Wein am Limit - Hendrik Thoma
04.06.2013 - Folge 113

Wild Baby!

Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2011 Wild Carignan Reserv
Recanati, Judean Hills
Soulfaktor 5
10-20 Eur

Liebe WaLinauten,

zu den großen Exoten der Weinwelt gehört Israel. Obwohl das biblische Land zur einer der Wiegen des Weins gezählt wird, gibt es erst seit 10-15 Jahren wirklich Spannendes von dort zu berichten. Das meiste wird von einer Generation, in den USA ausgebildeter, Önologen und Winemakern abgefüllt. Deswegen gibt es durchaus einen legitimen stilistischen Vergleich zu den kalifornischen Weinen mit den dort dominierenden internationalen Rebsorten wie Cabernet, Merlot und Chardonnay. Häufig bedeutet das viel Langweile im Glas. Weine, die mit moderner Kellertechnik nach einfacher Formel entstanden sind und kaum Eigenständigkeit bieten. Doch Israel ist immer wieder für Überraschungen gut. Ich denke gerne an die Domaine du Castel bei der Welt-Cabernet-Verkostung in Zürich vor einigen Jahren zurück. Sie schickten damals einen sensationellen Wein ins Rennen, der ohne weiteres mit der internationalen Konkurrenz mithalten konnte. Einige ganz große Namen stellte er damals sogar in den Schatten.

Mittlerweile ist eine neue, jüngere Generation in den Startlöchern. Diese hat sich auf einen eleganteren Weinstil und herausfordernde Terroirs, z.B. Negev oder Golan Heights, eingelassen.

Zu dieser gehört Gil Shatsberg von Recanati. Der „Wild Carignan Reserve“ trägt seinen Namen von der urwüchsigen Erziehungsform im becherförmigen Gobeletschnitt. Die unbewässerten Reben sehen zwar aus wie 100jährige Methusalems, sind in Wahrheit aber „nur“ 30 Jahre alt. Der Boden ist ein karger Kalkboden in den Judean Hills (bei Jerusalem) und die Reben liefern auf natürliche Weise minimale Erträge. Der Wein wird weder geschönt noch gefiltert und hat eine intensive, tiefdunkle Farbe. Es werden bis zu 5000 Flaschen von dieser kleinen Einzellage gefüllt, allerdings variiert das aufgrund der Minierträge von Jahr zu Jahr. Meine Flasche trug die Nummer 2027.

Ich finde, dass diese, ursprünglich spanische, Mittelmeertraube mehr Beachtung in Israel finden sollte. Einst war sie wichtig, dann wurde sie wieder vergessen. Die pfeffrige Urwüchsigkeit und wilde Aromatik dieses eindrucksvoll konzentrierten Weines sind ein toller Beweis, dass sie nach Israel gehört. Reichlich Frucht in der Nase und ein herber mineralischer „Touch“ machen ihn ungeheuer gut trinkbar. Dass er gut reifen kann, steht bei diesen Anlagen außer Frage. Dieser Tropfen hat Substanz!

Die einzige Hürde, die man bei diesem Wein nehmen muss, ist der Preis von knapp 40 Euronen. Ist diese erst einmal genommen, dann hält einen nichts mehr von einem authentischen Weinerlebnis ab.

Definitiv mehr Spaß im Glas,

Euer Hendrik

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Kommentare

2 Kommentare zu “Folge 113 : Wild Baby!

  1. Hallo,
    laut Deiner Beschreibung scheinen 40 Euro mehr als gerechtfertigt zu sein. Bin gespannt ob ich diesen Wein irgendwo auftreiben kann.Klingt sehr interessant.
    Die rote Büste macht mir allerdings Angst…

  2. Bei der Büste muss ich MarkusK zustimmen. Schaut aus, als ob man den Che wieder ausgegraben hätte. Meine Erfahrungen mit israelischem Wein sind nicht so umfangreich. Habe aber mitbekommen, dass es wichtig ist, dass diese Weine koscher sind. Darum auch der hohe Preis . Es hat auch wenig Sinn diese nicht im Zusammenhang mit der Küche zu sehen. Immerhin eine der großartigsten Küchen, die es gibt. Aufgrund der Geschichte auch eines der schwierigsten Verhältnisse, welches man als Deutscher haben kann. Habe mich aber auch selten so gut wie mit Israelis unterhalten. Als Wein kenne ich den Yarden, sowohl als Cab, wie las Ch. und finde diese absolut nicht langweilig.

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