Wein am Limit - Hendrik Thoma
16.03.2013 - Folge 94

Rose-ter Libanese

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Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2012 Alitudes Rosé
Ixsir, Batroun
Soulfaktor 3
10-20 Eur
2011 Ruby
Batroun Mountain Winery,
Soulfaktor 4
10-20 Eur

Liebe WaLinauten,

der Hafen von Byblos, nördlich von Beirut ist der älteste Weinhandelplatz der Welt. Von hier wurde Wein von und zu den Phöniziern verschifft, später auch zu den Griechen und Römern.

Der Ursprung des Weinbaus liegt zwar weiter östlich in Geogien, Irak oder Armenien. Doch dieser Hafen ist die wichtigste Keimzelle des internationalen Weinhandels im Altertum gewesen. Der Libanon bleibt trotz seiner langen Historie ein Kleinod unter den Weinregionen der Welt. Gerade einmal 2000 Hektar Weinberge, die nicht immer unter einfachen Bedingungen bewirtschaftet werden, hat dieses kleine Land zu bieten. Zurzeit schwelt an der Grenze zu Syrien eine weitere konfliktträchtige Tragödie, die sich hoffentlich bald wieder beruhigt.

Selten habe ich eine solche Passion, Freundlichkeit, Gastfreundschaft und Hingabe erlebt wie in diesem Land. Man merkt den Weinen eine gewisse Erwachsenheit und Eigenständigkeit im Geschmack und Aroma an. Der Libanon ist kein Neuling und verfügt über eine lange Erfahrung. Der Weinbau ist insbesondere durch die französische Protektoratszeit von 1919-1943 geprägt. Ein Vermächtnis dieser Ära sind viele alte Rebanlagen aus den Sorten Grenache, Syrah und Cinsault, die eine wunderbare Frucht ergeben. Leider werden z.Z. viele davon ausgerissen und ich hoffe, dass man sich bald wieder mehr auf deren Qualität besinnt.

Gemeinsam mit Blogger und Buchautor Michael Karam, dem wichtigsten Kenner der libanesischen Weinszene, verkoste ich heute zwei Weine aus den hügeligen Gegend von Batroun nördlich von Beirut. Im Gegensatz zu den Weinen aus dem berühmten Bekaa Tal mit seinem eher kontinental geprägten Klima genießen diese Tropfen einen stärkeren mediterranen Einfluss.

Der 2012er Rosé Altitudes vom “State of the Art” Weingut Ixsir ist eine Blend aus Syrah und der dunklen Caladoc, einer Neuzüchtung aus Grenache und Malbec, die an der Rhône angebaut wird . Ein technisch perfekt umgesetzter Wein, aber nicht langweilig oder clean. Sauber, himbeerfruchtig, trocken und mit einer an die Provence erinnernden Kräuternote. Ein leckerer Stoff und eine Referenz für einen ansprechenden Rosé mit provencalischer Klasse. Selbstredend schmeckt so etwas vor Ort noch besser.

Der 2011 Ruby ist ein für uns ungewöhnliche Blend aus Cabernet Sauvignon/Cabernet Franc/Merlot und Syrah von der Batroun Mountain Winery, die 2004 gegründet wurde.

Im Libanon sind diese „Funblends“ nicht ungewöhnlich. Der in Kalifornien ausgebildete Besitzer des Weingutes Batroun Mountain, Assad Hark, setzt zusammen mit seiner Frau Kathy auf besonders hochgelegene Weinberge bis zu 1500 Meter über dem Meeresspiegel. Ein extremes Unterfangen. Der Ruby ist ein fleischiger, kraftvoller Rotwein mit einer gewichtigen orientalischen Nase, die an Olive, Pflaume und Feige erinnert und dabei knackige Gerbstoffe hat. Keine Trinkmarmelade und in dieser Preisliga ein klasse Wert. In gewisser Weise ist das die libanesische Antwort auf Côtes-du-Rhône mit einem völlig anderen Rebsortenprofil.

Ich bin gespannt auf Eure Kommentare. Haut in die Tasten.

Euer Hendrik

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Kommentare

4 Kommentare zu “Folge 94 : Rose-ter Libanese

  1. Hallo, Hendrik, vielleicht warst Du selbst auch in Essen bei der Libanon-Weinprobe im Restaurant Arabesque? Hab darüber beim Weindeuter gelesen, klingt nach mehr. 😉

    Den Wein vom Chateau St. Thomas hattest Du ja bereits auf Deiner FB-Seite gezeigt.

    [http://weindeuter.blogspot.de/2012/12/groe-libanonprobe-weinkonige-aus-dem.html]

  2. Hallo Hendrik,
    endlich mal wirkliche Alte Welt-Weine. Ein Superweinerlebnis für mich war der Chateau Musar, vom gleichnamigen Weingut aus dem Bekaa Valley. Ist zwar nach Bordeaux-Art gemacht , aber eine ganz untypische Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Syrah, Carignan und Cinsault.Fände es aber schade, wenn libanesische Winzer sich auch nur an den Weltgeschmack anpassen würden. Nicht nur das die libanesische Küche eine der besten der Welt ist, sie hat auch die passenden Weine dazu aus dem eigenen Land. Ich geniesse dieses stundenlange Essen von ständig neuen auf dem Tisch erscheinenden Gerichten so oft wie mögich. Gleichmacherei ist der falsche Weg. Hoffe es kommen im zweiten Teil auch Weine aus einheimischen Rebsorten, wie Obaideh und Merwah. Bring doch auch mal etwas über die Küche des Landes. Normalerweise ißt man in dieser Region, wie auch in Griechenland und Zypern, immer etwas zum Wein.

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