Wein am Limit - Hendrik Thoma
28.11.2015 - Folge 241

Warum und wie karaffiere ich einen Weißwein?

Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2014 Cartology
Alheit Vineyards, Hemel-en-Aarde Ridge
Soulfaktor 5.5
30-40 EurDetails

Es sind insbesondere und sehr häufig komplexe Weissweine die von zusätzlicher Sauerstoffzufuhr profitieren. Dazu zähle ich Burgunder, Rieslinge oder weiße Rioja Reserva, aber auch Chenin Blanc oder weiße Châteauneuf-du-Pâpe.

Weine die über viele sekundäre Noten verfügen, also im Fass gereift sind und auf der Flasche bereits eine Entwicklung durchgemacht haben. Um sie in ihrer besten Genussphase abzupassen ist geschicktes Temperaturmanagement gefragt. Deswegen greife ich in dieser Folge auf mein altbewährtes Kühlpad, dass ich mir während eins Bandscheibenvorfalls auf einer Reise in Südafrika zugelegt habe, zurück.

Es kühlt den karaffierten Wein von unten und oben bekommt er ausreichend Temperatur und Sauerstoff zugeführt. Natürlich könnte man die Karaffe auch in einem Kühlschrank temperieren, aber das Pad bietet mir mehr Spielraum. Denn die optimale Trinktemperatur hängt auch von der Außentemperatur ab.

Ist der Wein zu warm, hat man schnell das flüchtige Alkoholaroma, ist er zu kalt, dann bleibt das Aroma auf der Strecke und die Bitterstoffe und Säure werden deutlich spürbarer.

Genau aus diesem Grund lehne ich Pauschalurteile für den Weingenuss ab. Es hat viel mit Gefühl und Erfahrung zu tun. Etwas was man nicht kaufen kann, sondern sich „hart“ ertrinken muss. Am wichtigsten ist, dass man sich wohlfühlt und das fällt bei jedem etwas anders aus.

Der Cartology von Chris und Suzanne Alheit ist ein Chenin Blanc mit 12 % Semillon aus verschiedenen Regionen Südafrikas, wie dem legendären Skurfberg oder den Bottelary Hills in Stellenbosch. Das junge, selbstbewußte Paar hat sich speziell alte Weinberge, die in Buscherziehung wachsen, zur Bewirtschaftung ausgesucht. Diese hegen und pflegen sie minutiös und penibel. Auf Ihrer Webseite prangt der Claim. 99% und 1% Celler – Großer Wein und genau das befindet sich in der Flasche. Ein geradliniger purer Wein der ein festes, charakterstarkes Aromabild bietet. Kein primäreres Fruchtmonster, sondern ein steinig karger Duft präsentiert sich im Glas. Der Holzfassausbeu ist perfekt integriert in den muskulösen, aber nicht überproportionierten Wein. Am Gaumen hat er eine irre Länge und eine angenehme Säure die ihm den nötigen Trinkfluss verleiht. Ein Stoff, der noch ganz am Anfang seiner Laufbahn steht und in 2-5 Jahren erst seine ganze Pracht entwickeln wird.

Diese äußerst limitierten Weine gehören zu den ganz spannenden Newcomern am Kap und schon jetzt ist der Beifall aus der Weinszene groß. Womit? Mit Recht!!

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Kommentare

4 Kommentare zu “Folge 241 – Warum und wie karaffiere ich einen Weißwein?

  1. Ich denke, es ist auch ein bißchen die Frage, wo man sich gerade in welcher Situation befindet. In der Gastronomie wäre es häufig wünschenswert, wenn auch die von dir angesprochene Weißwein-Fraktion karaffiert würde. Daheim, wenn ich ganz anders Zeit habe, verfolge ich gerne die Entwicklung im Glas, auch mal über mehrere Tage und lasse die Karaffe deshalb meist ganz bewußt unbenutzt.

  2. Moin Hendrik,
    wirklich eine geniale Idee mit dem Coolpack – werde ich sicher mal umsetzen 🙂 .
    Grundsätzlich finde ich Karaffieren bei Weißweinen oftmals noch sinnvoller als bei Roten – besonders bei mineralischen Chardonnays und vor allem bei hochwertigen Chenins die jünger als ca. 5 Jahre sind, ist der Genussgewinn ziemlich hoch.
    Apropos hochwertige Chenins: Der Cartologie ist großartig und der erste Chenin (okay mit 11% Semillion) aus Südafrika, der mich wirklich begeistert hat. Für mich steht er den großen Loireweine aus dieser Sorte in nichts nach. Allerdings geht er (Belüftung vorausgesetzt) auch jung schon sehr gut und ist in der Säure harmonischer als junge Chenins von der Loire.
    Also von mir ein herzliches Dankeschön für das Teilen diese Entdeckung 🙂 .
    Cheers Patrik

  3. Ein toller Wein, das kann ich bestätigen! Frage zum Karaffieren: welche Temperatur hatte der Wein vor dem Umfüllen? Zimmerwarm (was auch immer das jeweils sein mag…) oder vorgekühlt?
    Den Tip mit dem Karaffieren von WW habe ich von Dir – das hat in meinem Umfeld vorher niemand gemacht, auch in der Gastro sehr selten – zuletzt war’s ein “Timotheus” in Frankfurt… 😉

    1. Dieser war jetzt Zimmerwarm, aber leicht vorgekühlt geht das natürlich auch. Cheers und Timotheus ist sicher ein Karaffenwein. Liebe Grüße an den Main, Hendrik

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