Wein am Limit - Hendrik Thoma
07.10.2015 - Folge 234

Julien Sunier und die Magie der Leichtigkeit

Julien Sunier lebt in Avenas, auf 750 Meter Meereshöhe im Anbaugebiet Beaujolais, bzw. dem Cru “Chiroubles”. Seine Karriere sollte nach dem Wunsch seiner Eltern ursprünglich einen anderen Weg einschlagen. Diese betrieben in Dijon eine Friseursalonkette mit 60 Angestellten und der Sohn sollte eines Tages in das elterlich Geschäft übernehmen.

Es kam alles anders, denn der berühmte burgundische Winzer Christophe Roumier (er war Kunde im Friseursalon) bot Julien einen Praktikumsplatz auf seinem Weingut an. Es sollte eine verhängnisvolle Affäre mit dem Weinvirus werden. Bald folgten Stationen in Kalifornien, Neuseeland und zu guter letzt wieder in Frankreich. Für ein großes Handelshaus kelterte er Weine zwar nicht nach seinem Geschmack, aber nach den Vorgaben der Einkäufer. Konsumgerechte, aber leblose und langweilige Weine. Ein Scheißjob, der die Miete zahlte.

Es waren die ersten Schritte von Julien im Beaujolais, einer traumhaften Weinregion in Zentralfrankreich. Julien erkannte die Lücke, die sich vor ihm auftat und lernte sein neues Umfeld mit seinen natürlichen Vorzügen kenne und schätzen. Niemand interessierte sich für den Wein aus der Sorte Gamay. Sie gilt als banal und einfach. Doch im Beaujolais wachsen teilweise sehr alte Reben auf Granitboden. Das ist einzigartig in der Weinwelt.

Bis vor einigen Jahren gab es nur einige wenige Pioniere. Alteingesessene Betriebe wie, z.B. Marcel Lapierre oder Jean Foillard uvm. waren schon in den 80iger Jahren von der These der naturbelassenen Weine des Jules Chauvet inspiriert worden. Sie waren die Retter, die den alten Stil bewahrten und ihn weiterentwickelten. Heute werden sie für ihre Leistungen verehrt. Die Region wäre sonst komplett dem Beaujolais Nouveau und seinem miserablen Image geopfert worden.

Julien gehört in die Riege der jungen Aufsteiger (“Entdeckung des Jahres in der “la Revue de France”) die sich mit dem verlassenen Erbe dieser Region beschäftigen. Denn viele Weingärten wurden nicht mehr bearbeitet und verwilderten. Die jungen Leute zogen in Stadt, heute kommen sie zurück und mit Ihnen neue (alte) Ideen und die Lust daran handwerkliche Weine zu keltern. Sie lieben die idyllische Ruhe, das Authentische und die Zurückgezogenheit.

Julien bewirtschaftet ausschließlich händisch knapp 6 Hektar Weinberge in steilen Lagen, mit im Schnitt 60 Jahre alten Reben. Er verfolgt das Idealbild des Cru de Beaujolais. Seine Passion gilt der transparenten Leichtigkeit mit aromatischer Fülle auf die Flasche zu bringen. Trinkfluss und originalgetreue Herkunftsweine die nicht kopflastig, aber anspruchsvoll sind.

Der Erfolg gibt im recht. Er ist notorisch ausverkauft und seine Gewächse finden sich auf den besten Weinkarten der Welt.

 

 

 

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