Wein am Limit - Hendrik Thoma
10.10.2016 - Folge 278

Château Labat - Ein bezahlbarer Neuzugang in der Wein am Limit Familie

Moin, Moin liebe Walinlauten,

wir haben einen Neuzugang in der “Wein am Limit-Familie”, über den wir uns sehr freuen. Mit Château Labat kommt ein großartiger Wert ins Portfolio. Bezahlbar, klassisch und lagerfähig. So etwas kann jeder Weinliebhaber gebrauchen.

Das historische Anwesen aus dem 17. Jahrhundert wurde 1920 von der Familie Nony erworben und befindet sich seit 4 Generationen in deren Besitz. Bereits 1932 gehörte es zu den Cru Bourgeois, jenen Bürgergewächsen, die das Rückgrat des Weinbaus auf der Halbinsel vor der Stadt Bordeaux, dem Haut-Médoc und dem Médoc, bildeten. Es waren meistens Weinhändler oder angesehene Familien die hier Land erwarben, um bodenständige Weine zu keltern.

Während die ganze Welt glaubt ein erstklassiger Bordeaux muss teuer sein, so haben viele Cru Bourgeois bewiesen, dass sie ohne weiteres in der Königsklasse mitspielen können. Allerdings zu einem wesentlich attraktiveren Preis.

Mit seinen 7 Hektar Weinbergsfläche, die mit 10.000 Stöcken eng bepflanzt sind, ist Château Labat ein Winzling mit einer Miniproduktion von ca. 40.0000 Flaschen jährlich. Die Sorten 50% Cabernet Sauvignon und 50% Merlot stehen auf Günzkiesboden der mit feinem Ton durchsetzt ist. Auf dem Plâteau von St. Julien befindet es sich in guter Nachbarschaft mit so klangvollen Namen wie die Grand Cru Classé Châteaux Lagrange und Belgrave. Auf Château Labat wird traditionell gearbeitet: Handlese, Eiweißschönung, einjähriger Ausbau im Barrique. Ein guter Bordeaux ist kein Hexenwerk, sondern verlässliche Arbeit über Jahrzehnte. Château Labat ist ein Musterbeispiel dafür.

2011
Es trifft insbesondere die Jahrgänge hart, die im Schatten von berühmten Jahren stehen. Nachdem sich alle Welt auf 2009 und 2010 stürzte, geriet der exzellente 2011er in Vergessenheit. Langsam bekommt dieses klassische Jahr immer mehr Fans und einige realisieren das Konzentrate –insbesondere für Bordeaux- nicht alles sind. Nicht so üppig und imposant, weniger dunkelfruchtig, aber mit einer kühlen Zedernholznote, Gewürze, pfeffrig, frisch und mineralisch kommt dieser „Coup de Cour“ ins Glas. Dieser Jahrgang kommt jetzt in seine erste Blüte und wird noch einige Jahre Freude machen. Intensität, tiefe Farbe, aber keine Trinkmarmelade.

2012
Der Merlot hat den Jahrgang gerettet. Ein weiterer Underdog der aber mehr Frucht und Power hat als sein Vorgänger. Er erreicht nicht ganz die Tiefe, wie es 2009 und 2010 haben, dafür begeistert er mit seiner fruchtigen Üppigkeit. Animierend, schöne Fruchtnoten, eine herbe Rotfruchtigkeit, robuste Tannine und ein mittlerer Körper. Dekadent köstlich. Jetzt schon sehr schön zu trinken.

2014
Ein sehr schwieriges Jahr für die Winzer: Frost, Feuchtigkeit und während der Ernte Regen. Nur mit hohem Aufwand gelang es einen Teil der Ernte zu retten. Die Weine werden nie profund oder langlebig sein, dafür fehlt es an Substanz. Während vor 50 Jahren so ein Jahrgang komplett ins Wasser gefallen wäre, lässt sich mit der heutigen Arbeitsweise ein achtbares Ergebnis erzielen. Hell in der Farbe und mit einem rotfruchtigen Fruchtprofil, pfeffriger Würze (rote Paprika) und sehr moderatem Eichenholzeinsatz schmeckt der 2014er schon jetzt (und die nächsten 5 Jahre) sehr, sehr gut. Ich mag das Wort „lecker“ in Bezug auf Wein nicht so gerne, aber hier passt es 100%.

Viel Spaß beim trinken und verkosten,

Euer Hendrik

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Kommentare

3 Kommentare zu “Folge 278 – Château Labat – Ein bezahlbarer Neuzugang in der Wein am Limit Familie

  1. Hallo Hendrik,
    ich finde es auch interessant, wie unterschiedlich die Jahrgänge ausfallen.
    Der 2015er wurde ja in Deutschland mal wieder als “Jahrhundertjahrgang” gefeiert, allerdings habe ich bisher wenige 2015er getrunken die mir total zusagen. Viele Weine waren wir einfach zu fett und cremig. 2014 war ein sehr schwieriges Jahr, aber das was in die Flasche gelandet ist finde ich persönlich sensationell. Eins ist aber klar, dass hier ist nur ein persönliches empfinden.
    Wichtig finde ich, dass man trotzdem als Konsument jeden Jahrgang mit trägt (mit trinkt), denn die Winzer leben davon. Außerdem gibt es in Deutschland keine schlechten oder mittelmäßige Jahrgänge mehr. Nur noch gute und sehr gute.

    Liebe Grüße aus Oberhausen
    Holger

  2. Super Folge mit genau den richtigen Weinen für die kommenden kühlen Tage. Bestellung folgt, so habe ich gleich ein Thema für den nächsten Weinabend! 🙂
    Grüße von der Saar

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