Wein am Limit - Hendrik Thoma
30.11.2012 - Folge 68

Charles Schumanns heimliche Liebe für Port

Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
Ruby Port „Six Grapes“
Graham’s, Porto
Soulfaktor 3
10-20 Eur
1996 Late Bottled Vintage
Niepoort,
Soulfaktor 3
10-20 Eur

Charles Schumann ist ein gefragter Mann und Ikone der deutschen Barkultur. Manche kennen ihn auch aus der Werbung. Seine Schumann’s Bar am Hofgarten in München ist ein gepflegter Ort für gute Getränke und Gespräche. Nur wenige aber wissen, dass Charles auch ein großes Herz für den Portwein hat.

Die Geschichte seiner Portweinsammlung ist etwas kurios. Vor einigen Jahren brauchte Schuhmann Geld, um seine neue Bar zu finanzieren. Deswegen musste er sich von seinen Portweinen trennen. Mir wurden diese, in meiner Funktion als Sommelier des Hotels Louis C. Jacob, interessanterweise angeboten. Wir haben uns damals allerdings dazu entschlossen, die Finger davon zu lassen. Der Markt für seltene Jahrgangsportweine in Deutschland ist eher dünn. Der Zuschlag ging an einen Geschäftsmann. Vor einiger Zeit hat Charles diese Sammlung zum selben Preis zurückgekauft, nur um ein paar Flaschen weniger. Ich finde, man merkt ihm die Leidenschaft für dieses Thema an. Irgendwie finde ich es auch bezeichnend, dass ein Sammler sich von seinen Schätzen nur schwer trennen kann. So auch Charles. Aber ich habe ja rausgefunden, dass es eine Möglichkeit geben soll, wenn man höflich fragt.

Sonst kann man sich auch an den „offiziellen“ Ports der Bar erfreuen. Zum Beispiel der „Six Grapes“ von Graham’s. Ein fruchtiger Ruby, der aus verschiedenen Domainen der Symington Familie geblendet wird. In der Essenz stammt er aus der berühmten Quinta dos Malvedos und der Quinta das Lages. Der Name ergibt sich daraus, dass er aus den sechs bedeutendsten Rebsorten des Ports besteht. Es sind bis zu 45 Rebsorten am Douro erlaubt, aber bei Graham’s nimmt man nur diese sechs: Touriga Nacional, Touriga Franca, Tinta Roriz, Tinta Barroca, Tinta Cao und Tinta Amarela. Gelagert wird dieser Ruby im Gegensatz zu den ziegelroten Tawnies recht kurz, für nur ca. 4-6 Jahre im großen Fass. Der Six Grapes ist eine Blend aus unterschiedlichen Jahrgängen und erhält damit eine geschmackliche Beständigkeit wie zum Beispiel ein NV Champagner.

Für mich ist der Six Grapes bei den besten bekannten Marken-Portweinen mit hoher Qualität zu finden. Eine sichere Bank, wenn ich unterwegs bin und Lust auf ein bezahlbares Glas Port habe. Fruchtig, würzig und mit einem kühlen frischen Geschmack. Kein Blockbuster, wie es ein junger Vintage Port sein kann, sondern eher einer der Kategorie „easy going“. Schmeckt übrigens klasse zu dunkler Schokolade.

Der 1996er Late Bottled Vintage aus dem Hause Niepoort (wird noch eine Dauerwerbesendung für Niepoort hier auf WaL) ist ganz anders. Obwohl er ähnlich ausgebaut wird wie der Six Grapes, stammt er nur aus einem Jahrgang. Unfiltriert abgefüllt und mit deutlicher Reife, nicht zuletzt auch wegen der halben Flasche, kommt er superfein daher. Trockenobstnoten, exotische Gewürze und Amarenakische im Aroma. Ein herrlicher Drink zum Entspannen, der auf der Höhe seiner Reife angekommen ist. Dieser Stoff ist der Hausport im Schuhmann’s. Zum Mixen wäre er mir zu schade. Besser schmeckt er zu einem Gorgonzola oder einem Steak.

Überhaupt finde ich, dass dieses Getränk mehr Aufmerksamkeit in der Welt der Weine verdient hätte. Aber gut, wir arbeiten dran.

Liebe Freunde dieses Blogs: Was sind Eure Erfahrungen mit Portwein? Ich freue mich auf Eure Kommentare und wünsche Euch weiterhin eine schöne Adventszeit mit gutem Port im Glas.

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Kommentare

17 Kommentare zu “Folge 68 : Charles Schumanns heimliche Liebe für Port

  1. Hi Hendrik, schöner Beitrag mit der Barlegende aus München, welcher bis zu uns strahlt. Das neue WAL Motto ‘Der beste Wein im Glas’ gefällt mir überhaupt nicht. Was ist schon das Beste? ‘WAL für mehr Spass im Glas’ bringt es für mich besser rüber was WAL ist.

    LG aus der Schweiz
    Pascal

  2. Schöne Folge! Ich habe selbst noch garkeine Erfahrungen mit Portwein gemacht. Interessant finde ich wie ihr in dieser Folge auch das Thema Wein bzw. Portwein als “Wertanlage” anreisst, das wäre doch mal eine extra Folge wert! Welche Weine sich eignen, worauf man bei der Lagerung achten muss usw.

  3. Servus,
    Danke für diesen grandiosen Beitrag. Ich war zu Beginn meines Studiums ab und an im alten Schumanns. Im Neuen am Hofgarten war ich das letzte Mal vor vier Jahren. Es ist nicht so gemütlich wie das Alte. Nach dem Beitrag muss ich aber mal wieder hin. Schumann ist ja nun bald das letzte Original der guten Münchner Zeit….
    Ich bin wirklich auch Portweinfan und da vor allem die LBVs, da diese auch offen noch lange halten, dank des langen Fassausbaus. Das ist bei Vintages ja leider nicht möglich. Da ziehe ich dann Madeiras vor.
    Als Aperetif übrigens auch gekühlt ein Tipp, der aber wahrscheinlich gar nicht so neu ist.
    Grüße aus dem Süden.

  4. Hallo Hendrik,
    hat mir wirklich gut gefallen die Sendung. Ein Gast, der einem zeigt, dass man auch noch im Alter der ewige Stenz sein kann. Sehr beruhigend.
    Port ist schon eine unheimlich geile Sache. In Verbindung mit Käse von Waltmann, der zum Glück auch nach Wien liefert, unbeschreiblich. Eisgekühlten Port kenn ich nur von Bekannten aus den späten 90ern, die den ALDI-Port zur Dröhnung runtergekühlt hatten. Zum Steak interessant, aber ich kann mir den Stoff eigentlich nicht zum richtig blutigen Steak vorstellen. Aber zum altmodischen Pfeffersteak medium bis well done vielleicht passend. Die Franzosen sagen sowieso, dass wir Deutschen das Rind zweimal töten. Als Tier und in der Pfanne. Portwein habe ich vor allem durch mein Stammrestaurant in Wien, a Barraca, kennen und schätzen gelernt. Muß aber ehrlich gesagt anmerken, dass ich zu vielen Gerichten, welche klassisch mit Portwein kombiniert werden eine Beerenauslese, vor allem vom Rieslaner vorziehe. Apropos, wie ich gestern auf der Seite von Horst Sauer gelesen habe, hattest Du das große Glück im St. Pauli-Weinclub mit fränkischen Spitzenwinzerinnen eine Weinprobe abzuhalten. Willst Du uns wirklich Charme und Können dieser Weinelfen vorenthalten?

  5. Hallo Hendrik,
    vielen herzlichen Dank für diesen wunderbaren Beitrag. Bisher hatte ich die Bar noch nicht besucht. Werde ich aber in naher Zukunft sicher nachholen. Mich würde noch interessieren wie lange man den Six Grapes Port lagern kann und wo man ihn auch in der Größe von 0,375 ml und ggf. in OHK beziehen kann. Interessieren würde mich ggf. noch ein zwei weitere Tipps zu Portweinen, die Du aufgrund ihres Preis-Leistungsverhältnisses empfehlen könntest. Das wäre wirklich klasse! Ansonsten bleibt mir nur zu sagen: Weiter so! Dein Blog ist wirklich super! Ich muss nur so langsam aufpassen, dass vor lauter Weinprobiererei die Satteltasche nicht noch größer wird. ;-D Herzliche Grüße aus Köln, Andreas

  6. Auch ich liebe Portwein, am besten zum Käse oder Schokoladendessert, und finde es daher schade, daß dieses köstliche Getränk in unserem Land ein so stiefmütterliches Dasein führt. Hier sind die Sommeliers, Barkeeper, Weinhändler usw. gefordert, diesen Umstand zu ändern.

  7. Colles Sendung, steh auf Schumann (Legende).

    Mal ne Frage, es wurde ja viel drüber gesprochen zu was man Port trinken kann. Das er gut zum Käse passt ist klar und zum Steak kann ich mir auch vorstellen, ist die Kombi Schokolade oder allg. Dessert auch mit trockenem Port zu verbinden?

    Niklas

  8. MR. PORTER
    (2012/CHARLES SCHUMANN)
    3 cl Graham’s Port Six Grapes, dashes Peychaud’s
    Bitters. Auf Eiswürfeln im Rührglas verrühren,
    in Champagnerglas abseihen und mit
    10 cl Prosecco auffüllen.

    nice to drink!

    da wär aber echt gern dabei gewesen – tolles Video!

  9. tolle, Folge. Hab sie jetzt erst angeschaut. Ist neue Bar, von der Hr. Schumann erzählt schon eröffnet? Hab im Inet leider nichts gefunden.
    Danke
    VG Markus

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