Wein am Limit - Hendrik Thoma
04.09.2013 - Folge 131

Cordobar!

Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2011 P…….N (Prellenkirchen)
Muhr-van der Niepoort, Carnuntum
Soulfaktor 5
10-20 Eur
2010 Scheurebe-Riesling, Spätlese „Achtung“
Bürgermeister Carl Koch, Rheinhessen
Soulfaktor 5
10-20 Eur

Liebe WaLinauten,

diesen Donnerstag, den 5. September 2013 wird ein neuer Stern am Firmament des Berliner Weinhimmels zu sehen sein: Die schon der Eröffnung vielbeachtete „Cordobar“ in der großen Hamburger Strasse 32, unweit des Hackeschen Marktes, öffnet ihren Türen.

Der Name der Bar ist eine nicht ganz ernst zu nehmende Anspielung auf das unsägliche Versagen der deutschen Fußballnationalmannschaft während der Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien. Am Ende stand es 3:2 für die im Turnier längst ausgeschiedenen Österreicher. Mit diesem Ergebnis sorgten sie dafür, dass die Deutschen bereits in der Vorrunde gleich mit nach Hause fuhren. Einige Unverbesserliche hätten sich natürlich eine weniger sportliche Absprache aus reiner Gefälligkeit gewünscht. Siehe dazu den Link unten.

Nun geht es in der „Cordobar“ eigentlich um andere Dinge als um Fußball – na ja, am Freitag wird doch geglotzt. Hinter dieser Idee stecken drei interessante Persönlichkeiten mit unterschiedlichem Background. Gerhard Retter (natürlich Österreicher), ehemaliger Maitre und Sommelier des Berliner Luxushotels Adlon und die weinbegeisterten Amateure Christof Ellinghaus (Deutscher, Musikproduzent vom Label „City Slang“) und Jan-Ole Gerster (Deutscher, Filmproduzent, z.B. „Oh Boy“).

Die Idee ist, außergewöhnliche Weine in authentischer Atmosphäre mit feinstem Musikkonzept zu featuren. Hier soll nicht die übliche Allerweltsbrühe ausgeschenkt werden, sondern Weine von spannenden Persönlichkeiten finden sich auf der liebevoll zusammengestellten, mehr als 700 Positionen umfassenden Karte. Wer möchte, kann die fair kalkulierten Tropfen (los geht es ab 10 Euronen bis „The sky is the limit“) für einen Aufpreis von 9,90 € des Ladenverkaufspreis vor Ort gleich verhaften. Ein transparentes Konzept, das den Konsum sicher anregen wird.

Dafür wird ein weiterer Österreicher im Team sorgen: Willi Schlögl ist ein dynamischer junger Sommelier, der nebenbei auch noch Wein im Südburgenland keltert. Seine letzte Position hatte er im „Petit Felix“ im Hotel Adlon inne. Er ist der Garant dafür, dass der (Gesprächs-)Stoff niemals ausgehen wird. Das Angebot, welches er mit den Partnern der „Cordobar“ zusammengetragen hat, ist auf jeden Fall einzigartig.

Der 2011er P…N stammt aus der Region Carnuntum (aus der Gemeinde Prellenkirchen), südlich von Wien und ist eine Weißweincuvée (70% GV, Riesling und Chardonnay), die im großen Holzfass ausgebaut wurde. Er ist lediglich als einfacher Tafelwein deklariert, weil er aufgrund seiner Andersartigkeit den Instanzen der Qualitätsweinprüfung mehrfach durchgefallen ist.

Ein wenig aromatischer, markanter Stoff, der richtig trocken schmeckt. Gleichzeitig ist er sehr generös und komplex. Der Prellenkirchen duftet nach getrockneten Kräutern, wie Melisse oder wildem Thymian und braucht viel Luft, bzw. bauchige Gläser um sich zu entfalten. Die Maische wurde von den Damen der Wiener Agentur „Wine & Partner“, deren Chefin Dorli Muhr-van der Niepoort ist, getreten. Ein schonendes Verfahren, das sie von ihrem Ex-Mann, dem bekannten Portweinproduzenten Dirk van der Niepoort übernommen hat. Dieser komplexe, herbe Tropfen ist genau nach meinem Geschmack und für österreichische Verhältnisse außergewöhnlich. Der damalige Kellermeister Craig Hawkins ist mittlerweile wieder im südafrikanischen Swartland tätig und sorgt mit seinen atemberaubenden Chenin Blancs vom Label „Testalonga“ (125. Folge) weiterhin für viel Beachtung.

Die polarisierende Scheurebe-Riesling Spätlese stammt aus dem säurereichen Jahr 2010 und elektrisiert die Synapsen. Wahnsinndüfte entsteigen dem Glas nach einem am Anfang verhaltenden seriösen Aroma: Rosa Grapefruit, Passionsfrucht und schwarze Johannisbeere. Es folgt ein punktgenauer Laserstrahl auf der Zunge, und wenn der Schmerz nachlässt, erhält man als Belohnung einen versöhnlich-mildsüßen, fruchtigen Geschmack.

Eine tolle Entdeckung von Willi. Denn dieses Weingut hatte niemand auf der Uhr, aber die Stoff ist so wie es das Weinkonzept der „Cordobar“ vorsieht: Köstlich und aufregend.

Schade, dass ich in diesem Fall in Hamburg und nicht in Berlin lebe.

Ich wünsche den Kapeiken von der „Cordobar“ eine erfolgreiche, saftige Eröffnungszeit und lege Euch, den Walinauten, einen Besuch (zu diesem Zeitpunkt von mir noch ungeprüft) ans Herz. Denn die Jungs tragen das Herz für Wein auf der richtigen Seite.

Salut,

Euer Hendrik

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Kommentare

16 Kommentare zu “Folge 131 : Cordobar!

  1. Erweitern Sie Ihren Wortschatz mit WaL. Den Begriff „Kapeiken“ kannte ich nicht, der Duden kennt ihn auch nicht, Ösi-Slang ist es angeblich auch nicht und dann fand ich einen Zeitungsartikel des Hamburger-Abendblatts, da wurde der Begriff gebraucht.
    Der Satz lautet: „Die kreative Hirnküche der Kosenamen-Kapeiken schmeckt hingegen nach Eisbergsalat im Mayomeer.“
    Diese Hamburger Journalistin wünsche ich mir mal als Gast bei WaL – mit anschließender Glossifizierung – oder so! 😉
    Kein Link – wer die Quelle finden will findet sie mit „googeln“ des Zitats selbst. ;-P

  2. „Schade, dass ich in diesem Fall in Hamburg und nicht in Berlin lebe.“
    Wenn ich mich nicht irre ist Gerhard Retter ebenfalls in der Nähe Hamburgs beruflich tätig. Etwa 30 km nordöstlich von Hamburg am Lütjensee. Da könnte ihr doch einfach eine Fahrgemeinschaft nach Belin bilden.;-)

  3. Hallo Hendrik,

    auch wenns wie immer ganz interessant ist, eine kleine Anregung meinerseits: Deine Folgen werden irgendwie immer länger, kann das sein? Ich bin ja großer WAL-Fan – aber mehr als 10 Minuten finde ich bei Online-Video immer schwierig, da verlierst du die Aufmerksamkeit der meisten User, egal wie gut du deine Sache machst.

    Geht natürlich vielleicht auch nur mir so…

    Schöne Grüße
    Klaas

      1. Für mich sind 20 Minuten mit interessanten Gästen auch ok – zwei-Minuten-Spots gibt es wo anders.

        Es passiert mir zwar immer wieder dass ich zwei oder drei Wochen lang nicht dazu komme die neuen Folgen anzusehen, aber dann gibt es eben mal drei oder vier Folgen am Stück – einen WaL-Abend könnte man das dann nennen….

  4. Das war mal was anderes, allerdings standen die Weine diesmal mehr im Hintergrund und es machte den Anschein, dass Ihr schon länger zu Gange wart. Das Konzept der Weinbar wird sicher funktionieren, denn ohne etwas Extravaganz geht man heute in der Masse unter. Ist für den nächsten Berlin-Trip vorgemerkt. Die Länge der Videos finde ich oK, solange man was zu sagen hat kein Problem.

  5. Das Video macht neugierig auf diese neue Weinbar. Das sieht nach viel Sachverstand und Herzblut aus. Für mich ist Rutz das non plus ultra aber ich probiere das gerne mal aus.

    Das Wortspiel CordoBar ist allerdings nur eins, peinlich. Friseure Haarschnitte oder Glückssträhne und Bars BarCelona oder WunderBar zu nennen war vielleicht vor 10 Jahren en vogue.

    1. du sprichst mir aus der seele.
      so interessant der laden zu sein scheint und so sehr mich das konzept und die idee auch ansprechen, der name geht wirklich gar nicht. an den vergleich mit den frisörgeschäften musste ich auch unweigerlich denken. ich habe, ohne flachs, die ganze zeit gedacht, dass noch der richtige name am ende genannt wird.

      für mich als ganz großen fan der scheurebe ist zumindest der wein vom bürgermeister sehr interessant. sollte man mal unbedingt testen.

      die länge der videos finde ich prima. in zehn minuten drei weine zu sprechen wird hingegen oftmals der sache, also den produkten, nicht immer gerecht, wobei auch diese variante ihre vorzüge hat. einfach weiter so wie bisher 🙂

  6. Habe zwar vorher schon beim Captain einen Artikel zum neuen Szene-Treff Berlins gelesen, aber Video ist halt besser. Zur Bar: Konzept finde ich gut, vor allem die große Auswahl offener Weine, zu zum Verkostungsmarathon einlädt. Vor Ort gibts solche Lokalitäten leider nur in wenigen Hotels zu unverschämten Preisen von 10Eur pro Glas. Wenn man die Flaschenpreise kennt, wendet man sich nur schweigend ab…

  7. Hallo, häufiger lese ich Kritik, dass die Folgen zu lang seien. Ich halte das für Unsinn. 20-25min sind mir keineswegs zu lang. Es ist aber typisch für die jüngere Generation, sich kaum länger als fünf min. auf eine Sache zu konzentrieren, da die Reizüberflutung so groß ist bei der Medienflut im Web. Ich persönlich schätze die längeren Folgen, besonders die mit spannenden Gästen. Ebenso wie die aktuelle Folge. Sehr unterhaltsam.

  8. War am 10. und am 11. in der Codobar…..und ich muss Hendrik recht geben:
    Die Jungs haben es wirklich drauf. Geniale Weinkarte (habe sogar wieder mal einen G-Max von Keller gesehen), tolles Entertainment undviel Kompetenz….Ich komme wieder, keine Frage.

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