Wein am Limit - Hendrik Thoma
17.01.2013 - Folge 79

Der Bachelor von der Terrassenmosel, 2. Teil

Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2011 Riesling “Uhlen“
Weingut Reinhard & Beate Knebel, Winningen, Mosel
Soulfaktor 6
10-20 Eur
2011 Riesling “Uhlen R“
Weingut Reinhard & Beate Knebel,, Winningen, Mosel
Soulfaktor 6
10-20 Eur

Heute 2. Teil mit dem „Bachelor“ der deutschen Jungweinszene, Matthias Knebel aus Winningen von der Terrassenmosel. Von der „femininen“ Lage Röttgen (Eigenaussage von Matthias) zum „maskulinen“ Winninger Uhlen mit 60-70 Grad Steigung. Der Boden hier ist blauer und grauer Schiefer und in der Parzelle „Roth Lay“ Emsquarzit mit Eisenoxydanteil. Ich bin kein Fan von Weinbeschreibungen, welche die Welt in eine männliche und eine weibliche Seite aufteilen. Ich habe schon zu viele feminine Männer und maskuline Frauen kennengelernt, um das so ohne weiteres zu akzeptieren. Doch wer die Weinsprache verstehen möchte, der braucht etwas was den meisten Menschen fehlt: Phantasie.

Der Uhlen ist ein Füllhorn an Aromen: steinig, pur, direkt. Ich lasse das mal hier mit den Adjektiven. Es ist ein zupackender Riesling. Ein perfekter Riesling, der mit zunehmender Reife seine Geheimnisse mitteilen wird. Eine klitzekleine Kritik hätte ich: Mir ist der Jahrgang 2011 etwas zu reif und schwer oder bombastisch. Die Jahrgangstabellen sprechen selten eine eindeutige Sprache und mir sind viele Topjahrgänge im Weißweinbereich einfach zu fett und nach einigen Jahren zu lahm (in D 2007 und 2009). Ich favorisiere die 2010er, die mehr Säure und Frische haben. Sie sind in der Spitze beim Riesling unübertroffen und in der Basisqualität leider manchmal einfach nur sauer und dünn gewesen.

Der Uhlen „R“ ist die präzisere Variante des Uhlen. Ein Monument und wie ich finde, ein perfekter Wein. Sehr schön, bewerte ich Matthias Aussage, dass der „R“ als Steigerung nicht schwerer und dichter sein muss, sondern feiner. Diese Probe hat mich wirklich beeindruckt und ich gespannt auf den Tag, wann die Auguren der Weinbewertung diesen Betrieb in den Olymp der deutschen Weinbranche erheben. Mit diesem herrlichen Duo habt Ihr bestimmt mehr Spaß im Glas!

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Kommentare

28 Kommentare zu “Folge 79 : Der Bachelor von der Terrassenmosel, 2. Teil

  1. Hallo Hendrik,
    habe hier gerade die Knebel-Preisliste vor mir. Der R ist erfreulicherweise noch zu haben, kostet allerdings 25 Ocken und nicht wie in der Tabelle angegeben 10-20.
    beste Grüße
    Karl

  2. Fundstück auf einer Händlerseite zum Knebel Winninger Uhlen Riesling Spätlese trocken 2008
    Charakteristische Aromen: nach Mineral/Stein, Tabak/Rauch.

    Bisher hab ich selbst nur den knebelschen Literwein (43. Folge – 1. Deutsche Liddä Weinverkostung) probiert,
    die Flasche ist zügig leer geworden. Muss also geschmeckt haben, der erste Eindruck ging schon so in die Richtung
    wie oben auf der zitierten Händlerseite gefunden. Der nette Riesling-Fruchtsalat war nicht so angemacht oder
    anmachend wie ich das eigentlich haben möchte.

    Für mich ist der Fall damit erledigt, ich tu mich mit diesen als “Charakter” oder “Ecken und Kanten”
    beschriebenen Aromen im Riesling schwer, ich liebe den klaren Geschmack den in extremer Weise der
    Gutswein von Klaus Peter Keller aus Rheinhessen zeigt – frisch und klar wie ein Bergsee bei dem
    ich bis auf den Grund sehen kann – eher diese Richtung gefällt mir besser. Interessanterweise hat er auch
    einen „Vogel“ im Angebot, keine „Uhlen“ (Eulen) sondern einen „Feuervogel“
    – ist allerdings Sylvaner – hab ich noch nicht probiert.

    Rieslinge bei denen mich auch “Ecken und Kanten” stören sind:
    Weingüter von Racknitz, von Othegraven und Maximin Grünhaus.

    Auf YouTube fand ich einen harten Spruch eines Weinkritikers der mir nicht aus dem Sinn geht:
    Wine made from **** have a shitty aftertaste. Wenn er mir nur sagen dürfte wen er damit gemeint hat,
    ich weiß es nicht, wird aber sicher einen Grund haben.

    Und weil es hier immer ein großes Bohei um das liebe Geld gibt darf nach Eulen die für manche Nachtigallen sind,
    sowie dem kellerschen Feuervogel auch ein Schwan nicht fehlen, Friederieke Kempner, der schlesische Schwan,
    dichtete:

    Besessen ist die Welt
    Von Eigennutz und Geld,
    Und alles zum –
    Verzweifeln dumm!

    Wie sehr verschieden Meinungen sind zeigen auch diese beiden gegensätzlichen Verkostungsnotizen zum Uhlen R,
    der erste mag ihn und für den zweiten ist der R „ein Rückfall in alte Zeiten“ – was immer er damit gemeint haben mag,
    ein Lob klingt anders.

    http://www.verkostungsnotizen.net/vkn_details.php?ID=39289
    Riesling Uhlen R 2011
    Ganz anders als der Uhlen ohne R. Der war dezent mineralisch mit wenig Frucht außer einer Spur Zitrus.
    Hier hat man das volle Primärfruchtprogramm: gekochte Ananas, reife Pfirsiche, Marillen und eine Spur Orange.
    Im Hintergrund spielt auch eine schöne Mineralik mit, die jetzt aber von der Primärfrucht an den Rand gedrängt wird.
    Toller Wein und jeden Cent der 25 Euro, die er kostet, wert. Auf die weitere Entwicklung bin ich gespannt.
    Es könnte sein, dass der Wein sich im nächsten Jahr verschließt und später – vielleicht 2015/16/17 – ganz groß wird.

    http://wuertz-wein.de/wordpress/2012/11/08/nieder-mit-den-vorurteilen-teil-2/
    Knebel, Riesling Uhlen, 2011, Mosel. In der Nase ist das ein Baby: Hefe und Banane, leichter Sponti-Stinker,
    etwas Malz. Am Gaumen ist das eine spannende Mischung aus Kemm‘schen Kuchen, Bratapfel, Mandarine und
    fetter Mineralik. Das klingt nach Weihnachten, aber ein bisschen frischer ist der Wein dann doch. Der Abgang ist
    extrem mineralisch und lang. Großartiger Wein, der perfekt wäre, wenn er mit einem halben Prozent weniger Alkohol
    daher käme. Es gibt noch eine ,R‘-Version davon, aber das ist für mich eher ein Rückfall in alte Zeiten.

  3. “Ich bin kein Fan von Weinbeschreibungen, welche die Welt in eine männliche und eine weibliche Seite aufteilen.”

    Warum erst jetzt diese Einsicht bzw. Statement? In der “48. Folge – Der Spontandreh” wäre es doch offensichtlicher
    gewesen?

    Aber, OK, Namensgebung ist Geschmackssache – im wirklichen Leben sind ja auch manche Kinder mit ihren Namen
    glücklicher als andere.

    Übrigens, Du kannst das englische Zitat aus meinem “Dein Beitrag muss noch moderiert werden” Beitrag auch
    löschen – falls das der Grund sein sollte warum es noch nicht freigegeben wurde. 😉

  4. Danke Hendrik! Gleich im Januar meinem Wunsch nach mehr Verkostungen von deutschem Wein nachgekommen. Spaß beiseite!
    Es war wieder eine sehr interessante Sendung mit einem sympathischen jungen Winzer mit seinen tollen Weinen. Ihr habt es verstanden Werbung für einen Teil der Mosel zu machen, welcher es sicherlich verdient hat noch mehr Beachtung zu finden. Ich bin schon Deiner Empfehlung für den Literwein nachgekommen und werde auch diesmal Röttgen und Uhlen probieren.

  5. Super Folge und tolle Werbung für deutschen Wein ! Sehr sympathischer Gast (deutlich sympathischer als der Bachelor im TV). Was eine Wahnsinns Farbe des Uhlen ‘R’ in der Karaffe und das gestochen scharf. 😉
    Mehr davon ! Gerne auch mal mit deutschem Süßwein…

    Cheers

  6. 12:50 ff. meine Rede.

    Spannende Weine!

    Wäre es hinsichtlich der Nomenklatur nicht logischer von Folge 78, 2. Teil zu sprechen?

    Vinophile Grüße

    Diollysos

  7. Hallo Hendrik,
    als alter Riesling Fan war für mich die Folge natürlich toll. Leider gibt es in der Summe an der Mosel nach meiner Ansicht noch zuviel “Restsüße”. Wird allerdings in den letzten Jahren immer besser. Die Kombination von der tollen Säure aus der Gegend und etwas Süße ist dort zwar nicht umsonst fast einmalig, aber die mineralisch schlanken und trockenen sind eben auch klasse. Freue mich schon auf den v. Winning.

  8. Immer wieder toll zu sehen, wie viele hervorragende und qualitätsbewusste Winzer wir in Deutschland haben. Auch und gerade die kleineren und noch unbekannteren. Und so wie diese beiden letzten Sendungen hätte ich mir auch die Zukunft der Live-Verkostungen gewünscht: Du lädst zu einem bestimmten Termin eine/n aufstrebende/n Jungwinzer/in ein, von dem man vorab ein für die Produktpalette repräsentatives Probierpaket (z.B. 1 Literwein, 1 mittlere Preislage, 1 Spitzengewächs) bestellen kann und die werden dann in der Live-Verkostung gemeinsam probiert. So, wie geplant, wird es ja nun eher eine Werbeveranstaltung für euren Weinhandel, was ich aus wirtschaftlicher Sicht natürlich verstehen kann, aber andererseits nicht so spannend finde.
    Und um nochmal auf die Preis-Diskussion zurück zu kommen: wenn ein Winzer in der Lage ist, auch im Liter-Bereich für kleines Geld ein solides Produkt abzuliefern, halte ich es für gerechtfertigt für die Spitzenprodukte des Hauses auch 18 oder mehr Euro zu verlangen. Allerdings: Weine über 20 Euro kaufe ich zwar gelegentlich auch, aber eher nicht einfach so blind, ohne sie vorher probiert zu haben (auch nicht auf Empfehlung von Experten mit eigenem wirtschaftlichem Interesse 😉 ).

    1. „Weine über 20 Euro kaufe ich zwar gelegentlich auch, aber eher nicht einfach so blind, ohne sie vorher probiert zu haben“

      Und welche Kosten sind mit der Weinprobe verbunden? Fahrtkosten, Zeitaufwand, mehr oder weniger spontaner Höflichkeitseinkauf beim Händler?
      Kommt’s dann von der Kostenseite betrachtet nicht doch auf das gleiche heraus?
      Das Ergebnis der Probe bleibt das gleiche, entweder war’s das, Fall erledigt, oder ich kaufe mehr – wenn ich mehr davon kaufe – kommt’s auf die Kosten der ersten Flasche auch nicht mehr an, oder? Letztlich geht es also nur um den Kaufpreis 1 Flasche – nicht um mehr und nicht um weniger. Wo liegt mein Denkfehler? 😉

      1. Also viel mehr als eine Flasche würde ich von solchen (für mich) teuren Weine eh nicht kaufen – die lege ich mir dann für eine besondere Gelegenheit in den Keller. Aber wenn du bei 20 Euro + von “nur” sprichst, hast du natürlich recht.

  9. Für mich als Liebhaber deutscher Rieslinge eine echte Bereicherung. Es ist schön zu sehen, dass auch DE richtig was nachkommt und es uns m die nächsten Jahre nicht bange sein muss.

  10. Zweiter Teil hat mir gut gefallen. Würde aber das Weingut Knegbel nicht als Newcomer sehen. Hat eigentlich schon in den ganzen letzten Jahren zur Spitzengruppe gehört, nicht ganz oben, aber fast. Hat halt mit 50.000 Flaschen nicht eine riesige Produktion. Restsüße stört mich bei Moselweinen selten, wenn es mit der Säure passt.

  11. Hey Hendrik,
    deine Aussage zur Renaissance der traditionellen Kellertechnik in D (bezgl. Hefe- und Zeitmanagement): der engl. Ausdruck, der Dir auf der Zunge lag, war nicht “up to date”, sondern “State of the Art”…
    Schöner Beitrag!
    Ich als kompromisslos-trocken-Trinker (pH-Wert Weine zw. 3,0-3,2.. (bekomme ich fast nur im Burgund und teilw. Loire) würde mich freuen, wenn diese deutsche Riesling-Nische mal beleuchtet würde! Es gibt Sie ein Glück noch…RZ7.., z. B. bei von Racknitz/ Nahe…
    Cheers, Peer

    1. „Stand der Technik“ oder „High End“ sind ja oft strapazierte Begriffe. Aber auch ein Handwerker der nach allen Regeln seiner Handwerkskunst arbeitet und traditionelle Methoden anwendet wird sicher hervorragende Ergebnisse bekommen.

      Den Literwein von Knebel hab ich genauso probiert wie andere Rieslinge bei denen mich auch “Ecken und Kanten” stören:
      Weingüter von Racknitz, von Othegraven und Maximin Grünhaus.

      Für mich ist der Fall damit erledigt, ich tu mich mit diesen als “Charakter” oder “Ecken und Kanten” beschriebenen Aromen im Riesling schwer, ich liebe den klaren Geschmack den in extremer Weise der Gutswein von Klaus Peter Keller aus Rheinhessen zeigt – frisch und klar wie ein Bergsee bei dem ich bis auf den Grund sehen kann – eher diese Richtung gefällt mir besser. Interessanterweise hat er auch einen „Vogel“ im Angebot, keine „Uhlen“ (Eulen) sondern einen „Feuervogel“ – ist allerdings Sylvaner – hab ich noch nicht probiert.

      1. Wein aus Franken hab ich vor ein paar Jahren in Würzburg und Thüngersheim getrunken, herzhaft, hat mir gut geschmeckt. Aber nicht so gut, dass ich danach bewusst gesucht habe. Hab den Frankenwein positiv in Erinnerung, beim Kauf kann man nichts falsch machen, denke ich.

        An der Mosel hab ich das Weingut Axel Emert in Traben-Trabach gefunden und bestelle dort schon seit Jahren vor allem den halbtrockenen Liter-Riesling 5,- EUR. Zu dem kehre ich immer wieder sehr gerne zurück.

        Riesling Geschmacksnoten die ich nicht mag gehe ich aus dem Weg. Wenn ich Wein aus dem jüngsten verfügbaren Jahrgang kaufe und mich an die einfachen Liter- oder Gutsweine halte ist das auch meistens OK für mich.

  12. Sehr cooler Beitrag, kenne selber einige Knebel Weine und feier das Weingut.

    Mal ne Frage hat jemand einen Typ für ein Ahr Weingut, ausser den üblichen Verdächtigen?!

    Cheers

  13. Zweimal sechs Soulpunkte sind schon ein deutliches Statement. Bin beim Riesling noch nicht sonderlich “eingetrunken” ich denk aber das ich mir die Weine von Knebel mal genauer anschauen werde 🙂

    Cheers
    Marc

  14. Super Sendung ! Mich braucht keiner mehr von Moselwein zu überzeugen,seit ich Stefan Steinmetz und seine Weine kenne bin ich Mosel-Fan.
    Die Weine von Knebel werde ich auf jeden Fall auch mal probieren,klingen hoch interessant.Weiter so und mehr deutschen Wein ins Glas,dann hat man Spaß ! 😉

  15. Ich weiß, ich bin ein bisschen spät dran – bin aber gerade erst zur WaL-Gemeinde dazu gestoßen 🙂 …

    Vielen Danke an Matthias, toller Gast! Schön zusehen wie es bei euch, den Knebels, weitergeht. Ich war 2002 auf einer meiner ersten Wein-Fahrradtouren noch als Schüler an der Mosel. Weiß noch genau, wie ich damals mit einem Freund ganz schüchtern an der Tür der Knebels geklingelt habe und Reinhard Knebel uns nach ein wenig vorsichtigem „Abtasten“ ein großartiges Weinchen nach dem andern aufgemacht hat. Denk gern daran zurück! Umso großartiger, dass ihr mit so viel Leidenschaft weitermacht!!!

    Großartiger Stoff, den ich nach diesem anregenden Beitrag unbedingt mal wieder probieren muss – sowohl Uhlen als auch Röttgen (teilweise völlig zu Unrecht preislich hinter denen vom Nachbarn R.L.)!!

    Seba

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