Wein am Limit - Hendrik Thoma
22.03.2015 - Folge 209 / Teil 1

Alles Oregano

Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2012 Pinot Noir "Dundee Hills Cuvée"
J. Christopher, Willamette Valley, Oregon
Soulfaktor 4.5
10-20 Eur
2012 Pinot Noir Chehalem Mountain "Nuages"
J. Christopher, Willamette Valley, Oregon
Soulfaktor 4
10-20 Eur
2012 Pinot Noir Eola-Amity Hills "Lumière"
J. Christopher, Willamette Valley, Oregon
Soulfaktor 5
10-20 Eur

Liebe WALinauten,

Oregon ist der drittgrößte Weinproduzent der USA. Hinter Kalifornien und Washington State ist Oregon mit ca. 6500 Hektar trotzdem ein Zwerg im Reigen der weltweiten Weinregionen. Vor allem das Willamette Valley, südlich der Hauptstadt Portland am Columbia River, ist weit über seine Grenzen bekannt. Diese Region gilt als das „amerikanische Burgund“ für Pinot Noir, dessen Geschichte mit David Lett und Eyrie Vineyards 1965 ihren Anfang nahm.

Die ersten Winzer waren Hippies und Aussteiger, denen das kühlere Klima und die Ruhe des abgeschiedenen Landstrichs zusagte. Später folgten, von den ersten Erfolgen angelockt, immer mehr Profis und internationale Investoren (Domaine Drouhin, Louis Jadot etc.). Diese wissen um den Wert der natürlichen Bedingungen. Die waldreiche Region wird durch zwei Bergketten begrenzt. Zum einen durch die Coastal Ranges und nach Osten durch die Kaskaden. Das Klima ist moderat ozeanisch geprägt (aber sehr trocken) und die Böden entweder vulkanisch oder die Reste eines alten Ozeanbeckens.

Die Geschichte der beiden Partner Jay Sommers und Ernst Loosen beginnt 2004. Sie lernten sich auf einer Party in Oregon kennen. Beide sind große Pinot Noir Fans. Jay hatte bereits 1996 angefangen unter sehr einfachen Bedingungen seine ersten Weine abzufüllen. Beide waren sich auf Anhieb sympathisch und nach einer gemeinsamen Weinlese im Jahr 2005 auf Ernst Loosens Weingut an der Mosel fing die Partnerschaft an.

Heute keltert Jay ca. 120.000 Flaschen feinsten Pinot Noir. Seine Philosophie und Weinbereitung orientiert sich dabei verarbeitungsgemäß sehr stark an Burgund. Es gelingt ihm etwas ganz eigenständiges auf die Flasche zu füllen. Seine Weine sind nicht wuchtig (alkoholisch), sondern dezidiert fein, knochentrocken und geprägt von einer frischen Säure. Es sind Herkunftsweine, die unter ihrem Lagen- oder Gebietsnamen abgefüllt werden. Ernst Loosen steht ihm als Partner vor allem bei der Vermarktung, dem Vertrieb und mit seiner langjährigen Erfahrung als einer der besten Rieslingwinzer der Welt, zur Seite.

Das Weingut J. Christopher ist ein gefeierter Star in der amerikanischen Weinbranche und hierzulande leider kaum bekannt. Das wird sich nun ändern, denn diese elektrisierend frischen Weine sind eine Bereicherung für die Geschmackspalette.

In taste we trust,

 

 

Hendrik

 

Kommentar verfassen

Kommentare

7 Kommentare zu “Folge 209 – Alles Oregano!

  1. Ich wäre dafür das du mal wirklich Winzer einladen tust die man nicht kenn.
    Wie zum Beispiel Beatriz Herranz Sanz

    1. Ja, die Vergleicherei geht mir auch manchmal auf den Keks. Jeder Wein sollte für sich alleine stehen dürfen und seine Eigenheiten präsentieren können. “Schmeckt wie…” bedeutet ja dann letztlich nur, daß man besser gleich das “Original” trinken kann. Und jemand, der bewußt versuchen würde, einen bestimmten Wein oder Stil zu kopieren, wäre für mich eh’ auf der komplett falschen Spur. Mir sind “unvergleichliche” Weine am liebsten.
      Ansonsten sehr informative Folge, wenn ich mal wieder in Amiland bin, weiß ich ja nun, nach was ich Ausschau halten kann…

  2. Super interessant. Bitte gerne mehr Neue Welt Pinots aus CA, OR und natürlich auch aus NZ.

    Den Burgund-Vergleichs-Nörgelern unten sei geraten, sich mal die Kreditkarte zu schnappen, zum Burgunder Weinhändler zu tappern und sich ein Fläschchen Premier Cru eines namhaften Winzers einpacken zu lassen. Wenn dann die Kartenabrechnung kommt, wird es schon ein aha Erlebnis geben.

    Pinot Noir Weine mit Burgund zu vergleichen macht Sinn und es kommt in dieser Moderation von Jancis Robinson zum Thema Burgund wunderbar zum Ausdruck:
    ‘’There is only one reason why the world ever got to hear of Vosne-Romanée and this is Pinot Noir, the red Burgundy grape. This is the most difficult grape to make decent wine out of. Outside of Burgundy it is almost impossible not to overripen it. In Burgundy it can be difficult to ripen it at all. Barely one vintage or harvest in three is generally a success. And, thanks to often poor winemaking and demand way in excess of supply, one can recon four out of five red Burgundies as disapointments. But when ist good its so extraordinary good that winelovers are preparded to put up for this shocking failure rate.’’

    1. Das mit der Vergleicherei sehe ich doch etwas anders. Es gibt sicher Lagen, die aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften ganz besonders gute und damit auch begehrte und damit teils auch sehr teuere Weine hervorbringen und Vosne-Romanée gehört sicher dazu. Die Vergleicherei führt aber doch nur dazu, daß sich ein Bestreben entwickelt, eine bestimmte Stilistik / Qualität an einem anderen Standort mit anderen Mitteln kopieren zu wollen. Mir ist es sympathischer, wenn man aus dem, was eine Lage bietet, einfach das Bestmögliche rausholt und nicht bei der Weinwerdung nach links und rechts auf die anderen schaut. Klar gibt es auch Weine, die man je nach den Möglichkeiten, die das eigene Konto bietet, nur schwer bis gar nicht erfahren kann, das ist dann halt so. Eine mehr oder weniger gut gemachte Kopie eines solchen unerreichbaren Weins interessiert mich aber deutlich weniger als einfach ein gut gemachter Wein, der die Möglichkeiten seines Terroirs optimal nutzt und damit seine Eigenständigkeit zeigt. Das mag man natürlich auch anders sehen können, wofür ich vollstes Verständnis habe. Somit haben diese “Kopien” und damit auch die entsprechenden Vergleiche durchaus ihre Berechtigung, nachdem es ja anscheindend auch den Markt dafür gibt. Mich allerdings nervt das eher…

Menu