Wein am Limit - Hendrik Thoma
18.01.2016 - Folge 246

Der Coravin Test

Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2014 Riesling "Piesporter Goldtröpfchen"
Lothar Kettern, Mosel
Soulfaktor 4
10-20 Eur
2014 Riesling "Falkenberg"
Lothar Kettern, Mosel
Soulfaktor 4.5
20-30 Eur

Wer mich kennt, der weiß, daß ich nicht der größte Fan von Weinzubehör bin. Bis auf wenige Ausnahmen finde ich, daß es zuviel unnötigen Schnickschnack zu kaufen gibt. Für mich gilt die alte Devise “Die wichtigste Investition im Leben eines Weintrinkers ist der Kauf eines Korkenziehers!”. Vor einem Jahr habe ich das erste Mal Kontakt mit Coravin gehabt. In einer Wiener Weinbar gab es Weine, die mehrere Monate mit Coravin haltbar gemacht wurden. Ich war anfänglich skeptisch, aber spätestens nach dem heutigen Video bin ich überzeugt. Auch in Wien haben die versiegelten Weine bereits hervorragend geschmeckt, obwohl ein beträchtlicher Teil aus der Flasche fehlte und das nach Monaten. Aber natürlich glaubt man es erst, wenn der Versuch zuhause auch funktioniert.

Das Prinzip ist relativ einfach zu verstehen. Mit einer Nadel sticht man durch den Kork und injiziert aus einer Kartusche Argongas in die volle Flasche. Letzteres ist ein Edelgas, daß zu den schwersten überhaupt gehört und sich wie ein Schutzfilm über den Wein legt. Somit hält es den Sauerstoff fern, der den Wein oxydieren lassen würde. Es gibt einige gute Wein Präservierungssysteme, doch der Unterschied bei Coravin ist, dass die Flasche geschlossen bleibt und kein Argongas aus der Flasche entweicht. Durch das Ventil und die Nadel kann dementsprechend Wein aus der Flasche gezapft werden. Das macht besonders Sinn, wenn man hochwertige und teure Weine glasweise in der Gastronomie ausschenkt. Denn man muss sich keine Sorgen machen, daß die geöffneten Weine verderben. Auch für zuhause kann es Sinn machen. Zum Beispiel, wenn der Durst, bzw. die Kondition für eine Flasche nicht reicht oder man den Wein einfach mal probieren möchte. Fakt ist, daß der Wein über mehrere Monate keinen Qualitätsverlust erleidet und frisch bleibt. Das ist meiner Meinung nach “sensationell” und gut durchdacht. Natürlich gilt das nicht für Weine mit Schraubverschluss und auch bei ganz alten Weinen habe ich noch keine Erfahrungen gemacht. Ich denke, hier werde ich mehr Praxiserfahrungen sammeln müssen, aber so ist das Gerät auch zu verstehen. Um einen Sinn zu erfüllen muss es in den “Weinalltag” eingebaut werden.

Das einzige Hinderniss, was ich sehe ist der Preis von 299 € und für eine einzelne Argon Kartusche von weiteren 20 €. Das ist schon richtig teuer und somit macht ein Einsatz auch nur Sinn bei wirklich wertvollen Weinen. Ich denke, daß insbesondere die Gastronomie von so einem Gerät profitieren könnte. Man kann einfach viel mehr höherwertige Weine glasweise anbieten, ohne einen Qualitätsverlust zu erleiden. Aber auch privat kann es dem ein oder anderen Sammler weiterhelfen. Insbesondere in Zeiten in denen der selektive Weingenuss durch die Lebenmaxime “Weniger ist mehr!” weiteren Zulauf erhält.

Wer sich für das Gerät interessiert, der schicke uns bitte eine Mail an: office@weinamlimit.de .

Die beiden Weine, die seit Anfang November mit Coravin versiegelt wurden, stammen aus dem Keller des Weingutes Lothar Kettern. Seit 2009 ist Philipp Kettern an die steilen Hänge von Pieport der Mittelmosel zurückgekehrt und hat den elterlichen Betrieb übernommen. Dabei hat er sich das Recht eines jungen Wilden herausgenommen, alles umzukrempeln und auf eine neue qualitative Ebene zu bringen. Er keltert reichhaltige, klassiche Rieslinge die traditionell ausgebaut werden. Unterstützung erhält er von seinem Freund und Mentor dem portugiesischen Winzer Dirk von der Niepoort. Beide haben eine große Passion für den leichtfüssig eleganten Kabinettstil, der einzigartig in der Weinwelt ist. Aber auch die trockenen Weine sind großartig und verfügen über eine kompakte Präzision. In dieser Kategorie sehe ich das Duo ganz weit vorn. Von diesem Weingut werden wir noch mehr hören, da bin ich mir sehr sicher…

Weiterhin mehr Spaß im Glas,

 

Euer Hendrik

 

 

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Kommentare

22 Kommentare zu “Folge 246 – Der Coravin Test

      1. Hi Hendrik,

        wer hat denn diesen absurd hohen Preis kommuniziert? Mal abgesehen davon, dass ich bisher keine Angebote für einzelne Patronen gesehen habe, so sind die Bundel (angefangen vom 2er Pack bis hin zur 12er Großpackung) alle weit unter diesem Preis – siehe auch mal hier: http://www.coravin.de/kapseln/coravin-capsule-410000g.html
        Eine Patrone reicht bei mir für ca. 20 Einsätze, da halten sich die Kosten im Rahmen (50 ct pro Glas). Interessant finde ich die Diskussion in Facebook – das Thema Coravin Nutzung polarisiert doch stark. Hätte ich so nicht gedacht.

        Übrigens – Robert Parker, der sich normalerweise eher nicht vor den Marketing-Karren spannen läßt, hat das System auch gestetet und sich sehr positiv geäussert: https://youtu.be/fcbaGiRBtRk

        Ciao Peter

  1. Aloha! 300 Takken ist ein Wort – fände es aber in der Gastro klasse verschiedene hochwertige Weine Vorkosten zu können, ohne gleich die ganze Flasche kaufen zu müssen. Hättest das Ding ja auch am OleOleOle links von dir ausprobieren sollen. 🙂 Great stuff!

  2. Nicht im Video zu sehen aber sehr wichtig ist dass man bevor man die Nadel in die Flasche steckt, zuerst mit dem Ausloeser etwas Gas durch die Nadel laesst. Das sorgt dafuer das keine Luft bzw Sauerstoff oder alter Wein von der vorigen Flasche in die Flasche kommt. In der Nadel koennte sich naemlich noch Luft oder Wein befinden. Auch das Sauberhalten ist wichtig; einfach am Tagesende etwas warmes Wasser durch den Coravin rinnen lassen. Oben rein und es kommt dann durch die Nadel wieder raus.

  3. Hallo zusammen,
    bestimmt hat das “Monster” seine Berechtigung im Gastrobereich.

    Für mich persönlich gehört es zu den TOP-Produkten die ich nicht brauche. Wenn ich eine Pulle öffne trinke ich sie auch aus.

    Liebe Grüße
    Reblaus1975

    1. Ich glaube es geht hier auch weniger um das Thema, eine Flasche nicht ganz auszutrinken sondern, gerade bei grösseren Weinkellern (ich habe selbst ca. 1.000 Flachen) VOR dem Öffnen der Flasche einen Probeschluck zu nehmen um danach zu entscheiden, den Wein zu öffnen oder nicht. Seit ich Coravin nutze, mache ich das sehr häufig und vermeide so, einen Wein ggf. Zu früh (oder auch zu spät) zu öffnen.
      Ich sehe das als einen grossen Vorteil an, denn nicht jeder Wein alter gleich schnell und je nach Lagerung kann ein und derselbe Wein sich ganz unterschiedlich entwickelt haben. Da nutzen auch Nachschlagewerke, Verkostungsnotizen in Cellartracker oder Empfehlungen der Profis nicht immer weiter.
      Und ja, wenn ich mal Lust auf einen guten Wein habe, es aber in der Woche ist, ich am nächsten Tag arbeiten muss und niemanden zum mittrinken habe, dann “zapfe” ich mir auch mal ein Glas ab 🙂

      1. Hallo Peter,
        stimmt. Es kommt auch bei uns öfter vor, dass wir einen Wein öffnen, der besser noch hätte lagern sollen. Da würde das Teil wirklich weiterhelfen.

        Gruß
        Holger
        (Reblaus1875)

  4. Solange das System allein auf der Welt ist, wird es wohl auch weiter diesen Preis haben. Ich weiß nicht, ob da ein Patentschutz besteht, habe nur ein “TM” für die Marke gefunden. Vielleicht tritt da mal jemand mit einem Konkurrenzprodukt auf.
    Argon ist übrigens nicht das schwerste Gas, im Bereich der Edelgase gibt’s da auch schwerere Kaliber bis hin zum Radon, aber das ist schon radioaktiv. Wichtig ist in erster Linie wohl, daß das Gas inert ist, also mit den Bestandteilen im Wein nicht chemisch reagiert. Da könnte man meiner Meinung nach auch billigen Stickstoff nehmen, der als Molekül auch noch mal schwerer als Argon ist und deshalb wohl auch weniger stark durch den Korken diffundiert. Kohlendioxid wohl eher nicht, weil das schon eine deutliche Löslichkeit im Wein aufweist.
    Aber sonst von der Idee her absolut schlüssig und nachvollziehbar. Fehlt nur noch eine Variante, die auch vor Schraubern und Glasstöpseln nicht halt macht 😉

  5. Einfach mal mit „schutzgas wein“ googeln. Da gibt es Systeme die mit dem Gas Argon arbeiten für unter 50,- EUR.
    Muss dann jeder selbst herausfinden welches System ihm was taugt.

  6. Bei mir halten die Flaschen auch nach der Erstöffnung nicht lange genug, damit sich so ein System rechnet. Im Zweifel öffne ich dann lieber öfter. Ich fände es mal interessant zu wissen, ob das Gefühl eine halbleere Flasche endgültig zu öffnen ein anderes ist?

    1. Apropos, halbleere Flasche, leider schweigt sich auch Weinautorität Robert Parker in seinem 2-teiligen YT-Video (Robert Parker Coravin Demonstration) dazu aus wie die angebrochene Flasche trotz mehrfacher Perforation und weiterer jahrelanger Lagerung richtig zu lagern ist.

      Der ganze Aufwand und Mühe lohnt sich ja nur wenn der malträtierte Korken auch weiterhin dicht hält. Muss die Flasche bei fallendem Füllstand also irgendwann mal zur weiteren Lagerung auf den Kopf gestellt werden um den Korken nass zu halten?

        1. Im Zusammenhang mit Wein sind „Vertikale“ und „Horizontale“ vielleicht eher missverständlich, da diese Begriffe schon für Weinproben verwendet werden. Dass generell waagerechte Lagerung empfohlen wird ist mir schon klar, die Frage bezog sich auf den sinkenden Füllstand nach Entnahme mehrerer Proben im Laufe der Lagerung. Es wird dann also empfohlen Löcher ins Weinregal zu bohren um die Flaschen senkrecht mit dem Flaschenhals nach unten aufzubewahren?

          1. Ich beantworte die Frage mal selber. Da das Schutzgas schwerer als Luft ist, kann ein undichter Korken selbst bei stehender Lagerung nicht an den Wein gelangen solange die Flasche nicht bewegt wird. Insofern muss niemand bei Füllstand <50% ein Loch ins Weinregal bohren. Dank des Schutzgases ist der Wein sogar bei offener Flasche geschützt wenn die Flasche in Ruhe gelassen wird.

  7. Hallo, sicherlich ein gutes und wertiges Gerät. Aber besteht nicht Gefahr, dass der Korken bröselt? Wie oft kann in einen Korken die Nadel hinein gestochen werden, ohne das er kaputt geht oder undicht wird?

  8. Hallo,

    ich hatte Gelegenheit, das Coravin System im Restaurant im Einsatz zu sehen und war von der Wirkung sehr beeindruckt. In der Handhabung wirkte es allerdings etwas umständlich. Bei einer Internetrecherche bin ich auf das Winaro System gestoßen, das ebenfalls mit Argon Gas arbeitet, aber mit der geöffneten Flasche zum Einsatz kommt. Es ist wesentlich einfacher in der Handhabung, man kann weiterhin das gewohnte Einechenkerlebnis genießen und es sollte eigentlich im Resultat den gleichen Schutz für seine guten Tropfen bieten. Gleichzeitig ist es sowohl in der Anschaffung als auch bei den Patronen wesentlich günstiger.

    Für meinen Hausgebrauch scheint das die bessere Lösung zu sein.

    Über einen Vergleichstest hier würde ich mich sehr freuen!

    Liebe Grüße Markus

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