Wein am Limit - Hendrik Thoma
14.11.2013 - Folge 145

Stevan Paul von Nutriculinary

Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2012 Rosé
Domaine de l’Horizon, Vin de Pays de Côtes Catalanes (1,5 Liter Magnum)
Soulfaktor 5
70-80 Eur

Liebe Walinauten,

auf dem „3. Festival der Sterne“, im Sylter Hotel Budersand, habe ich einen alten Bekannten wiedergetroffen. Der Hamburger Stevan Paul ist gelernter Koch, Foodstylist, Buchautor und Betreiber des beliebten Foodblogs „Nutriculinary“.

Am Vorabend dieses Videodrehs haben wir beide ein hervorragendes Menü aus der Hand des Saarbrückener 3-Sterne-Kochs Klaus Erfurt mit den Weinen der Domaine de L’Horizon aus Calce erleben dürfen. Da uns insbesondere der Rosé aus der Magnum zum mediterran zubereiteten Wolfsbarsch mit Artischocken begeistert hat, war schnell ein gemeinsamer Nenner für eine weitere Folge bei WaL gefunden.

Die 2006 an den Start gegangene Domaine de l’Horizon gehört zwei deutschen Partnern. Dem Weinhändler Joachim Christ und dem Önologen bzw. Fasshändler Thomas Teibert. Beide haben sich in das karge Terrain im südfranzösischen Dorf Calce verliebt. Auf den Kalk- und Schieferböden dieser Gemeinde wachsen extrem alte Grenache- und Carignanreben, die in diesem harten Terrain von Natur aus lediglich Minierträge ergeben. In Calce gibt es eine Ansammlung von interessanten Charakterköpfen der französischen Winzerszene: Gerad Gauby, Olvier Pithon und Tom Lubbe von Matassa, um die bekanntesten zu nennen. Aber auch die beiden Deutschen sind längst eine fest etablierte Größe und wurden mit unzähligen Auszeichnungen und Ehrungen der Fachpresse überhäuft.

Genau wie die meisten ihrer Kollegen haben sich Joachim und Thomas für die Biodynamie entschieden. Das bedeutet: keine synthetischen Stoffe im Keller oder Weinberg. Der ganze Prozess ist so naturbelassen wie eben möglich, darüber hinaus den Prinzipien von Rudolf Steiner folgend. Das heißt auch, sich den Einfluss kosmischer Energie zunutze machend und die Mondphasen nutzend. Ein streitbares Thema, das dennoch schon viele Zweifler überzeugt hat. Vor allem, wenn die Ergebnisse stimmen.

Diese Weine sind anders und haben eine komplexere Aromatik als viele konventionell hergestellte Weine. Meine Beobachtung ist, dass Menschen, die wenig Erfahrung mit Wein haben oder konventionelle Weine gewöhnt sind, an diese Thematik erst herangeführt werden müssen.

Dieser Rosé ist ein Knaller. Ein großartiger, vielschichtiger Wein mit ausgeprägten Kräuternoten und wenig Frucht. Dafür hat er eine steinige, puristisch anmutende Nase die den Trinker fordert und animiert. Auch am Gaumen ist er einzigartig, leicht cremig, aber mit einer markanten, feinen Säure und einer kühlen Frische daherkommend. Ein besonderer Wein, der mehr an Weißwein erinnert und blind verkostet nicht sofort als Rosé durchgeht. Gekeltert wurde er aus dem freilaufenden Saft von Trauben alter Grenachereben. Dann wurde er im Holzfass ausgebaut. Sehr gekonnt und gefühlvoll, so dass man den Fassgeruch nicht als störend, sondern als animierend empfindet.

Ein perfekter Wein zu mediterraner Küche und auch nach 2 Tagen entwickelt er sich selbst in einer Karaffe weiter. Ein ungewöhnlicher Rosé, der fordert und zum Nachdenken anregt. Er kann ohne weiteres 5 Jahre reifen, wahrscheinlich noch länger. Welcher Rosé kann das von sich behaupten? Der Preis ist sicher hoch, aber die Inspiration dafür unvergleichlich.

Viele Grüße,

Euer Hendrik

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Kommentare

13 Kommentare zu “Folge 145 : Stevan Paul von Nutriculinary

  1. Lieber Hendrik,

    Zufall, lieber Hendrik war das nicht! Ich habe Thomas und Joachim so lange genervt, bis Sie mir das ganze Fass (600 Liter) extra für das Rutz in Berlin abgefüllt haben. Das war mit dem Jahrgang 2009. Und damit war dieser Wein in der ersten Rutz Rebell Serie mit dabei!

    Beste Grüße auf der Hauptstadt,
    Billy

  2. Moin nach Hamburg,
    Das hat mal wieder richtig Laune gemacht und auch wenn viele jammern wegen des Preises ich finde der Rose hat sich wirklich interessant angehört.
    @ Stevan, ich freue mich riesig auf das neue Buch, so etwas habe ich schon seit einer Ewigkeit gesucht, bin aber nie richtig fündig geworden. Mein ambitionierter “Deutschküchen Gastronom” vor Ort bekommt gleich eins zu Weihnachten.
    Beste Grüße
    Steffen

  3. Guten Abend, ich möchte mich auch mal wieder zu Wort melden. Denn ich bin den Weinen von der Domaine de L’Horizon verfallen. Allen. Ausnahmslos. Großartiger Stoff und Thomas Teibert ist auch noch ein sympathischer Weinmacher. Mit seinen Weinen werden Steine in Wein gegossen. Mehr davon bitte, auf diesem Kanal!

  4. Na ja. Von den etwas mehr als 18min Video, waren es nach meinem Geschmack dieses Mal ca. 16min zu viel. Wie gesagt, nach meinem Geschmack. Aber über Geschmack lässt es sich bekanntermaßen nicht streiten. Dafür war in den 144 Sendungen zuvor kaum eine Minute zu viel. Statistisch gesehen demnach nicht signifikant.

    1. Video 12:40 Minuten: „…wie Jesus Christus am Kreuz zu sterben, hab ich auch keinen Bock drauf.“
      Weinkenner die nicht wie JC am Kreuz hängen wollen, wollen auch nicht wie Hindus auf Rindfleisch verzichten, wie Moses Steintafeln schleppen, wie Buddha unter einem Baum sitzen und wie Mohammed – ach nee – der trank ja keinen Wein. 😉

      1. Béla Hamvas’ hat in seiner “Philosophie des Weins” geschrieben, “Zwei bleiben schließlich übrig, Gott und der Wein.” Da wo Gott ist, ist ja schließlich auch Gottes Sohn. Jesus wußte also mehr. Vielleicht sollte man als vinophiler Sterblicher doch die paar Minuten Qualen am Kreuz in Kauf nehmen.

  5. Auch, wenn ich mich wiederhole: Ich habe das zwar nicht statistisch ausgewertet, aber ich finde, es ist eindeutig eine negative Korrelation zwischen Weinpreis und Anzahl der Kommentare festzustellen – das würde mir zu denken geben…

  6. Hi Hendrik, schön, dass Du Stevan Paul bei Dir hattest. Seine Bücher solltest Du unbedingt lesen. Schlaraffenland eignet sich auch als Vorlesebuch für Töchter 🙂 Stevan hat ganz recht: Uns Kulinarikern steht es gut, freundlich und höflich miteinander zu sein. Bissig sollten wir nur beim Essen sein. Neidern darf man nicht zu viel Raum schenken, sondern sich für solche Fälle lieber ein dickes Fell zu legen. Magst Du mir noch die vdn Frage beantworten? Genussvolle Grüße Kerstin

  7. Deutlich zu merken, ging es hier mehr um das Thema Blogging als den Wein selbst. Dennoch dadurch nicht weniger interessant, gerade was den ökonomischen Part vom IBlog angeht.
    Allen Preiskritikern sei der Hinweis gegeben, dass es sich beim angegebenen VK um eine Magnum handelt. Ich denke allein das Wort Rose in diesem Zusammenhang könnte so Manchen irritieren. Nur darum geht es denke ich garnicht. Vielmehr versucht Hendrik ja zu betonen, was der Wein als Wein zum Ausdruck bringen kann, aufgrund seines biodynamischen Backgrounds…

  8. Lieber Hendrik, ich bin spät dran mit meinem Kommentar, aber ich kann dem Film jetzt Bilder auf facebook zuordnen, die zu dem erwähnten Essen gepostet worden waren. 🙂
    Der Rosé ist ein Wein, von dem mir ein guter Freund im vergangenen Sommer eine Flasche direkt aus Südfrankreich mitgebracht hatte. Er kam nicht nach Calce und musste ihn in Céret in einem alteingesessenen Weinladen bestellen (hoffentlich geht es dem guten alten R., dem Besitzer des Ladens, wieder besser…!). Solch exklusive Weine hat man dort nicht unbedingt vorrätig. Aber er wurde bestellt, geliefert, 1200 km gefahren und mir schließlich mit Zwischenstation im Weinkeller der Freunde bei Frankfurt übergeben. 2x weiß, 2x rot und 1x rosé, mehr war budgetseitig nicht drin. Und 33 Euro für einen Rosé? Obszön! Oder…? Die Neugier überwog und ich wollte wenigstens einmal probieren. Der Weiße ist schon ein Knaller und ich erinnere mich gut daran, wie ich mich auf einer Art kleinen ‘Weinmesse’ in Ulm am Stand von Thomas Teibert noch vor dem abends anstehenden Menü ziemlich betrunken hatte. Es war wirklich ein Versehen, aber der Wein war sooo lecker, er lief, und die Runde war nett… *hicks* Herrlich!!! Obszön gut! 🙂
    Den Weißen im Sinn wollte ich den Rosé also auch kennenlernen. Eines Abends im Sommer war es soweit. Ich war alleine, hatte was zum Grillen besorgt, Sepia und Co., der Wein war kalt, das Wetter gut…und am Ende des Abends war die Flasche leer und die Welt hatte einen Fan dieses Weines mehr. Was soll ich sagen, geiles Zeug, ziemlich teuer, aber für mich so gut, dass ich mir bei letzter Gelegenheit bei einem der (wenigen?) Dealer (auch in Ulm – darf/ soll man hier Namen nennen?) dieser Ware Nachschub besorgt habe. Wenig. Aber immerhin.
    Zum Thema “Mehr Spaß im Glas” (in vorauseilender Vorsicht würde ich die folgende Aussage unter den Vorbehalt meiner überschaubaren Erfahrung stellen, damit ich mich nicht völlig unbeliebt mache): spontan kam bei mir für die 33 Euro weiß oder rosé aus dem Roussillon mehr Freude auf, als bei Flaschen deutscher Provenienz, die unter dem (Güte?)Siegel “Großes Gewächs” ähnliche Löcher im Portemonnaie hinterlassen. Das Beispiel eines bekannten Pfälzer Hauses ist mir dabei konkret in Erinnerung: genauso jung (ich weiß schon, im Zweifel zu jung, “Kindermord” und so) getrunken, war der Riesling fast fad und platt. Da hilft es auch nix, wenn er mit gutem Namen um Aufmerksamkeit buhlt… 😉
    Der Vergleich mag hinken, aber sowas kommt dem geneigten Laien halt in den Sinn.

    Eines fällt mir dazu noch ein: 50 hl pro Hektar sind die Ertragsbeschränkung für die GG. Wenn ich richtig informiert bin und mich mein Gedächtnis nicht täuscht, erntet ein Thomas Teibert ca. 18 hl pro Hektar. Selbst wenn es bei den kargen alten Rebstöcken mal 20 oder gar 25 wären, sind wir gerade mal bei der Hälfte der Menge, die ich hierzulande für den “Grand Cru” einfahren darf. Nicht dass ich die Domaine de l’Horizon als non-profit-Organisation verklären wollte, aber auch das gehört beim Thema Preis-Leistung für mich zur Betrachtung.
    Es sind ein paar Worte mehr geworden als gedacht. Erbarme, der Hesse kommt…

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