Wein am Limit - Hendrik Thoma
21.06.2015 - Folge 222

Folge 222 – Malbec vom „El Culo del Mundo“

Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2014 „A Lisa“
Bodega Noemia, Patagonien
Soulfaktor 4.5
20-30 EurDetails
2013 „J. Alberto“
Bodega Noemia, Patagonien
Soulfaktor 5.5
30-40 EurDetails

Hans Vinding-Diers ist ein weitgereister Wein-Cosmopolit, mit einem illustren Background. Seinem Vater Peter gehört das Weingut Montecarrubo am Etna und war schon in 70iger Jahren „Winemaker“ beim legendären Weingut Rustenberg in Stellenbosch, Südafrika. Er schrieb das erste Werk über die Wirkung der Spontanvergärung und ihrer Wirkung auf das Terroir.

Hans hat einen weiteren bekannten Winzer in der Familie. Sein Cousin Peter Sissek keltert den weltbekannten „Pingus“ aus alten Reben am Ribera del Duero. Aufgewachsen ist er in Bordeaux und Südafrika, und hat 10 Jahre lang das Weingut Argiano in Montalcino geführt.

Anfang des Jahrtausends kam Hans zufällig durch einen Beratungsauftrag in die abgelegene Weinregion Rio Negro in Patagonien, Argentinien. Er sollte einen Schatz finden der ihn und seine damalige Frau, die Gräfin Noemia Marrone Cinzano, nicht mehr loslassen sollte.

Sie fanden wurzelechte Malbec und Merlotreben, teils älter als 90 Jahre! Es war die Geburtsstunde für die Idee der Bodega Noemia, die am Anfang in einer Garage begann. Seitdem hat Hans aller Register seines Könnens in dem südamerikanischen Land umgesetzt und ein 13 Hektar großes Weingut aufgebaut. In dieser sauberen und trockenen Umgebung kann er ohne Weiteres nach biodynamischen Prinzipien arbeiten. Er reift seine luxuriösen Weine in besten, französischen Barriques und arbeitet nach minimalistischen Prinzpien. Selbstverständlich sind seine Weine ungefiltert und die Ertäge minimal.

Der A-Lisa ist eine Hommage an Hans Großmutter, eine lebenslustige alte Dame aus Kopenhagen die über 90 Jahre alt wurde und jeden Tag eine Flasche Wein trank. Dieser Wein aus jüngeren Anlagen ist mit etwas Merlot und Petit Verdot geblendet. Ein Teil wurde im Barrique und der Rest im Edelstahl, bzw. im Zementank ausgebaut. Der 2013er ist ein Meilenstein in der noch jungen Geschichte des Weingutes und ein großartiger Rotwein. Dicht, kompakt, würzig mit floralen und rotfruchtigen Aromen ausgestattet, zeigt er die Rebsorte in ihrer feinsten und elegantesten Form. Die Weine aus Patagonien sind nicht so mächtig und üppig wie die Tropfen aus Argentiniens größter Weingegend, dem hochgelegeneren Mendoza.

Der 2013er J.Alberto ist ein in 1955 angelegter Weinberg, in dem sich neben dem Malbec auch 5% Stöcke der Sorte Merlot befinden. Die Trauben werden, wie bei einem gemischten Satz, gemeinsam gekeltert und in Barriques, bzw. zum Teil in Betoneiern ausgebaut. Ein großartiger, berührender Wein der nicht laut, sondern tiefgründig im Glas daherkommt. Eine bezaubernde dunkle Kirschfrucht, Veilchen, Zwetschgen, Lakritz, Bergpfeffer und Mineralien. Am Gaumen hat er einen saftig-lang anhaltenden Geschmack, mit ultrafeinen Tanninen. Ein großer, einzigartiger Wein, der ohne weiteres 2 Dekaden reifen kann.

Auch wenn es extrem schwierig ist, so fernab der Zivilisation, Weine in dieser Qualität zu keltern, bin ich Hans und seiner ehemaligen Frau Noemi für dieses mutige Investment sehr dankbar. Diese Weine erweitern den Geschmackshorizont im wahrsten Sinn und gehören mit Sicherheit zu den markantesten und besten Weinen Südamerikas. Ihre europäische Handschrift ist unverkennbar und schon heute sind sie gesuchte Klassiker.

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Kommentare

6 Kommentare zu “Folge 222 – Malbec vom „El Culo del Mundo“

  1. der “A Lisa” ist ein geiler Wein. Der macht Spaß. … und wenn die Preispanne von 0-10 Euro stimmt, dann würde ich jedem empfehlen gleich 2 Kisten zu bestellen 🙂 Der andere steht bei mir auf der Liste zum probieren. Gruß Alex

  2. Tolles Video. Mal wieder das ein oder andere gelernt. Danke.

    Und ganz nebenbei eine tolle optische Täuschung im Eingangsbild des Videos, wo es so ausschaut als wenn der Korkenzieher auf dem Bild im Hintergrund in der Flasche A Lisa stecken würde. Klasse … 🙂

  3. Habe beide Weine (2013) in meiner nächsten Verkostung. Vom “A Lisa” hatte ich bereits den 2011er und war begeistert. Bin auf 2013 gespannt.
    Grüße von der Saar
    Pierre

  4. Schöner Beitrag … eine Frage noch wo findet man das erwähnte Buch bzw. wie heißt es ??
    “Er schrieb das erste Werk über die Wirkung der Spontanvergärung und ihrer Wirkung auf das Terroir”
    Weiter so !! Gruß H-G O

    1. Hier die Antwort von Peter Vinding Diers (Vater von Hans und Besitzer von Montecarrubo): “Brian (Crosser) and I discovered the R2 yeast while I was at Chateau Rahoul. We didn’t write a book together either, but I enclose en article I wrote for “The Fine Wine Journal” which sums up the for and against Massal selections in Vineyards. To me, you can not begin to talk about ‘Terroir’ unless you have a Massal selected Vineyard and use the natural yeast!”

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