Wein am Limit - Hendrik Thoma
02.02.2014 - Folge 156

Herr Julien Suniers unendliches Gespür für Feinheit

Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2013 Fleurie
Julien Sunier, Beaujolais
Soulfaktor 4
20-30 EurDetails
2012 Morgon
Julien Sunier, Beaujolais
Soulfaktor 5
10-20 EurDetails

Liebe Walinauten,

wenn es nach dem Willen von Julien Suniers Vater gegangen wäre, hätte der junge Mann den elterlichen Friseursalon in Dijon übernommen. Doch Julien zog es in die Weinberge von Burgund und in die Welt. Er arbeitete in bekannten Domainen wie Jean Claude Rateau oder bei Nicolas Potel, aber ließ sich auch in Neuseeland oder Kalifornien inspirieren.

Dann ging es für 5 Jahre für das große Handelshaus Mommessin in das Beaujolais, um die Weinberge auf Vordermann zu bringen. Hier sah Julien die Chance gekommen, sich den Traum vom eigenen Weingut zu erfüllen. Alte hochgelegene Weinberge, karge Böden und ein Wein, den am Ende niemand so richtig wollte. Eine ideale Besetzung für die Hauptrolle von Don Quichote. Das schlechte Image ist durch den Beaujolais Nouveau (eines Zechweines, der schon so manchen Schädel gespalten hat) entstanden. Doch unter Weinfreunden genießen die Weine aus den 10 Crus im nördlichen Teil der Region einen sehr guten Ruf. Es sind absolute Geheimtipps, die sich mittlerweile weltweit größerer Nachfrage erfreuen. Leichte, feine Weine aus der Rebsorte Gamay Noir a jûs blanc, die auf den Granit und Schieferböden zur qualitativen Höchstform auflaufen. Es waren einst die Herzöge von Burgund, die den Gamay aufgrund seiner niederen Qualität hierhin verbannten. Eine gute Entscheidung, denn ein feiner Beaujolais kann ein wunderbarer Freudenspender sein.

Diese junge ca. 7 Hektar große Domaine (seit 2008) hat das Privileg mit sehr alten Rebstöcken zu arbeiten. Sie sind im Durchschnitt 40 Jahre alt. Dieser Umstand war auch der ausschlaggebende Grund für Julien, sich hier niederzulassen. Er ist inspiriert vom „Gottvater der natürlichen Weinbereitung“ Jules Chauvet und baut seine Weine sehr natürlich und handwerklich aus. Deswegen nennt er sich Artisan Vigneron und hat sich nach kurzer Zeit schon einen Namen unter der Winzerschaft gemacht. Diese Präzision für das Herausarbeiten der Herkunft ist mit jedem Schluck spürbar. Seine Weine gehören schon nach kurzer Zeit zu den besten der Region.

Der 2012er Fleurie stammt aus einer steilen Parzelle auf fast 500 Meter Höhe namens Niagara. Im Aroma finden sich Veilchen, Himbeeren und Walderdbeeren. Ein faszinierender, leichter Wein, der filigran über die Zunge tänzelt. Der 2012er Morgon stammt aus alten Reben der Parzellen „Les Charmes“ und „Corcelletes“ die auf 200-300 Meter Höhe wachsen. In der Nase hat er einen genialen Duft nach dunklen Sauerkirschen und Mineralien. Er kann sehr gut lagern, wie die meisten Weine aus dieser Gemeinde. Man spricht nach ein paar Jahren Lagerung auch vom „morgonisieren“, d.h. sie entwickeln einen Duft nach feuchter Erde und Trüffeln.

Ich finde diese puren, grazilen Weine sind ein Erlebnis und obwohl sie ungeschwefelt sind, werden sie sich viele Jahre halten. Denn mit Julien ist ein leidenschaftlicher Profi am Werk. J’adore!

Liebe Grüße,

Hendrik

Schreibe eine Antwort zu p-no Antwort abbrechen

Kommentare

14 Kommentare zu “Folge 156 : Herr Julien Suniers unendliches Gespür für Feinheit

    1. Hi, Praterralle,
      bin heute mal wieder ein bißchen begriffsstutzig, hab Deine Liste aber bei Wikipedia wiedergefunden. Lt. Wikipedia: Die 10 Beaujolais-Cru-Weine sind Chénas, Chiroubles, Brouilly, Côte de Brouilly, Fleurie, Juliénas, Moulin à Vent, Morgon, Régnié und Saint-Amour.

      Was meinst Du mit dem Hinweis auf andere deutsche Video-Weinblogs? Der Captain, ist jedenfalls soeben von Bord gegangen. 😉

      1. Hallo Rainer, mein Kommentar sollte keine Schleichwerbung sein, zumal ich auf der von Messias erwähnten Seite auch persönlich involviert bin.
        WAL ist derzeit bestimmt der renommierteste Blog und auch fachlich fundierteste, so dass er auch für viele Fachleute interessant ist. Aber eben nicht der einzige. Einfach mal googlen.
        Beaujolais finde ich sehr interessant, die Crus bekommt man aber oft in Bistros in Frankreich. Alle Namen habe ich aber auch nicht immer parat. Meistens bleibe ich bei einem Moulin à Vent oder Juliénas hängen.
        Das mit dem Captain tut mir leid. Einige Videos fand ich sehr unterhaltsam.

  1. ….vielleicht nicht ganz der einzige deutsche Wein-Video-Blog aber ganz sicher der beste Master Somm in HH 😉

    Beaujolais Cru finde ich persönlich sehr spannend und die beiden Weine klingen interessant. Der 2011er Fleurie Vieilles Vignes von Yvon Métras war einer der schönsten Weine die ich 2013 getrunken habe.

  2. Eine folge zu einer der interessantesten Gegenden die es zur Zeit in meine Augen gibt. Hier bekommt man viel eigenständigen Stoff für (noch) relativ wenig Geld.
    Möchte mich diesen Weinen in nächster Zeit noch mehr widmen. Nicht unbedingt nur Stoff aus dem Beaujolais, auch von der Loire und der Rhone kommen immer mehr neue und innovative Sachen. Entdeckt wird das hier in Deutschland leider oft erst sehr spät. Da sagt dein Einwurf bezüglich der New York Times schon alles. Hier sind uns die unglaublich innovative New Yorker Wein Szene sowie die Skandinavier (Norweger und vor allem Schweden/Stockholm) voraus.

    Cheers
    Marc

    P.S: Ich kannte bisher auch nur diesen Video-Wein-Blog hier. Der Captain scheint aber auch irgendwas in Richtung Video-Blogging zu planen soweit ich das mitbekommen habe. Man darf gespannt sein 🙂

  3. ich finde es gut, dass das Thema Beaujoulais immer wieder bei dir auftaucht.
    Mal wieder eine Folge, in der dein unnachahmlicher Enthusiasmus super rüber kommt.
    Chapeau !

  4. Hatte neulich einen Fleurie Le Garans (2011) von Louis Latour… War überhaupt nicht mein Fall! Vielleicht verstehe ich den Wein aber auch nicht!? Mit dem Beaujolais Village (ebenfalls von Louis Latour) war es leider nicht anders… Dennoch wieder eine gelungene Folge 🙂

  5. Hochinteressante Weine, die du hier vorstellst, Hendrik! Die Farbe vom Fleurie wirkt wie die Farbe eines Primeurs von einst (es gab ihn noch in Ziegelrot Mitte der 90er). Seit der Primeur mittels Kohlesäuremaischung purpur daher kommt ist jeglicher Trinkfluss allein durch die fehlende Säure und das langweilige Mundgefühl von Rotweinen mit hohem pH-Wert dahin…
    Interessant bei deinen vorgestellten Weinen der Zusamnenhang der Farbe im Glas und des pH-Wertes in Abhängigkeit der Höhenlage der beiden Weinberge. Eindeutig mehr ins Granatrote gehend der Fleurie aufgrund der stärkeren Säure wiederum bedingt durch die kühleren Nächte auf 500m gegenüber dem mit leichten violetten (wirklich nur dezent) Noten und damit höherem pH (weniger Säurebiss) des Morgon auf 200m gewachsenen Trauben…
    Auch fehlt mir die genauere Erläuterung zur Ausbaumethodik. Wie und mit was und in was und über welchen Zeitraum wurde vinifiziert?!? Ohne Schwefel wissen wir jetzt, aber sonst?!More Details please…

    P.S.
    Finde die Weine nicht auf deiner Website…

    1. Hallo Peer,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Sicherlich wird in erster Linie der Boden (in Fleurie ist es rosafarbender Granit und in Morgen mehr Schiefer und Granit mit Quarzadern), die Höhenlage und die daraus bedingte Reife der Trauben einen wichtigen Faktor für die Farbgebung spielen. Die Vinfikation ist eher klassisch. Keine Kohlensäuremaischung, sondern händisches Unterdrücken des Tresterhutes mit ganze Trauben mit Stielen und Stängeln. Die Temperatur bei der Vergärung geht nicht über 23 Cel.. Das Einmaischen findet im Beton statt und die Lagerung in gebrauchten Barriques dauert bis zu 11 Monate lang. Das wirkliche Ansinnen von Julien ist neben der peniblen Weinbergsarbeit der Verzicht auf die Zugabe von Schwefel und das arbeiten nach den biodynamischen Prinzipien. Ich würde ihn einen Weingartenverrückten nennen, der den Ausdruck der Lagen herauszuarbeiten versucht. Mehr dazu findest Du auf der Webseite von Julien: http://www.juliensunnier.com.
      Weiterhin mehr Spaß im Glas, Hendrik

  6. Super Thema!!
    hatte meinen ersten Morgon bei Elisabetta Foradori im Praktikum und seit dem steh ich einfach drauf! Hab mir gleich n paar Flaschen Morgon von Sunnier gekauft und bin drauf gespannt wie sie sich entwickeln 😉
    Was würdet ihr sagen, wann erreichen die Morgons ihren “Höhepunkt”? Mein ältester war bis jetzt ein 2006 von Jean Foillard& ich kann nur sagen TopTopTop – richtig genial Burgundisch – in einer Blindverkostung nie ins Beaujolais gesteckt!
    Cheers,
    Mathias

  7. Schöne Folge mit guten Tips, die neugierig machen. Ich will mal wieder nach HH und ich muss natürlich auch einen neugierigen Blick ins HQ werfen… 🙂

Menu