Wein am Limit - Hendrik Thoma

Beiträge zum Thema "Weißwein"

24.06.2018 - Folge 342

Collective Z - Mal das Kirchenpeace im Kalkoven lassen

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Liebe Walinauten,
wir haben einen großartigen Neuzugang bei Wein am Limit zu verzeichnen. Eine kleine Entdeckung mit zwei ganz großen Weinen.

WER IST COLLECTIVE Z?
“Was der Bauer verlernt hat, das macht er nicht mehr, dafür mache ich es wieder!” So müßte wohl der Claim von Christoph Ziegler lauten. Neben seinem Hauptjob in einer bekannten Pfälzer Weinmarketing-Agentur hat er vor einigen Jahren das Garagenweingut Collective Z gegründet, mit dem Ziel authentische, naturverbundene Weine zu keltern. Unterstützt wird er von Vater Heimut – Pensionär und ehemaliger Wein- Tabak- und Feinkosthändler und Freundin Marie für händische Feldarbeiten. Elisabeth für Pferdemist und Kuhpräparate, Alex Pflügler für Kellernetzwerk, Ross the „Englishman“ und Onkel Phil für Draht, Stickel & Co..

WAS ZEICHNET DIE HERKUNFT DIESER WEINE AUS?
Am Anfang eines jeden charaktervollen Gewächses steht immer ein anspruchsvolles Terroir. Das hat er in der völlig unbekannten Enklave Leistadt -auf 250 Meter Meereshöhe- bei Bad Dürkheim in der Pfalz gefunden. Normalerweise holen hier die Winzergenossenschaften ihre Ernte ab, aber immer mehr bekannte Produzenten schauen sich in den nicht flurbereinigten Weinbergen um. Denn hier ist es um einiges kühler als in der Ebene und die krassen Kalkfelsen bilden ein forderndes Terroir. Ein besonderes Merkmal sind u.a. die im Schnitt 25-50 Jahre alten und zum Teil wurzelechten Reben. Davon gibt es nur wenige in Deutschland, ja sogar weltweit kaum. Die natürlichen Bedingungen sind perfekt, nur wurden sie lange einfach übersehen. Die Weinberge werden ausschließlich biologisch bewirtschaftet.

WIE SCHMECKT DER STOFF?
Austauschbare Weine können viele keltern, doch Christoph war von Anfang an überzeugt keine Verkostungsweine, sondern elegante Speisebegleiter auf die Flasche zu füllen. Die handgelesenen Beeren werden nach ein paar Stunden der Einmaischung warm und spontan mit „Dreck und Speck“ vergoren und reifen lange im großen Fuderfass auf der Feinhefe, ohne irgendwelche Eingriffe, wie Schönung oder Filtration. Kurz vor der Füllung kommt eine sehr kleine Menge Schwefel dazu. Handwerklich traumhaft umgesetzte Gewächse, wie wir sie lieben, sind das Ergebnis. Es brauchte schon immer Menschen mit Vision und Passion, die bereit sind über den Tellerrand hinausschauen. Bauer Christoph und sein kleines Team sind solche selten gewordenen Charakterköpfe und auch noch Quereinsteiger.

Wir wünschen Euch mit diesem Neuzugang mehr Spaß im Glas,
Hendrik & das WaL-Team

03.06.2018 - Folge 340

The new Californication Chardonnays

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Liebe Walinauten,

auch am „Golden State California“ gehen die Entwicklungen der letzten Jahre nicht vorbei. Moderater Fassausbau, weniger Alkohol, andere Rebsorten als die bekannten Klassiker, kühles Terroir und großartige Präzision. Dabei bleibt die brillante, kalifornische Fruchtigkeit erhalten und sorgt für eine eigene Stilistik.

Die Bewegung „The new California“ besteht zwar nur aus zwei dutzend kleiner, vor allem junger Betriebe, doch dafür haben diese es in kurzer Zeit auf die besten Weinkarten des Landes geschafft und sind häufig nur noch über Mailingliste zu bekommen. Ganz weit vorne spielt das Garagenweingut „Arnot-Roberts“ aus Healdsburg in Sonoma mit. Selbst den konservativen, europäischen Geschmack der „Osküsten-Sommeliers“ von New York City haben sie geknackt. Hier werden ihre Weine sogar restaurantweise zugeteilt. So weit sind wir in Deutschland nicht, aber die Mengen, die wir bekommen, sind mini und auch immer schnell ausverkauft.

Es war im Jahre 2001 als sich die Partner Duncan Arnot-Meyers und Nathan Lee Roberts entschlossen den Grundstein mit 4 Fässern Wein für Ihr Negociant Geschäft zu legen. Sie selbst besitzen (fast) keine Lagen, doch durch ihre bisherige Ausbildung (u.a. mit dem legendären John Koonsgard) sind sie sehr gut vernetzt und da beide aus alten Weinfamilien stammen kommen sie an des Lesegut bester Lagen. Das, was sich andere nicht trauen anzubauen, keltert das Duo mit Leidenschaft und großem „Know How“. So gibt es in ihrem Portfolio so seltene Vertreter wie die Trousseau aus dem Jura oder eine der besten Rotweinsorten der Welt, die portugiesische Touriga Nacional. Die beiden schauen nicht auf das, was sich einfach verkauft, sondern auf das, was ihnen schmeckt.

Wir haben gerade ein kleine Menge der beiden saftigen Chardonnays bekommen. Koryphäen, wie der britische Weinautor Dr. Jamie Goode von „The Wine Anorak“ und Antonio Galloni von Vinous und Stephen Tanzer vom International Wine Cellar sind voll des Lobes für die Gewächse des Duos. Parker hat seit 2012 nicht mehr probiert, hatte aber auch damals schon Höchstnoten gegeben. Egal was die Auguren sagen, wir lieben diese feinen, eleganten Weine, die zeigen, das es anders geht. Im Vergleich zu den Blockbustern sind die Arnot-Roberts Weine sehr fair bepreist. Wir finden sie auch wesentlich besser, als die „Holzmonster-Show off Weine“ eingebildeter Produzenten, die das großspurige Wein-Wapplertum bedienen.

Denn hier geht es eindeutig um mehr Trinkspass im Glas als Maulspeere,
Hendrik

22.11.2017 - Folge 321

Grau, Grauer, Grauburgunder!

9 Kommentare

Liebe Walinauten,

auch wenn es schon wieder ein paar Tage her ist. Herzlichen Dank für die vielen lieben Wünsche zu meinem 50. Geburtstag. Es war einfach toll sich von Euch hochleben zu lassen. Wir sind momentan unter Arbeit begraben, aber Zeit für eine neue Folge muß sein.

Zehn Flaschen Grauburgunder, samt eines neuen Rimowa Koffers, haben mir zehn deutsche Sommeliers zum Geburtstag geschenkt. Wer erinnert sich noch an das Drama vom vorletzten Jahr, als zwei nagelneue Koffer einfach auf dem Flug nach La Palma verloren gingen? Nun ja, Air Berlin gibt es nicht mehr und auch keinen Ersatz, außer eine Menge Ärger mit der deutschen Gerichtsbarkeit, teuren Anwaltsgebühren und den orientierungslosen, unverfrorenen Mitarbeitern der Airline. Recht haben ist eine Sache, es zu bekommen eine andere. Uns war es eine Lehre. Gefangen in der Welt der „Big Corporates“.

Wenn man sich heute in den sozialen Netzwerken eindeutig äußert, wird einem das sofort übel genommen, das erfährt man so am Rande und hinter vorgehaltener Hand, aber Gott sei dank bin ich noch nicht taub. Anscheinend muß immer alles „Friede, Freude, Eierkuchen!“ sein. 

Weil ich in einem FB Post einen kaltvergorenen, restsüßen Grauburgunder als passionsloses Tröpfchen beschrieben habe, wurde ich zur Kategorie der “GB Hater” hinzugefügt. Überall diese Schwarz-Weiß-Denke. Nun, ich bin nicht angetreten um langweilige Weine für „Wein am Limit“ oder als Sommelier zu finden. Wenn ich in ein Restaurant gehe, dann möchte ich Weine mit Charakter trinken. Ansonsten wird die Aufnahme von diesem zur bedeutungslosen Alkoholbeschaffungsmaßnahme und ist für mich kein Genuss mehr.

Jeder kann und soll alles trinken dürfen, das ist meine eindeutige Meinung. Wir leben ja nicht in Nordkorea oder Zimbabwe. Allein schon deswegen, kann und sollte es genauso erlaubt sein, zu sagen, was einem nicht gefällt. Allerdings kommt hierzulande sofort der Mob des Mittelmaßes der einen versucht runterzuziehen oder der Borniertheit zu bezichtigen.

Mir gefällt (oder mich inspiriert) es nicht, dass viele Winzer eine bestimmte Art Grauburgunder keltern, die nur darauf abzielt marktgerecht zu sein. Viele würden ihre eigenen Weine nicht trinken, aber angeblich will der Kunde es nicht anders. Es gefällt mir noch viel weniger, wenn solche Suppen dann teuer in der Gastronomie verkauft werden oder in der Publikumspresse als großartig bezeichnet werden. Dafür geben sich dann sogenannte Expertengremien her, die ihren Namen gerne in der Zeitung lesen (das habe ich früher auch gemacht, was ich heute sehr bedaure). Damit wird der breiten Öffentlichkeit vorgegaukelt, dass man Spitzenweine auch für 2,— € kaufen kann. Es stand ja schließlich in der Zeitung.

Es bleibt mir als Kunde das Privileg etwas anderes zu bestellen oder erst gar nicht in solche Restaurants (man bestellt einen Grauburgunder egal von wem, Hauptsache Grauburgunder) zu gehen. Es gibt viele tolle -auch bezahlbare- Weine auf der Welt, die Alternativen sind reichlich und dann gibt es noch einige Grauburgunder die mir gut schmecken. Meine Lieblingssorte wird er wahrscheinlich nicht mehr, aber er kann ja nichts dafür was mancher Zeitgenosse aus ihm macht.

Auf mehr Spaß im Glas,

Hendrik

PS. Auf die 10. Pulle Grauburgunder von Florian Seufer-Wasserthal vom Paulysaal aus Berlin warte ich noch immer!

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