Wein am Limit - Hendrik Thoma
03.05.2013 - Folge 106

Drehst Du ihn hier - Drehst Du ihn da

Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2012 Scheurebe, Kabinett, trocken
Radebeuler Wagen; Fréderic Fourrè, Sachsen
Soulfaktor 4
10-20 Eur
2011 Genussmensch, Landwein, trocken
Weingut Karl-Friedrich Aust, Sachsen
Soulfaktor 4
10-20 Eur

Liebe WaLinauten,

Wein am Limit ist weiterhin auf Reisen. Heute aus Dresden bin ich zu Gast bei einem „weinverrückten“ Ehepaar, das zwei wunderbare individuelle Räume für Wein geschaffen haben.

Roswitha „Rosi“ und Silvio Nietzsche -der Nachname ist Programm- haben sich während ihrer Tätigkeit in der Sterne-Gastronomie kennengelernt. Silvio war 5 Jahre lang Chef-Sommelier bei *** Koch Dieter Müller und Rosi im „Husarenquartier“. Heute lassen sie es lockerer angehen und führen zwei Weinbars in Dresden. Dies schon seit einigen Jahren, und mit viel Erfolg. Denn Silvios Wein/Kultur/Bar ist an den Wochenenden bis zu einem Jahr im Voraus ausgebucht. Deswegen musste ein weiterer Platz für Rosi geschaffen werden.

Da sie beide sehr eigene Vorstellungen und häufig unterschiedliche Meinungen haben, gibt es mittlerweile den „Genussmensch“. Dort bietet Rosi leitet viele Seminare und Verkostungen an.

Da die sächsischen Weine, geprägt vom kontinentalen Klima, zu den großen Unbekannten gehören, habe ich meine beiden Sommelierfreunde gebeten, mir ihre Favoriten vorzustellen. Das Gebiet ist sehr klein (450 Hektar) und zu DDR-Zeiten waren diese Tropfen eher ein schlechter Witz und „Bückware“ für Funktionäre. Trotzdem waren sie aufgrund ihrer glorreichen Vergangenheit heiß begehrt. Heute versickert vieles davon in durstigen Touristenkehlen.

Die 2012 Scheurebe aus der Granitlage „Goldener Wagen“ ist ein leckerer, saftiger Kabinettwein mit ausgeprägter Nektarine und Cassisnote. Der Geschmack ist sehr weinig und ausgewogen. Es zeigt, dass diese Rebsorte seriöse, anspruchsvolle Qualität erbringen kann, wenn man will. Der Franzose Fréderic Fourré ist ein echter Garagenwinzer in der kleinen sächsischen Weinszene und dazu noch einer der besten. Seine klassischen terroirbezogenen Weine sind ein liebevoller Ausdruck ihrer Heimat. Leider wurden nur 160 Flaschen von dieser Scheurebe produziert und damit wären wir wieder beim Thema „Bückware“.

Der „Genussmensch“ ist ein puristischer, richtig trockener kräftiger Riesling aus dem Keller von Karl-Friedrich Aust, Radebeul. Ein weiteres jungen Winzertalent, das Ihr im Link unten auf meinem Youtube-Kanal kennenlernen könnt.

Dieser Wein ist Rosis Lieblingswein und liegt für mich bei knapp 5 Soulpunkten. Ein geradliniger Stoff mit Ecken und Kanten, der philosophische Anforderungen an den „Trinker“ stellt.

Ich empfehle jedem, den es nach Dresden verschlägt diese „positiv weinverrückten“ und liebenswerten Menschen zu besuchen.

Weiterhin mehr Spaß im Glas!

Euer Hendrik

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Kommentare

12 Kommentare zu “Folge 106 : Drehst Du ihn hier – Drehst Du ihn da

  1. Sehr schöne, sympathische Folge. Gleich meinen Eltern empfohlen, die heute in Dresden weilen. Hoffe sie bekommen ein gutes Glas… 🙂

  2. Video mit Winzer Karl Friedrich Aust angeguckt. Was will er? Ein bisschen seine Selbstverliebtheit ausleben? Ein bisschen Selbstverwirklichung vorführen? Ein wirtschaftliches oder kaufmännisches Interesse sehe ich bei ihm nicht. Er nimmt sich exakt 10 Minuten Zeit für seine Selbstdarstellung – das ist ihm zumindest sehr eindringlich gelungen. Beneide ich ihn dafür? Ich glaube ja! <8-)

  3. Witzig ist die Reaktion der Kellnerin und die der in den Kameraausschnitt hereinplatzenden Gäste im Hintergrund! 🙂

  4. Klassefolge. Finde es vor allem gut, dass junge Winzer ausgesucht wurden. Die Etiketten der Weine haben mir auch sehr gut gefallen. Habe mit Weinen aus Sachsen noch wenig Erfahrungen gemacht. Eher mit denen aus Saale-Unstrut und die fand ich speziell bei Riesling und Weißburgunder herausragend. Hier hab´ich auch einen der wenigen Dornfelder getrunken, die Klasse haben.

  5. Schoen neben Weinmachern in Deutschland auch mal wieder so viel Leidenschaft fuer Wein zu sehen! Vielleicht ist es an solchen Zorten noch moeglich Neugierde und Offenheit zu finden, ein guter Boden fuer die Leidenschaft…
    Tolle Sendung und bei meinem naechsten Deutschland Besuch auf dem Radar, danke und weiter so!

  6. Endlich mal ne Folge aus der Heimat, fein fein. Die sächsischen Weißweine werden nach meinem Dafürhalten leider noch unterschätzt. Liegt vielleicht daran, dass die Mengen überschaubar sind und wir unser Zeug meist selbst trinken :-). Die Rieslinge und Burgunder müssen den nationalen Wettbewerb aber keinesfalls scheuen. Finde auh die Ecke Diesbar Seußlitz spannend. Die Idee einer solchen Weinbar mit Schwerpunkt auf den Getränken ist genial. Da müssen aber erstmal zwei Zugereiste, jedoch sympathische, kommen.
    Der sächsische Rotwein ist dem Weißen für meinen Geschmack unterlegen. Da muss noch ein bisschen Klimawandel her. Eines meiner Wunschthemen ist damit abgearbeitet, fehlt noch eine Folge Elsass. Also Hendrik, sattel die Pferde…

    1. @Messias, wahrscheinlich kennst Du es schon, aber ich zitiere mal auch für alle die sich für das Elsass interessieren. Aus einer Leserzuschrift vom 14.09.10 auf CC wo es mehrere Beiträge zum Elsass und teils auch sehr deutliche und widersprüchliche Meinungen zu finden gibt:
      „…hier der Link zum größten französischen Weinforum und seiner Elsassrubrik – … [http://lapassionduvin.com/phorum/list.php?8,page=1] „
      Das ist eine wahre Fundgrube von angesagten und umstrittenen Winzern und deren Wein im Elsass.

      1. Danke für den Hinweis. Leider reicht mein Schulfranzösisch an der Stelle nicht aus. Grundsätzlich halte ich das Elsass aber für unterschätzt. Die Pinot Blancs und Rieslinge sind ideale Sommerweine, super trinkig eben. Und landschaftlich macht man eh nicht falsch. Also hinfahren, immer wieder hinfahren…

      2. Also, ich finde die tabellarische Übersicht nach Name des Weinguts auch ohne Sprachkenntnis sehr informativ und für tieferes Verständnis ist die automatische Maschinen-Übersetzung von Google besser als nichts, zumal zusätzlich automatisch immer der Originaltext eingeblendet wird, praktisch und als schnelle Infoquelle durchaus brauchbar.

      3. Als tabellarische Übersicht ist das schon richtig (einige Bekannte gefunden 🙂 ), aber bei den einzelnen Posts hört es dann auf. Translate habe ich unterwegs nicht zur Verfügung. Werde es aber nachholen.

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