Wein am Limit - Hendrik Thoma
05.07.2016 - Folge 267

Was gibt es neues auf Candialle?

Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2013 Mimas IGT Toscana
Candialle, Toskana
Soulfaktor 4
20-30 EurDetails
2014 Cabernet Franc
Candialle, Toskana
Soulfaktor 4.5
30-40 EurDetails

Das Weingut Candialle liegt malerisch am Südzipfel der Conca d’Oro –der goldenen Schale- in Panzano, im Herzen des Chianti Classico zwischen Siena und Florenz.

Die Weinbergsflächen dieser 800 Hektar große Gemeinde werden von 90% der Produzenten biologisch oder biodynamisch bewirtschaft. Die Weine von den kalkhaltigen Böden gelten als besonders intensiv und reintönig schmeckend. Sie haben ein kraftvolles Gerbstoffgerüst und eine prononcierte Säure. Panzano ist einer der Spitzencru unter den vielen Chianti Classico Gemeinden, vor allen Dingen mit einem eigenen Profil.

Josephin und ihr Mann Jarrko Peränen betreiben Candialle seit 2002 (die ersten Jahrgänge waren aufgrund der schwierigen klimatischen Startbedingungen nicht kommerziell) und haben das ca. 12 Hektar große Weingut zu einer Perle aufgebaut.

Ihrer Vorstellung von eleganten, trockenen Rotweinen -die ihre Herkunft eindrucksvoll zeigen- sind sie Jahr für Jahr ein Stück nähergekommen. Diese Gewächse sind nicht die modischen Chi Chi Chianti, aufgepimt mit dem Holzmonster, die dem Image der Region nicht besonders gut getan haben. Diese Stöffchen brauchen ein kraftvolles Essen, so wie es in der Toskana üblich ist. Ich weiß, dass die meisten Menschen hierzulande ein anderes Bild von italienischer Küche haben. Doch die ist genauso wenig italienisch, wie die chinesische, griechische und andere Landesküchen. Man macht halt eine Verbeugung vor dem Gastgeberland und befriedigt den germanischen Urtrieb nach Sahne, Fett und vor allem viel. Dann sind alle glücklich. Wirt, wie Kunde.

Jetzt zu den neuen Weinen im Portfolio des dynamischen Ehepaares:

Der 2014er Sangiovese „Mimas“ reifte in einem 250 Liter großen Terrakotta Zylinder, namens Clayver. Hergestellt hat sie ein Weinverrückter aus Genua, der ein Gefäß erschaffen wollte, in dem der Wein keinen Sauerstoff während der Lagerung erhält und gleichzeitig geschmacklich neutral bleibt. Während der 2013er sehr komplett verschlossen ist, begeistert mich dieser reinsortige “ungeschminkte” 2014er mit einem betörenden zarten Bukett von Himbeeren, roten Johannisbeeren und Kirschen. Er hat eine transparente Leichtigkeit und eine saftige, klare Frische die lange im Mund bleibt. Ein Vergleich mit einem Burgunder passt sehr gut, obwohl dieser Stoff am Ende mehr Power oder Sonne hatte. Candialle ist einer der Vorreiter dieser Ausbaumetode, die immer mehr Nachahmer findet. Der Mimas ist kein Wein für Körpertrinker, sondern spricht Menschen an, die das feine, grazile und individuelle suchen. Klasse!

Der 2014er Cabernet Franc ist das Erstlingswerk aus noch sehr jungen Reben, von dem es leider nur 900 Flaschen gibt. Dafür ist das Debut eindrucksvoll geraten. Diese frühreifende Sorte fühlt sich in dem rauen Klima der zentralen Toskana anscheinend sichtlich wohl. Ein würziger Wein mit Aromen von roter Paprika und dunklen Beeren, sowie Gewürzen wie schwarzem Pfeffer. Nicht überreif-marmeladig, wie so häufig anzutreffen, sondern mit viel Trinkfluss ausgestattet. Großartig, wie dieser jungen Wein über die Zunge rollt. Mit „Schmackes“ und Druck, dabei kein Gramm Fett zuviel. Der perfekte Stoff zu Wild, oder noch besser einem Bistecca Fiorentina.

So schmeckt die Toskana, in einer neu inszenierten Variante. Mehr davon!

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Kommentare

2 Kommentare zu “Folge 267 – Was gibt es neues auf Candialle?

  1. sehr fein! schönes Video!
    Habe den Candialle live stream noch in guter Erinnerung.
    … dürfte aber ruhig mal wieder aufgefrischt werden 😉

  2. Hört sich interessant an, dieses Verfahren mit den Clayvers, auch wenn sie für mich mehr nach Kugel als Zylinder aussehen 😉
    Champagne Tarlant scheint auch damit zu experimentieren.

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