Wein am Limit - Hendrik Thoma

Beiträge zum Thema "Sommelier"

11.10.2013 - Folge 139

Duty Free oder Spanien einmal anders

11 Kommentare

Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2011 “La Pola”
Dominio de Bibei ,Ribeira Sacra
Soulfaktor 4
10-20 Eur
2008 Tres Patas „Old Mountain Garnachas“
,Mentrida
Soulfaktor 3
10-20 Eur

Liebe Walinauten,

wie der ein oder andere von Euch vielleicht mitbekommt, bin ich zurzeit viel in der Weinwelt unterwegs. Neulich habe ich am Flughafen von Madrid einen Shop mit wirklich interessanten Weinen entdeckt. Nicht den langweiligen Mainstream, der einem teuer als „Duty Free“ verkauft wird, sondern ein Sortiment mit ausgefallenen spanischen Weinen. Die meisten Einkäufer verlassen sich heute lieber auf gesetzte Marken die sich problemlos vom Regal aus verkaufen. Hier war das erfrischend anders.

Als erstes hat mich der „La Pola“ von der Dominio Bibei aus dem galizischen Ribeira Sacra, das heißt soviel wie „Heilige Uferbänke“, angesprochen. Dieses Weingut wird von Sara Perez und ihrem Vater René Babier (Clos Mogador) aus dem Priorat beraten. Da Ribeira Sacra winzige 1200 Hektar groß ist, von denen so gut wie nichts exportiert wird, kennt es kaum jemand.

Das besondere an dieser Region sind hochgelegene, teilweise sehr alte Terrassenanlagen mit Schieferboden. Vor allem die rote Menciatraube ist in diesem teilweise atlantisch beeinflussten Klima eine spannende Rebsorte, die viel Frische und Würze entwickelt. Die Weißweine von Dominio Bibei kannte ich bisher noch nicht und somit war mein Interesse geweckt. Der „La Pola“ wird aus 6-100 Jahre alten hochgelegenen Weingärten der Rebsorten Godello, Albarino und Dona Blanca behutsam in gebrauchten 500 und 1200 Liter Fässern ausgebaut.

Die satte strohgelbe Farbe deutet auf hohe Reife, doch der Alkohol ist mit 13 Volt für so ein warmes Weinanbaugebiet moderat. Ein köstlicher Wein mit einer extrem kargen steinigen Note. Der Stoff ist knochentrocken und hat viel Substanz. Wenn man bedenkt, wie uniform und langweilig viele technische gemachte Weißweine aus Spanien schmecken, ist dieser Stoff eine wahre Pracht im Glas. Der „La Pola“ hat intensive Steinobstnoten und duftet fein ohne den störenden „Holzaffen“. Leider war er in der Verkostung etwas kühl und ich glaube, er gehört in eine Karaffe umgefüllt und bei 10-14° Celsius getrunken. Sicherlich ist dieser Stoff bei den besten, auf alle Fälle bei den interessantesten Weißweinen Iberiens zu suchen. Die Viskosität und Feinheit sucht ihresgleichen.

Auf den roten „Old Wine Garnacha“ aus Mentrida war ich auch sehr neugierig. Die hochgelegene Region an der Peripherie von La Mancha, dem größten Anbaugebiet der Welt, war mir bis dato unbekannt. Das Anbaugebiet liegt südlich von La Mancha in der Provinz Toledo und ist für seine kargen, steinigen Böden bekannt.

In Mentrida ist die hitzebeständige Rebsorte Garnacha, die hier in Buschform wächst, die Nummer 1 und es gibt viele alte Weingärten. Ich mag die feine, süßlich betörende Frucht von der Garnacha (in Frankreich Grenache) die mich manchmal an Erdbeeren, Marschmellows und gekochte Kirschen, sogar an Weinnachtsgewürz, erinnert. Die mediterrane Variante riecht auch häufig nach Pfirsich und Orangenzeste.

Leider ist die Garnacha sehr dünnschalig, bzw. empfindlich und nach oxydiert beim Verarbeitungsprozess. Bei diesem Wein fehlte mir die verspielte Art dieser weit verbreiteten Rebsorte. Am Gaumen waren hitzestressgeprägte Gerbstoffe zu spüren die Trockenheit vermitteln. Es fehlte mir der runde ausgewogene Geschmack, den ich bei der Garnacha so schätze. Ich würde den “Tres Patas” zwar zu einem rustikalem Essen empfehlen, aber als Solist fehlt mir der Spannungsbogen und am Ende auch die Tiefe. Ein gut gemachter Wein mit Soul, der etwas Luft braucht damit er besser wird.

Spanien hat auf alle Fälle mehr zu bieten als Ribera del Duero, Rioja und Co.. Dieses Land hat eine enorme Wandlung und Rückbesinnung zu durchlaufen. Es wird Zeit, dass das hierzulande die Verbraucher auch endlich mal merken.

viele Grüße,

Euer Hendrik

03.04.2013 - Folge 99

Habemus Papam

55 Kommentare
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Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2010 Châteauneuf-du-Pape „Habemus Papam“
Domaine Santa Duc, Yves Gras ,Rhône
Soulfaktor 6
10-20 Eur

Liebe WaLinauten,

die offene Richtung, welche der neue Papst Franziskus in der verkrusteten Kirchenorganisation vorgibt, gefällt mir. Deswegen kommt, wenn auch mit einiger Verspätung, meine ‚Habemus Papam’ Folge. Im Zuge der Papstwahl sind ja einige Händler mit sehr durchschnittlichen Weinen auf diesen Verkaufsvehikel aufgesprungen.

Der heutige Wein ist ein üppiger Wein -es ist ein Châteauneuf-du-Pape der von Natur aus schwer ist- dem es trotz aller Fülle gelingt leicht und fein zu schmecken. Yves Gras ist der ungekrönte König von Gigondas, einer hochgelegenen Weingemeinde, im südlichen Rhônetal am Fuße des legendären Gebirgszugs ‚Dentelles de Montmirail’. Für ihn war der Kauf in dieser berühmten Prestige-Appellation eine große Herausforderung.

Den alten Weingarten mit 95% Grenache und 5% Mourvèdre erwarb Yves Gras im Jahre des Herrn 2008. Den Vorbesitzern machte er ironischerweise zuviel Arbeit und brachte zuwenig Ertrag. Er liegt in der Nähe von Courthézon in der Lage „La Crau“ welches mit seinen sandigen Böden ideal ist für diese hitzbeständige Sorte. Der CdP „Habemus Papam“ wird zu 80% mit Stielen und Stengeln vergoren. Das gibt ihm eine Festigkeit und kühle Note. Einige Châteauneuf-du-Pape sind in den letzten Jahren einfach zu konzentriert geraten und es fehlt ihnen an Balance

Ein großartiger, klassischer Wein mit großem Lagerungspotential aus einem fantastischen Jahrgang. 2010 ist absolut top gewesen. Ein unfassbarer Wein, der dem Papst und seinem Amt würdig ist.

16.03.2013 - Folge 94

Rose-ter Libanese

4 Kommentare
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Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2012 Alitudes Rosé
Ixsir ,Batroun
Soulfaktor 3
10-20 Eur
2011 Ruby
Batroun Mountain Winery ,Batroun
Soulfaktor 4
10-20 Eur

Liebe WaLinauten,

der Hafen von Byblos, nördlich von Beirut ist der älteste Weinhandelplatz der Welt. Von hier wurde Wein von und zu den Phöniziern verschifft, später auch zu den Griechen und Römern.

Der Ursprung des Weinbaus liegt zwar weiter östlich in Geogien, Irak oder Armenien. Doch dieser Hafen ist die wichtigste Keimzelle des internationalen Weinhandels im Altertum gewesen. Der Libanon bleibt trotz seiner langen Historie ein Kleinod unter den Weinregionen der Welt. Gerade einmal 2000 Hektar Weinberge, die nicht immer unter einfachen Bedingungen bewirtschaftet werden, hat dieses kleine Land zu bieten. Zurzeit schwelt an der Grenze zu Syrien eine weitere konfliktträchtige Tragödie, die sich hoffentlich bald wieder beruhigt.

Selten habe ich eine solche Passion, Freundlichkeit, Gastfreundschaft und Hingabe erlebt wie in diesem Land. Man merkt den Weinen eine gewisse Erwachsenheit und Eigenständigkeit im Geschmack und Aroma an. Der Libanon ist kein Neuling und verfügt über eine lange Erfahrung. Der Weinbau ist insbesondere durch die französische Protektoratszeit von 1919-1943 geprägt. Ein Vermächtnis dieser Ära sind viele alte Rebanlagen aus den Sorten Grenache, Syrah und Cinsault, die eine wunderbare Frucht ergeben. Leider werden z.Z. viele davon ausgerissen und ich hoffe, dass man sich bald wieder mehr auf deren Qualität besinnt.

Gemeinsam mit Blogger und Buchautor Michael Karam, dem wichtigsten Kenner der libanesischen Weinszene, verkoste ich heute zwei Weine aus den hügeligen Gegend von Batroun nördlich von Beirut. Im Gegensatz zu den Weinen aus dem berühmten Bekaa Tal mit seinem eher kontinental geprägten Klima genießen diese Tropfen einen stärkeren mediterranen Einfluss.

Der 2012er Rosé Altitudes vom “State of the Art” Weingut Ixsir ist eine Blend aus Syrah und der dunklen Caladoc, einer Neuzüchtung aus Grenache und Malbec, die an der Rhône angebaut wird . Ein technisch perfekt umgesetzter Wein, aber nicht langweilig oder clean. Sauber, himbeerfruchtig, trocken und mit einer an die Provence erinnernden Kräuternote. Ein leckerer Stoff und eine Referenz für einen ansprechenden Rosé mit provencalischer Klasse. Selbstredend schmeckt so etwas vor Ort noch besser.

Der 2011 Ruby ist ein für uns ungewöhnliche Blend aus Cabernet Sauvignon/Cabernet Franc/Merlot und Syrah von der Batroun Mountain Winery, die 2004 gegründet wurde.

Im Libanon sind diese „Funblends“ nicht ungewöhnlich. Der in Kalifornien ausgebildete Besitzer des Weingutes Batroun Mountain, Assad Hark, setzt zusammen mit seiner Frau Kathy auf besonders hochgelegene Weinberge bis zu 1500 Meter über dem Meeresspiegel. Ein extremes Unterfangen. Der Ruby ist ein fleischiger, kraftvoller Rotwein mit einer gewichtigen orientalischen Nase, die an Olive, Pflaume und Feige erinnert und dabei knackige Gerbstoffe hat. Keine Trinkmarmelade und in dieser Preisliga ein klasse Wert. In gewisser Weise ist das die libanesische Antwort auf Côtes-du-Rhône mit einem völlig anderen Rebsortenprofil.

Ich bin gespannt auf Eure Kommentare. Haut in die Tasten.

Euer Hendrik

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