Wein am Limit - Hendrik Thoma
07.04.2012 - Folge 11

Frenglish/Denglish und Pouilly

Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2011 Pouilly-Fumé
Jonathan Didier Pabiot, Loire
Soulfaktor 4
10-20 Eur
2010 Pouilly-Fumé „Aubaine“
Jonathan Didier Pabiot, Loire
Soulfaktor 5
10-20 Eur
2009 Sauvignon Blanc „Quarz“
Cantina Terlan, Südtirol
Soulfaktor 5
10-20 Eur

Blitzbesuch vom Loire-Produzenten Jonathan Pabiot in Hamburg. Ich war sehr neugierig auf ihn, denn drei Wochen vorher hatte ich seine Weine während meines Urlaubs getrunken und war extrem begeistert. Das sind die Weine mit reichlich Soul, die mich rocken. Kein Chi-Chi, sondern sehr direkt und gestochen klar sind seine Tropfen. Jonathan gehört zu der neuen Generation junger französischer Winzer, die ganz unbekümmert und voller Leidenschaft an die Arbeit gehen. Seine Weine können es mit den großen renommierten Weingütern der Region locker in qualitativer und preislicher Hinsicht aufnehmen. Typen wie Pabiot sind die echten Heroes des Weingeschäfts. Offen, bescheiden, fleißig, reflektiert und neugierig. Klasse auch, dass er sich im Gespräch sichtlich bemüht, gutes „Frenglish“ zu sprechen. Das ist bei unseren Nachbarn nicht unbedingt Standard und zeigt doch, wie sehr sich die Verhältnisse ändern. Jonathan erklärt sehr anschaulich die unterschiedlichen Böden der Region um Pouilly-sur-Loire am oberen Lauf der Loire. Es gibt den feuersteingeprägten „Silex“, den kiesigen „Caillotes“ und die lehmig-kalkigen „Terres Blanches“, die seine Philosophie prägen. Sehr spannend finde ich besonders die Stelle, an der Pabiot erklärt, warum der Katzenurinduft im Sauvignon Blanc vorkommen kann. Weine wie die von Jonathan geben mir das unzerstörbare Vertrauen wieder, dass es die französische Seele und ihren Terroirgedanken auch wirklich gibt. Der ausdrucksstarke Aubaine kann wärmer getrunken werden (ca. 12-16 °C) und entwickelt sich prächtig in einer Karaffe über mehrere Stunden.

Zum Schluss verkosten wir noch einen fantastischen Sauvignon Blanc aus Südtirol. Geprägt von der alpinen Welt und hohen Lagen auf 700-800 Meter entsteht ein wahrer Blockbuster-Sauvignon, der ganz behutsam im Holz ausgebaut wurde. Der Quarz von der Cantina Terlan, der auf vulkanischem Porphyrboden wächst, ist ein haltbarer dichter Wein, der seinesgleichen sucht. Er zeigt eine weitere Facette dieser duftigen Rebsorte, die viele nur als abgestandenes Spargelwasser mit Paprikageschmack kennen.

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Kommentare

14 Kommentare zu “Folge 11 : Frenglish/Denglish und Pouilly

  1. Ich finde, ein wirklich guter Sauvignon Blanc braucht Körper, Fülle und Extrakt, und sollte nicht zu leicht daherkommen. Schön ist auch, wenn er deutliche und interessante Fruchtaromen bietet. Mein Ideal in dieser Hinsicht ist der Sauvignon Blanc des rheinhessischen VDP-Weinguts Gutzler.
    Nichtsdestotrotz ist ein Pouilly Fumé ein phantastischer Essensbegleiter, besonders zu Fisch und Meeresfrüchten.

  2. Lieber Herr Thoma,

    ich finde Wein am Limt wirkich erfrischend und lehrreich und freue mich auf jede Folge. Ein Kritikpunkt sei erlaubt – der Textauzug zum Video “Das sind die Weine mit reichlich Soul, die mich rocken” ist furchtbar. Was soll das heißen? Soll das besonders “cool” sein? Das ist kein Deutsch und wird den Weinen auch meines Erachtens nicht gerecht.

    Beste Grüße
    Emil

    1. Lieber Emil, vielen Dank für die offenen Worte. ‘Rocken’ ist sicherlich eine bewusst gewählte Metapher. Mir fehlt häufig in der Weinsprache die umgangssprachliche Gefühlswelt. Ich möchte nicht cool sein, sondern nur das sagen, was ich denke und direkt empfinde. Mich stört dieses nichtssagende Spreitzdeutsch bei einigen Weinbeschreibungen. Viele Grüße, Hendrik

      1. Lieber Hendrik,
        danke für die Antwort. Ich finde Emotion in der Weinsprache absolut wünschenswert. Nichts ist langweiliger als eine distinguierte und möglichst wissenschafftliche Beschreibung von Weinen, die ja gerade mit Lebensfreude zu tun haben. Mit Deinen Videos entfachst Du Begeisterung und machst Lust auf die verkosteten Weine. Ich habe grundsätzlich Probleme mit Begriffen wie “rocken”. Könnt man hier nicht “begeistern” verwenden. Oder ist das nicht damit gemeiint? Wenn nictht, was sonst? Aber das ist natürlich eine persönliche Sache, bin wahrscheinlich etwas altmodisch.

        Beste Grüße
        Emil

  3. Neben dem Riesling ist der Sauvingon Blanc sicher einer meiner Lieblingsrebsorten! Ebenso wie der Riesling bringt dieser – sofern gut gemacht – das Terroir vorbildlich zum Vorschein. Danke für den Tipp, werde die Weine sicher mal verkosten – der Quarz ist natürlich wohlbekannt und wird immer gerne wieder getrunken, wobei der “kleine Bruder” Sauvingon Winkl auch nicht zu verachten ist 🙂

    Ciao Peter

    P.S. @Emil: Genau solche Texte finde ich erfrischend, mir geht allzu oft bei den Weinkritikern die Emitionalität ab, die ich hier im Blog finde!

  4. silex, das erinnert mich an den nachmittag mit dem leider verstorbenen didier dagueneau vor vielen jahren. seinerzeit ein grosser pionier in dieser region. er wurde nicht von jedem gemocht, seine weine sind aber einzigartig und grosses kino!

      1. das habe ich mir schon gedacht 😉 ich traf kürzlich winzer colombo im hotel la mirande in avignon. er war zum dinner dort und trank eine flasche von dagueneau, also aus seiner zeit. ein glückliches gesicht hatte der mann.

  5. Ein gelungenes Video Monsieur Thoma. Selbst die Länge (23 min.) stört wenig da es Spass macht zuzusehen und frenglish zu hören.

    Joyeuses Pâques !!!!!!!!

  6. Hab den Quarz im Glas…schön zu sehen, daß ich experimentierfreudig war und meinen Jungs diesen super Wein kredenzt habe, ohne zu wissen daß Hendrik ihn in einer Blind Verkostung hatte….bin bißken Stolz 😉

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