Wein am Limit - Hendrik Thoma
18.12.2013 - Folge 150

„Master Somm“ Christian Bock

Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2009 Aylward Reserve Pinot Noir
Ocean-Eight, Mornington Peninsula
Soulfaktor 5
50-60 EurDetails
1978 Châteauneuf-du-Pape
Château Mont Redon, Rhône
Soulfaktor
150-200 Eur

Liebe Walinauten,
es gibt drei deutsche Master Sommeliers. Einer davon ist Christian Bock, der Geschäftsführer und Weinbroker von Vinpark am Vierwaldstätter See in der Schweiz ist.

Als Pinot Noir Liebhaber mag er auch den fruchtigeren Weinstil der südlichen Hemisphäre. Die Weine zeigen häufig schon früher -im Gegensatz zu ihren Counterparts aus Europa- was sie können. Der 2009 Aylward Reserve ist ein schönes Beispiel dafür was ein Pinot Noir aus einer kühleren Zonen der neuen Welt drauf haben kann. Er ist wunderbar entwickelt, duftet nach gerösteten Kräutern, Himbeeren und zeigt jene faszinierende Mineralität die auch die Klassiker aus Europa haben können. Ein wahrer „Pinot-Porno“ im Glas, der von einem feinen Duft getragen wird. Für mich einer der besten seiner Art und für jede Blindprobe ein willkommener Pirat.

Die Weine von der Mornington Peninsula haben selten mehr Alkohol als 13.5 % und entwickeln eine wunderbare Brillanz und Klarheit in ihrer Frucht. Mehr Informationen zum Weingut und dem Besitzer Mike Aylward in WaL Folge 134. : https://weinamlimit.de/2013/09/16/134-folge-mike-aylward-the-gamechanger/ .

Der zweite Wein ist ein Überraschungswein, der selbst einen alten Hasen wie Christian beeindruckt hat. Die Weine von Château Mont Redon aus dem Châteauneuf-du-Pape waren in den 60 und 70er Jahren legendär. Große Klassiker, die damals nicht gemacht wurden, um Weinkritiker zu beeindrucken, sondern sie stammen aus einer Zeit in der man solide gearbeitet hat. Solche Weine haben den Ruf dieser Appellation begründet. Der 1978er ist nach 35 Jahren immer noch frisch, aber zeigt schon die Würde eines reifen Tropfens. Getrocknete Früchte, erdige Trüffel und Gewürze. Der Wein aus hauptsächlich Grenachetrauben legt im Glas und an der Luft unglaublich zu. Noch Stunden später ging die Post ab.

Ich habe ihn vor einigen Jahren für ca. 25 € auf einer Auktion gekauft ohne etwas über seine Herkunft oder Güte zu wissen. Niemand wollte ihn damals haben. Was für eine tolle Überraschung und seltenes Vergnügen. Ein schönes Weihnachtsgeschenk.

Ich wünsche weiterhin einen frohen Adventsendspurt,

Euer Hendrik

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Kommentare

30 Kommentare zu “Folge 150 : „Master Somm“ Christian Bock

  1. Hallo, Hendrik, entschuldige bitte meine Frage, aber wer oder was ist der Maßstab für die Markt-Preisangabe 150-200 dieses 1978er CdP? Gibt es da überhaupt noch einen nennenswerten Bestand an käuflichen Flaschen? 🙂

  2. Musste leider bei Minute 6 abbrechen. War nicht mehr auszuhalten. Ich habe neulich die dreiteilige BBC Dokumentation “The Wine Industry” gesehen. Der erste Teil läuft unter dem Titel “The Firm”. Dazu gibt es im Wörterbuch mehrere Übersetzungen, u.a. auch “Die Mafia”. Ich kann mir nicht helfen, aber Parallelen zur Finanzindustrie sind offensichtlich. Wo bleibt hier bitte der Spaß im Glas? Das ist Dekadenz und Verfall. Sorry, meine Meinung.

    1. Hi Alen, finde es absolut ok, wenn Dir diese Folge nicht gefällt. Dieses “High End” Geschäft ist auch ein nur ein kleiner Teil des Weinmarktes. Er gehört aber dazu und “Wein am Limit” ist ein Forum das diesen auch wahrnimmt. Viele Grüße, Hendrik

      1. … und ich finde es absolut OK,,dass du auch solche Folgen machst und es absolut OK findest, dass man auch etwas kritischere Töne ablassen darf.

  3. Hmm, absolut nicht meine Welt… Gesehen und abgehakt. Aber Wein am Limit behandelt eben alles rund um das Thema Wein und nicht nur das Schema “ich hab wir was super super leckeres was ihr unbedingt kaufen müsst”….

  4. Ja, Wein ist auch nur ein Bestandteil des Marktes. Ich fand seinerzeit schon den bei CC gefundenen Beitrag zu den Bewegungen auf diesem Markt sehr interessant:
    [http://www.captaincork.com/Teure-Weine-Weinhandel-Weinhaendler-Sassicaia-Opus-One-Tignanello-Ornellaia-Wein-Broker-Millionenspiel]

    1. Hallo Rainer, ich bin dieses Jahr auch mal irgendwie auf den von dir erwaehnten Beitrag gestossen. Hab mich danach gefragt wo auf dieser Welt das Spiel so funktioniert und warum ich das nicht so mache. Hat sich fuer mich so angehoert wie jemand der das noetige Kleingeld hat und alles nur noch zum Spass macht. Da hat es sicher mal gute Deals (war auch damals vor drei Jahren ein guter Markt) , aber jemand da hockt und das jeden Tag so zwischen Golfen und Burgunder trinken so macht, glaub ich nicht ganz.

  5. Witzig – im Video vor (fast) genau einem Jahr (14.12.12) hattest du das gleiche Hemd an, Hendrik. 🙂
    Einer meiner liebsten Pinot Noirs ist der von Thomas Studach, Schweiz.

    Eine frohe Weihnachtszeit allerseits.

    1. Hallo Sven, Studach ist der “Sommelier – Pinot” in der Schweiz . Ich kenn so einige die legen sich den Wein in der Privatkeller und auch Chardonnay ist sehr gut.

      Gruss
      Christian

  6. Zur Folge: Das ist doch interessant, mal etwas anders zu hören und zu sehen. Finde es spannend, alternative Herangehensweisen zum Thema Wein zu erfahren. Etwas störend fand ich zwischenzeitlich allenfalls die vielen Anglizismen. Aber das war ja nur temporär und hat den Spaß nur kurzzeitig getrübt.

    Zur Tagesfrage:Mir gefällt Domaine Saint Damien CDR Vieilles Vieilles. Schön war ehemals 2009, derzeit ist es 2011. Pauschalaussagen sind immer schwierig, aber m.E. ist CDR eher was für den frühen Genuß, deshalb liegen mir die Weine im Besonderen, wenn sie jung sind – später nimmt sich die Frucht zu sehr zurück und der hohe Alkoholgehalt wird zu deutlich. Vielleicht würden sie durch längere Lagerung wieder an Attraktivität gewinnen, aber mit einem CDR würde ich nicht groß experimentieren wollen. Würde ich eher zu einem CDR Villages Cairanne / Vinsobres oder aber den Appelationen Vacqueras / Gigondas / Rasteau greifen.

  7. Interessant, wie sich die Maßstäbe so verschieben, wenn man sich immer nur mit High-End-Weinen beschäftigt – da wird dann so ein 50-Euro-Pinot schon mal zum Alltagswein! Übrigens glaube ich,”Otto-Normalverbraucher” heißt “Otto-Normalverbraucher”, weil er sich für “Broker-Weine” eher nicht interessiert.
    Cote du Rhone halte ich hingegen für ein sehr interessantes Thema. Mein Favorit der letzten Zeit war ein Xavier Vignon 2010, womit wir bei einem Preis von unter 10 Euro schon eher im alltagstauglichen Bereich wären.

    1. Hallo Mathias, dein CDR im 2010 ist richtig viel Wein fuer 10 Euro.

      Wegen “Broker-Weine” , was soll den in die Kategorie fallen. Sicher nicht mein Pinot Mount Eden . Den “broked” ja niemand und alle die in Kaufen machen das weil sie in gut finden und trinken. Preissteigerung hat er auch keine.

      Gruss
      Christian

  8. Hallo Hendrik,
    auch ich uss sagen, dass die Folge für mich eher uninteressant war. Aber man muss ja für jeden mal was machen. Ich freu mich auf die nächste Folge.

  9. Uninteressant fand ich die Folge bestimmt nicht, obwohl ich meine Flaschen ausschließlich zum Verzehr erwerbe. Zum spekulieren gibts andere Dinge. Letztlich hat das hier besprochene Themengebiet immer etwas mit Geschäft und weniger mit Genuss und Passion zu tun, die Walinauten machen es aber fast ausschließlich, weil sie Spass daran haben. Ich unterstelle Christian Bock einfach mal, dass er privat auch aus Passion verkostet, hier aber die Grenzen zum rein Geschäftlichen verwischen. Grundsätzlich ist es doch positiv, wenn jemand sein Hobby zum Beruf macht. Ich werde aber sein Kunde nicht werden, weil mir der Einstieg von 1000 Eur pro Bestellung zu hoch ist. Ohne die Begrenzung wäre es vielleicht möglich 🙂

    Schöne Weinachten … (bei mir mit dem auch schon vorgestellten 2003er Pontet Canet, sofern meine Nase bis dahin wieder frei ist)

    1. Hallo Messias, hast du mal richtig erkannst. Geht ja darum das Geld verdient wird und da sind die teuren Weine nicht das schlechteste. Auch weil man sich nicht so “verbiegen” muss um sie zu verkaufen. Da haben viele die vom Sommelier job in den Handel wechseln ganz andere Probleme, die muessen gut ueber die Weine reden die es halt bei ihrem Arbeitgeber hat. Und der groessere Teil der teuren Weine ist ja gut, sonst waeren ja die Kunden fuer solche Weine alles Leute die nix schmecken…
      Privat wird immer noch getrunken was Spass macht , zum Anlass passt und wo man Lust drauf hat , egal obs 9.50 oder xy kostet.

      Gruss
      Christian

  10. Öffentliches Interesse ist unstrittig vorhanden, sonst wäre nichts von folgenden Geschichten zu lesen. Die Welt des guten Geschmacks, der stilvollen Geldanlage und überhaupt der feinen Lebensart hat den Stoff für manche Boulevard-Kommödie:

    Bernie Madoff lagerte seine Renommierflaschen im Wäscheraum neben der Waschmaschine.
    [http://www.captaincork.com/Weine/Rotwein/Mouton-Beychevelle-Cheval-Blanc-und-Tignanello-Die-Weine-des-Bernie-Madoff]

    Thomas WER? Middelhoff – Magnumflasche Château Cheval Blanc und die Frage: privater Genuss oder dienstlicher Aufwand?
    [http://www.wiwo.de/unternehmen/prozess-gegen-ex-arcandor-chef-thomas-middelhoffs-dubiose-geschaefte/5258424.html]

    Hardy Rodenstock und der Etikettenschwindel und US-Präsi Jeffersons Wein –
    [http://www.stern.de/wirtschaft/news/unternehmen/hardy-rodenstock-der-grosse-etikettenschwindel-646400.html]

    Und dann gab es noch die ihre Jahresgratifikationen feiernden Investment-Broker die in der Londoner City einen fünfstelligen Betrag für eine Flasche Wein im Restaurant ausgaben, damit zuviel Aufsehen erregten und gefeuert wurden – kann leider den Link nicht mehr finden. Ich wette da gibt es noch weit mehr Geschichten die ein gefundenes Fressen für die Boulevard-Presse sind. 😉

  11. Hab mir parallel zum Clip ein Leberwurstbrot ( die dicke grobe von der Metzgerei Trump, welche zu den besten 100 in Deutschland gehört) bestrichen mit Bautzner Senf und ein paar Cornichons zusammen mit einem Schoppen Riesling vom Weingut Hensel/Pfalz aus der Literflasche reingezogen. Irgendwie war ich mit der Welt zufrieden. Ob das jemand sagen kann, der einen 60 EUR Pinot als Alltagswein bezeichnet, weiß ich nicht. Weinbroker scheinen mir ähnlich “unterhaltsam” zu sein , wie Aktienbroker.

    1. @Praterralle: Zustimmung was den soliden, handfesten Genuss von Kochwurst und Literwein angeht – hatte vor kurzem Zwiebelwurst aus dem Einmachglas mit Gummiring (Heidehof Zwiebelwurst) und 1 Liter chilenischer Cabernet Sauvignon aus einem gelagerten und nie geöffneten Tetrapack – ich war begeistert. Wie in einer “richtigen” Weinflasche hatte der Tetrapack sogar ein Depot am Behälterboden gebildet, sah aus wie ein verkrusteter Zweig – der Wein war wirklich mit Genuss trinkbar – tja – hab ich wahrscheinlich Glück gehabt. 😉

      Zurück zum Thema Investment: weniger Glück hatte dieser Sportsfreund der sich seinen Kauf in Bordeaux mal aus der Luft ansehen wollte, scheint eine Serie zu sein, auch einer der Vorbesitzer soll mit dem Hubschrauber abgestürzt sein. Der Reichtum mag ungleich verteilt sein, Gravitation nicht. Mein Beileid. [http://www.welt.de/vermischtes/article123205001/Reicher-Chinese-kauft-Bordeaux-Weingut-und-stirbt.html]

  12. Bin auch Grenach Fan und mein Tipp ist Coudoulet de Beaucastel (rot) 2010, Côtes du Rhône, 75 cl, Perrin & Fils, der 2. Wein voon Beaucatel zu einem Realen Preis und mit einem Guten Genuss/Preis Verhältnis.

  13. Ich glaub fast Hendrik hat mich zu oft auf das Broking und Wein als Investment angesprochen , aber das ist ja nur 5% von unserem Geschaeft. Wir handeln einfach hauptsaechlich mit Weinen ab 40 bis 1000 + Euro die Flasche, aber die meisten denen wir es verkaufen trinken die Flaschen!
    Privat trinkt man alles was Spass macht und zur Leberkaessemmel ist es sicher kein Pinot Noir fuer 60 Euro. Grenache finde ich ja seit Jahren gut , weil es gute Weine fuer 10 bis 20 Euro gibt und ab 30 hatte ich auch schon fast weltklasse im Glas. CDR ist gut zum in den ersten paar Jahren wegtrinken. Die Top C9dP in grossen Jahren halten dann doch deutlich laenger. Domaine Giraud hab ich vom CDR 2011 sicher schon eine Kiste leer gemacht (ca. 13 EURO) , und von den C9DP vom gleichen Weingut nur mal eine Flasche zum probieren. Pinot Noir oder Cabernet Kalifornien finde ich da schon problematischer fuer unter 20 . Napa Cabernet ists echt nicht gut wenn man die ganzen top Weine probieren durfte. Dann gehts schwer wieder zurueck….Aber wenn einer einen Tip hat , lass hoeren!

    1. Hab ich auch so gesehen! Fand es sehr interessant, hatte aber auch das Gefühl, das Christian gar nicht so sehr da in die Tiefe gehen wollte aber Hendrik sehr interessiert dran war ;).

      Ich persönlich denke die Mischung macht es. Jeder in der Weinbranche der keinen einfachen Wein genießen kann hat ein Problem mit seiner Persönlichkeit und auf der anderen Seite ist es falsch zu sagen was ein Wein kosten darf, den das hängt ja nicht an uns und jeder der schon Spitzenweine verkosten durfte weis einfach was das für ein Erlebnis ist und das hat nicht mit irgendwelchen Punkten oder sonstiges zu tun, das ist dann meist wie Magie!

      Des Weiteren sind Menschen wie Christian doch sehr wichtig, diese geben eine Richtung an, denn es ist sehr enttäuschend dann doch einmal tief in die Tasche zu greifen und was belangloses zu ergattern. Ich persönlich habe früher (in meiner Zeit in UK) die Artikel im Dekanter über die Top-Weine geliebt, daran kann man sich orientieren.

      Immer die Frage nach dem Preis bei Top-Weinen das nervt, das ist zweitrangig, auch wenn ich es mir ebenfalls so gut wie nie leisten kann sind is Ikonen und Vorreiter eines Getränks was uns doch alle fesselt!

      Mach mir gleich ne Flasche Paul Hobbs Russian River Valley Pinot Noir auf, einfach nur so 🙂

      Grüße Niklas

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