Wein am Limit - Hendrik Thoma
20.12.2015 - Folge 243

Ist das Glas halbvoll oder halbleer?

Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2014 Las Machuqueras
Bodega Matías i Torres, La Palma
Soulfaktor 4
10-20 EurDetails

Dieses Video beschäftigt sich mit einer der größten Trivialitäten des Weingeschäftes. Wie voll soll oder leer das Glas sein? Doch so banal, wie es scheint, ist dieses Thema nicht. Denn anhand der Summe der Kleinigkeiten erkenne ich, ob ein Sommelier, Kellner oder Weinfreund mit Gefühl bei der Sache ist. Es ist eine Marginalie, die unbewusst viel aussagen kann. Den Grobmotorikern unter uns ist es egal und fällt gar nichts auf: Hauptsache voll!

Natürlich gibt es Unterschiede. In England sind in den meisten Restaurants die Wassergläser größer als die Weingläser. In Südafrika bekommt man die Humpen vollgeschenkt wie auf einem hiesigen Weinfest. Wahrscheinlich hat man alle Kellner des Landes dahingehend dressiert. In Portugal wird der Wein umständlich auf dem Tablett eingeschenkt. In Frankreich besteht der Probeschluck für den ein oder anderen Kollegen aus 0,2 Liter, vor allem bei den guten Sachen. Andere Länder andere Sitten. Wir ertragen es und nehmen es mit Humor.

Jeder kann man machen was er will und das Letzte, was ich mit dieser Show erreichen möchte, Euch zu bevormunden. Da es den Walinauten aber in erster Linie um die Verfeinerung des Geschmacks und der Wahrnehmung geht, wollen wir in der heutigen Folge dem gepflegten Glas-Einschenk-Genuss huldigen.

Ich bin sehr gespannt auf Eure Ansichten, Beobachtungen und Kommentare.

Der heutige Wein stammt von der Kanaren Insel „La Palma“ im Atlantik. Seit 1885 bewirtschaftet die Familie Torres die Weinberge auf den Vulkanböden dieses Naturparadieses. Die Lage „Macuqueras“ in Fuencaliente liegt auf 450-500 Meter Höhe über dem Meer. Die wurzelechten Listan Blanco Reben ergeben Minierträge aus den im Schnitt 70 Jahre alten Stöcken, von denen die ältesten über 100 Jahre alt sind. Der Wein wurde für 7 Monate auf der Hefe in gebrauchten 600 Liter Tonneaux gereift. Er wurde ohne Schönung und Filtration abgefüllt.

Der „Macuqueras“ trinkt sich am besten zwischen 12-17 ° C und am besten wird er für ein paar Stunden vorab karaffiert. Denn so einen kristallklaren ungewöhnlichen Wein bekommt man selten vor die Nase. Er riecht extrem steinig und hat einen Duft von Steinobst, mit getrockneten Kräutern. Im Geschmack ist er konzentriert, intensiv, aber nicht schwer und verfügt über eine angenehme salzige Bitterkeit. So, als wenn man Steine leckt.

Während viele Weine von den Kanaren ein schönes Urlaubserlebnis sein können, funktioniert dieser delikate Saft auch in unseren Breitengraden z.B. zu Muschelgerichten (Venus oder Pfahlmuscheln) und gegrillter Dorade. Ein echter Wein am Limit.

Ich wünsche Euch ein frohes Weihnachtsfest, entspannt Euch und genießt die Zeit mit Menschen, die ihr gerne habt und liebt. Danke für Treue in diesem für Wein am Limit aufregendem Jahr. Wir sehen uns noch einmal kurz vor Sylvester.

Alles Gute und mehr Spaß im Glas,

 

Euer Hendrik

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Kommentare

8 Kommentare zu “Folge 243 – Ist das Glas halbvoll oder halbleer?

  1. Moin Hendrik! Stimme dir vollkommen zu mit den Mengen. Unglaublich, was man manchmal in Lokalen alles so erlebt. Gerade das ständige Nachschenken finde ich kritisch. Allerdings hat der Pedant in mir noch mal nachgerechnet, mit demselben Glas wie bei dir im Video. Das Gabriel-Glas hat ein Volumen von ca. 510 ml. Die Menge, die du in diesem Glas für ideal hältst, sind ungefähr 100 ml, also gerade mal ein Fünftel. Bei einem Drittel hätte man wieder nicht so viel Spaß im Glas ;). Santé!

  2. „…was ich mit dieser Show erreichen möchte,…“

    Sehen heißt glauben – und nachdem ich oft genug hier und anderswo sah, dass Gläser nur sparsamst befüllt wurden, habe ich das mehr unbewusst als bewusst so übernommen und fühle mich sehr wohl dabei.

    Zuviel kann man wohl trinken, genug jedoch nie. Und weil das so ist und weil ein jeder es so machen kann wie er will – mache ich es nun so wie es mir vorgemacht wurde und wie es mir nun auch gefällt. Nein, ich mache nicht alles nach was ich sehe – sonst hätte ich „Schmerzen“ die ich nicht ertrage. 😉

  3. Immerhin wurde der Wein ja jetzt ausreichend belüftet…

    Gerade bei den Gabriel-Gläsern ist es schön, daß man sich einfach am Punkt des größten Durchmessers des Glases orientieren kann und alles ist gut! Das funktioniert bei dem abgründigen anderen Humpen schon mal gar nicht.
    Da in den Restaurants die meisten der Menge nach verkauften Weine ja offen sind (Gourmet-Tempel mal außen vor), meist 0,2 l-weise verkauft werden und die obligatorischen Eichstrich-Gläser ja in der Regel nur 250 bis 400 ml fassen, ist es eben normal, daß die Gläser dann entsprechend voll sind. Und wenn dann mal einer eine Flasche bestellt, muß man sich nicht wundern, daß hier aus Gewohnheit die gleiche Einschenkzeremonie weitergeführt wird. Deshalb schenke ich auch lieber selber ein bzw. weise tatsächlich darauf hin, wie weit ich am Beginn das Trinkgefäß aufgefüllt haben möchten. Das funktioniert dann in der Regel auch, man muß eben nur mit den Leuten reden…

  4. Hallo Hendrik,
    haben gestern genau das erlebt. Unsere Gläser wurden zu dreiviertel gefüllt und kaum waren wir bei der Hälfte angelangt, wurde nachgeschenkt.

    Also wünsche ich dir schöne Feiertage und immer ordentlich Luft im Glas.
    Harry

  5. Habe ich bisher bereits genau so gehandhabt und es macht jede Menge Sinn, ein gutes Verhältnis zwischen Füllhöhe und “Luft im Glas” anzustreben. Das selbst erfahrene Kellner und/oder Sommeliers das nicht immer beherzigen ist etwas Schade..denn tatsächlich leben ja manche Weine mindestens soviel von der Nase wie vom Gaumen.

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