wieder was zu schmecken, was echtes + authentisches nämlich.

Mehr Spass im Glas,

 

Hendrik

 

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