Wein am Limit - Hendrik Thoma

Beiträge zum Thema "Rotwein"

03.02.2019 - Folge 371

Bodega Noemia - Patagonien ohne Funktionskleidung

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Liebe Walinauten,

es gibt Weine die uns glücklich machen, vor allem wenn wir ihre Entwicklung der letzten Jahre betrachten. Die Bodega Noemia im abgelegenen, patagonischen Teil Argentiniens (1000 Km südlich von Buenos Aires) ist mit ihren neuen Jahrgängen zwar noch lange nicht am Ende ihres Könnens angelangt, aber von den Neuerscheinungen sind wir mächtig begeistert.

Die kühle Frische, die komplexe Tiefe und die unverschämt freche, klar definierte Puristik gehen nicht zu Lasten des Trinkvergnügens. Im Gegenteil, hier stimmen Balance, Komplexität und Feinheit. Es wird nicht, wie so oft, die delikate Frucht durch übermäßigen Holzeinsatz und aufdringlichen Alkohol maskiert.

Hans Vinding-Diers und seine Mannschaft sind auf der Höhe der Zeit. Ich behaupte den meisten anderen Weingütern aus Südamerika ist Noemia in Punkte Finesse weit voraus. Selbst die kernigen Franzosen können mit diesen Malbecs aus teilweise uralten, wurzelechten Reben nur schwer mithalten. Doch was nützen all diese Vergleiche? Man muß sie mal getrunken haben. Selten war ich so euphorisch, aber diese Weine zaubern ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht.

Wer ist Bodega Noemia?

Während eines Beratungsauftrags vor ca. 20 Jahren fand Hans Vinding-Diers die alten Malbec Weingärten aus den 30er und 50er Jahren im Rio Negro Tal. Einige davon waren parzellenweise mit Merlot bepflanzt, aber alle wurzelecht. Der mit einen dänischen Pass ausgestattete Winzer ist Cousin von Peter Sissek „Ping“ von Pingus im Ribera del Duero und Sohn von Peter Vinding-Diers, der die göttlichen Syrah auf Sizilien keltert. Er spricht 7 Sprachen, aber eines Beratungsauftrags vor über 20 Jahren fand Hans Vinding-Diers die alten verwilderten Malbec Weingärten aus den 30er und 50er Jahren im Rio Negro Tal. Einige davon waren parzellenweise mit Merlot bepflanzt, aber alle wurzelecht. Der mit einen dänischen Pass ausgestattete Winzer ist Cousin von Peter Sissek „Ping“ von Pingus im Ribera del Duero und Sohn von Peter Vinding-Diers, der die göttlichen Syrah auf Sizilien keltert. Er spricht 7 Sprachen, aber ironischerweise kein dänisch. Aufgewachsen ist er in Südafrika (Rustenberg) und Bordeaux und sein Erfahrungsschatz geht durch die ganze Weinwelt. Von Chile, Ungarn, Italien, Portugal, Spanien bis Uruguay reicht Hans kosmopolitische Weinkarriere. Noemia war von Anfang an eine Liebeserklärung und Passion, in der eine ganz besondere Energie zugegen war. Aus der Vision die alten Reben zu retten ist ein kleines Weingut mit 120.000 Flaschen Jahresproduktion entstanden. Die Weine haben international für große Aufmerksamkeit gesorgt und werden in so wichtigen Publikationen wie Decanter, Parker und Tim Atkin ganz weit vorn gehandelt.

Was zeichnet die Weine von Bodega Noemia aus?

Die sorgsame, traditionelle Weinbereitung und der Anbau nach biodynamischen Kriterien, die intensive Pflege der (individuell) Massale vermehrten alten Reben und der Einsatz von bestem Material, egal ob französische Fuder oder “State of the Art Humblot-Betoneier” sind in diesem südlichen Breitengrad etwas ganz Besonderes. Darüber steht ein in diesem Teil der neuen Welt seltener Herkunftsgedanke. Hier werden keine protzigen Blockbuster in 2,5 Kg Flaschen abgefüllt, sondern intelligent und behutsam ausgebaute Weine. So exotisch, wie sie von ihrem Terroir her anmuten, so konsequent setzen sie einen neuen Standard in Punkto Finesse und Individualität. Diese Malbecs haben das, was eben ganz große Weine auszeichnet: eine ausgeprägte Persönlichkeit und Charakter.

Mit diesem Wein habt Ihr “mehr frischen Spaß im Glas”, ob mit oder ohne Funktionskleidung

Euer Hendrik

20.01.2019 - Folge 369

Bussaco - Der beste Hauswein der Welt

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Liebe Walinauten,

der neue Jahrgang des Bussaco Branco aus Portugal ist gerade im WaL-Pool angekommen. Mit dem Jahrgang 2015 kommt einer der besten Jahrgänge aus der jüngeren Geschichte des “besten Hausweins” der Welt auf den Markt.

Die Weine des Bussaco Palace Hotels gehören ganz sicher zu den bestgehüteten Geheimnissen der Weinwelt, nicht weil sie absichtlich der Öffentlichkeit vorenthalten wurden, sondern weil sie lange Zeit ausschließlich den Gästen des Hauses vorbehalten waren. Das im neogotisch-manuelinischen Stil gehaltene Hotel wurde in den Jahren 1888–1907 durch die Familie de Almeida umgebaut. Für die illustren, internationalen Besucher sollte es natürlich den besten Wein der Region geben. Durch die Isoliertheit Portugals, vor allem während der Zeit des Diktators António de Oliveira Salazar in den Jahren von 1925-1974, passierte wenig. Damit gerieten auch diese legendären Hotelweine in Vergessenheit, wurden allerdings trotzdem weiter produziert. Außer dem weltbekannten britischen Buchautor Hugh Johnson fanden sie in der Literatur keine Erwähnung. Er schrieb bereits in den 80er Jahren, dass allein diese Gewächse eine Reise nach Portugal wert sind.

WAS IST DAS BESONDERE AN BUSSACO?

Das Besondere an den Weinen ist unter anderem ihre traditionelle Herstellungsweise. Die spezielle Traubenmischung stammt aus den Regionen Dão und Bairrada. Die reifen Trauben werden bis heute in traditionellen Steintrögen, den Lagares, mit Füßen gestampft und mit 50 % der Stiele und Stengel (bei den Rotweinen) vergoren. Die Weine werden in Fudern oder auch in 300-Liter-Fässern ausgebaut. Sowohl die roten als auch die weißen Bussaco-Weine reifen phantastisch und legen über Jahrzehnte hinweg zu. Am besten werden die Weine vor dem Trinken karaffiert und entsprechend temperiert. Aufgrund unserer aktiven Marktforschung vor Ort wissen wir um das irre Reifepotential dieser seltenen Gewächse. Der 1955 Branco schmeckt zur Zeit sehr gut! Bei den Tintos lieben wir den 1983er, der bei einer Probe vor einiger Zeit sogar berühmte Premier Grand Cru Classé souverän auf die Plätze verwies.

WIE SCHMECKT DAS EIGENTLICH?

Die Aromatik ist klassisch, nicht konzentriert, sondern von großer Vielfalt und nicht so einfach kategorisierbar. Manche Jahrgänge schmecken wie große alte Bordeaux, andere wiederum wie klassische Barolo. In einigen Jahrgänge nehmen es die Bussaco-Weine mit den ganz großen Weinen der Welt auf. Auch die Weißweine sind von epischer Qualität, manchmal duften sie wie perfekte Burgunder, manche Jahrgänge wie weiße Rioja oder nach gereiftem Semillon. Das macht die Einzigartigkeit von Bussaco aus, sie sind wie ein Chamäleon. Um diese Solitäre auch weiterhin glänzen zu lassen, hat die Familie d’Almeida die Weinlegende Dirk van der Niepoort gewinnen können. Ihm verdanken wir es, dass wir als einer der wenigen Händler auf der Welt diese Gewächse auch außerhalb Portugals vertreiben dürfen. Zeitlos schmeckende Weine, die nie an Aktualität verlieren, sondern immer auf der Höhe der Zeit sind.

Mit Bussaco schmeckt Ihr die Herkunft und habt definitiv “mehr Spaß im Glas”,
Euer Hendrik

16.09.2018 - Folge 353

Christian Tschidas "Himmel auf Erden"

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Liebe Walinauten,
endlich sind die “Himmel auf Erden”-Gewächse vom burgenländischen Charakter-Winzer Christian Tschida wieder verfügbar. Viele haben sehnsüchtig auf diese Serie gewartet. Nach einem frostgeplagten 2016 in dem die Erntemenge recht klein ausfiel, kommen jetzt die markanten 2017er in den Weinpool. Der „Himmel auf Erden“ ist eine Radierung des berühmten, österreichischen Künstlers Prof. Alfred Hrdlicka (RIP 2009), der ein Freund von Christian Tschida war. Irdisch, sinnenfroh und aufmüpfig genau wie diese kleine Weine, so stellt sich dieses herrlich dekadente Bild dar.

WAS MACHT DIE WEINE VON CHRISTIAN BESONDERS?
Der kräftige Kerl, den man nur selten ohne Lederjacke sieht, wird gerne als »Enfant terrible« bezeichnet. Klar, das Burgenland war lange konservativ geprägt und da fällt so ein Charakter schnell auf. Fest steht,  dass Christian Tschida aus Illmitz ein unabhängiger Geist ist. Einer, der sich nicht leicht in Gruppen und Verbände zwängen lässt und der ganz konsequent seinen Weg geht. Er passt also sehr gut zu Wein am Limit. Bei all der Unabhängigkeit aber weiß er genau wie man Wein macht, ja wie man große und gleichzeitig völlig eigenständige Weine in die Flasche bekommt. Das hat viel mit dem richtigen Bauchgefühl zu tun und das scheint Christian in die Wiege gelegt worden zu sein.

FÜR WEN IST DER HIMMEL AUF ERDEN?
Diese Weine polarisieren, doch wenn man sich ihnen unbefangen stellt und sich einlassen kann, öffnen sie die Pforten zu neuen Geschmackshorizonten. Natürlich, nicht jeder wird ein Fan, weil sie sich außerhalb der geschmacklichen Komfortzone bewegen und mehr Free-Jazz als Kuschelrock oder Klassik sind. Aber, sie bleiben im Gedächtnis, ob positiv oder negativ als etwas völlig eigenständiges haften.

Unbehandelt, unfiltriert, ungeschönt und ohne zusätzlichen Schwefel auskommend, verfügen sie über einen großartigen Trinkfluss, vor allem durch ihre beeindruckende Textur. Mit solchen Begriffen wie roh, ungeschminkt oder Urtyp kann man, ohne sie probiert zu haben, vielleicht noch am meisten anfangen.

Auf alle Fälle sind sie traumhafte Essensbegleiter, insbesondere zu salzigen oder säuerlichen Speisen. Mega zu japanischer Küche oder zu den köstlichen Reis-Fischhappen, den Sushi, laufen diese Gewächse zur Höchstform auf.

Wir wünschen noch mehr himmlischen Spaß im Glas,
Euer Hendrik & das WaL Team

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