Wein am Limit - Hendrik Thoma
04.09.2016 - Folge 273

Die Entdeckung der Langsamkeit - 1.Teil

Die Geschichte von diesem Projektwein hört sich wie Weinlatein an. Doch es ist ein wahres Kapitel unserer Branche. Denn wie immer hängt vieles vom Zufall und von persönlichen Beziehungen ab. Am Ende geht es immer darum, daß man für sein Glück etwas tun muß. Genau das hat der Piesporter Jungwinzer Philipp Kettern ergriffen, als er auf einer Weinprobe in der Karibik den berühmten portugiesischen Produzenten Dirk van der Niepoort traf. Von letzterem wußte er, daß er eine Schwäche für elegante Moselrieslinge hatte. Dirk fand die Weine von Philipp ziemlich banal und langweilig, aber der junge Mann ließ nicht locker und sich nicht entmutigen.

Irgendwann, ein paar Jahre später nach vielen Gesprächen, war das Eis gebrochen. Es sollte etwas dauern bis die erste Serie dieser feinen und gereiften Rieslinge auf den Markt kommen sollte. Denn große Weine entstehen nicht über Nacht und jetzt ist es soweit. Mittlerweile ist auch Dirks Sohn, Daniel, zum Projekt hinzugestossen. Er hat nach seiner Ausbildung in der Schweiz viele internationale Stationen (z.B. Guy Roulot in Burgund oder Lammershoek in Südafrika) durchlaufen und ist mittlerweile fester Bestandteil des Teams.

Die drei Rieslinge könnten unterschiedlicher nicht sein und trotzdem eint sie alle die Philosophie des langsamen Ausbaus. Zuerst kommt der leichtfüssige elegante “Cabisehrnett” der ein Mosel-Klassiker ist. Ausgestattet mit gerade 8,5 ° Alk. und dezenter kaum spürbarer Süße besitzt er “entgegen aller Rationalität” eine starke Intensität. Natürlich kann er reifen, aber auch in diesem jungen Stadium schmeckt der “Cabisehrnett” unverschämt gut, verspielt und vor mir aus auch saulecker.

Der “Falkenberg” ist eine hochgelegene, luftige + kühle Lage an den waldreichen Begrenzungen des Hunsrück, welcher die Mosel einfasst. Was für ein traumhafter trockener Stoff mit einer köstlichen Textur und Schmelz! Er reifte ein Jahr im großen Moselfuder und wurde in dieser Zeit nicht gestört. Ein weiteres Jahr Flaschenreife war ihm noch vergönnt und jetzt steht er traumhaft im Glas. Fein, elegant, trocken, irgendwie “old school” und mit einer glockenklaren Präzision in seiner Aromatik.

Der “Fio” soll das Glanzstück der Trilogie sein und ist es auch. Zwei Jahre Reife im großen Fuderfass und zwei weitere auf der Flasche brachten ihm die Ruhe vor dem Sturm. Wie alle Weine wurde während seines “Erwachsenwerdens” minimal interveniert. Das ist ein ganz starkes Stück! Der “Fio” ist ein mineralisch, komplexer Stoff mit einem lang anhaltenden Geschmack. Ein großartiges Debüt.

Wir freuen uns auf eine aufregende Zusammenarbeit mit diesen passionierten Menschen. Ein Anfang ist gemacht. Manchmal gibt es Zufälle die keine sind. In diesem Sinn wünsche ich Euch eine unterhaltsame Folge in der es definitiv mehr Spass im Glas gibt.

Euer Hendrik

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Kommentare

6 Kommentare zu “Folge 273 – Die Entdeckung der Langsamkeit – 1.Teil

  1. Klingt extrem spannend! Traditionell (wenn man es so nennen mag ;-)) aber doch irgendwie anders. Jura und Mosel verheiratet. Klasse!
    Kann man die “Jungs” mal besuchen, wenn man es nicht so weit hat? Schon einmal Danke für Teil 1. Freue mich auf Teil 2.

  2. Den Falkenberg hatte ich am Samstag ja schon getrunken und ich sage nur,fein Baby,elegant Baby,trinkfluss ohne Ende.Coole Jungs ! Freue mich auf den 2.Teil !

  3. Super Sendung und sehr sympathische Runde! Wenn ich schon sehe, wie oft und interessiert die beiden Herren an dem eigens hergestellten Weinen schnuppern, dann macht das schon Lust :o)

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