Wein am Limit - Hendrik Thoma
26.07.2013 - Folge 124

Big Terroir

Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2012 Château Marjosse
Entre-deux-Mers,
Soulfaktor 3
10-20 Eur
2010 Château Troplong-Mondot
Grand Cru Classé B, St. Emilion
Soulfaktor 6
10-20 Eur

Liebe WaLinauten,

meine letzte Folge der Trilogie aus Bordeaux kommt von einem Weingut, das ich mit dem totgesagten Jahrgang 1992 kennengelernt habe. Ein für den schwachen Jahrgang sensationeller Wein, der wahrscheinlich immer noch viel Freude macht. Das letzte Mal habe ich ihn vor 5 Jahren in sehr guter Verfassung getrunken. Château Troplong-Mondot hat seine 33 Hektar Weinberge, die sich auf der berühmten Côte Pavie nordöstlich an das Kalkplateau von St. Emilion anschließen. Hier sind einige der klangvollsten Weine vom rechten Ufer der Garonne zu Hause. Troplong-Mondot ist 2006 als Premier Grand Cru Classé B ausgezeichnet worden und damit unter den Top 20 angelangt. Zu Recht, wie ich finde. Diese Klassifikation wird ca. alle 10 Jahre u.a. von den Winzern selbst erneuert. Im Gegensatz zu der des Médocs, die seit 1855 nur einmal zugunsten von Château Mouton-Rothschild (vom 2. zum 1. Gewächs) geändert wurde. Deswegen ist sie auch ein ständiges Politikum und 2006er Klassifkation wurde nach einem Rechtsstreit erst 2007 verbindlich bestätigt.

Normalerweise sind in dieser Gegend die Weingüter klein und bäuerlich im Gegensatz zu den aristokratischen Gewächsen des Médocs. Der Atlantik ist 1,5 Autostunden entfernt, der Boden aus Kalkfels oder Lehm und die Hauptrebsorte Merlot mit etwas Cabernet Franc. Es ist hier wärmer als am Atlantik und der Charakter der Weine ist voller und samtiger.

Gemeinsam mit Xavier Pariente, dem Ehemann der Besitzerin Christine Valette, deren Familie das Weingut seit 1936 gehört, verkoste ich zwei Weine wie sie unterschiedlicher nicht sein können.

Zuerst den wunderbar duftig-frischen Château Marjosse, ein Entre-deux-Mers, der aus 50% Sauvignon Blanc, 40% Semillon und 10% Musacadelle besteht. Ein phantastischer Wert zu diesem Preis – warum kannte ich den nicht? Ein Schwall von Jalapeno, Stachelbeere und exotischen Früchten wie Lychees, vermischt mit Mineralien, trifft auf die Nase. Am Gaumen ist der Marjosse erfrischend, pur und klar. Ein perfekter Wein zu Fisch, Muscheln oder einfach nur als Aperitif.

Aufgrund der aromatischen Präzision merkt man, dass hinter diesem Wein ein weitgereister Mensch mit sicherem Geschmack steht. In diesem Fall ist es Pierre Lurton, der Weinmacher bzw. Regisseur von den berühmten Château Cheval-Blanc und Yquem, dem Château Marjosse gehört.

Der 2010 Troplong-Mondot ist eine Blend aus 83% Merlot, 14% Cabernet Sauvignon (dem höchsten Anteil seit Bestehen) und 3% Cabernet Franc. Der Wein hat 15,5 Volt und wer meinen Geschmack kennt, der weiß, dass ich normalerweise kein Fan von solchen portweinartigen Granaten bin. Doch hier ist alles harmonisch am Platz und perfekt eingebunden. Der wunderbare Duft von Cassis, Lakritz und dunklen Beeren ist kombiniert mit einem noblen Holzduft. Am Gaumen schmeckt er schokoladig, espressoartig und bleibt unfassbar lange auf der Zunge kleben. Die feine Säure und die reifen, aber knackigen Gerbstoffe balancieren den intensiven Geschmack. Ein Monument und ein noch sehr jugendlicher Wein. Er bekommt von mir die volle Punktzahl und etwas Kühle beim Servieren (16° C) tut ihm in diesem noch sehr jugendlichen Stadium sehr gut. Besser kann man Wein nicht auf die Flasche bringen. Der 2010 Troplong-Mondot ist für Weintrinker, die potente Kraftprotze mögen, aber auch ein hedonistisches, massives Festival für die Sinne. Für diejenigen, die es zulassen.

Genießt den Sommer,

Euer Hendrik

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Kommentare

8 Kommentare zu “Folge 124 : Big Terroir

  1. Was ist denn los? Alle vom Hitzschlag getroffen oder was? Das Video gefällt mir gut und man merkt eine große Gemeinsamkeit der Deutschen und Franzosen. Das karolingische Verstümmeln des “th”. Wenn mir der Entre Deux Mers über den Weg läuf, werde ich ihn garantiert probieren. Beim Roten bin ich eher Burgundertrinker, probiere aber schon immer wieder Bordeaux bis 35,– Euro. Übrigens danke für den Tipp mit Weingut Meierer. Probiere grad den halbtrockenen Gutsriesling gut gekühlt. Einfach Klasse. Salut aus Wien

  2. das soll KEIN meckern sein, aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass es eine umgekehrt proportionale Korrelation zwischen den Preisen der hier vorgestellten Tropfen und der Anzahl der Posts gibt.
    Bei den teuren Weinen können einfach nicht so viele Leute mitreden.

    1. Das mit den Preisen finde ich auch. Irgendwo muß jeder sein persönliches Limit setzen. Bei mir sind das halt die 35,– EUR alle paar Monate. Habe vor kurzer Zeit mit einem bekannten Rheingauwinzer gesprochen und anscheinend ist auch für die Weinmacher der Absatz der einfacheren Weine entscheidend.

  3. Château Troplong Mondot 2010 bekommt von René Gabriel (17/20 Punkte)
    Sein Urteil klingt trotz der hohen Punktzahl schon mehr als deutlich nach Missfallen den der Wein bei ihm erregte:
    [http://www.weinemotionen.de/Frankreich/Bordeaux—St–Emilion/Chateau-Troplong-Mondot/-Ch-teau-Troplong-Mondot–Grand-Cru-Class–2010-0-75-L-St—milion–Bordeaux-.html]
    “Hier ist die avantgardistische Kellertechnik völlig im Vordergrund und dominiert diesen Troplong-Mondot 2010 in dramatischer Weise. Eine Karikatur seiner selbst!”

    Mag ja sein, dass das auch nur eine Momentaufnahme ist, bei solchen stark abweichenden, gegensätzlichen Expertenmeinungen bleibe ich eher zurückhaltend wenn es um den Kauf geht.

  4. Im obigen Text schreibst du von André Lurton. Es ist aber Pierre Lurton, wie auch im Video erwähnt… (Hab mir die Ahnentafel der Lurtons mal angeaschaut http://lurton.com/ )

    Wenig Comments? Tja, Sommerferien überall, englisches Interview schreckt auch einige ab und dann noch mit fanz. Akzent. Irgendwie kommen die beiden Weine auch etwas zu kurz im Video.
    Gefühlt mehr über den 92er als über den vorliegenden.

    Just my 2 Cents.

    Gruß Axel

  5. Eine der wenigen Folgen wo ich nach 8 Minuten ausgemacht habe. Dieses dauerhafte “oustanding” und “terroir” Gerede von deinem Gast ging gar nicht, Hendrik. So etwas ich für mich völlig Luft-leeres Gerede voller Worthülsen und Phrasen. Lange geredet, fast keine brauchbaren Informationen herübergebracht. Sorry, sowas kann ich gar nicht haben.

    1. Moin, Nico! Muss wohl an mir liegen, ich lese auch eine Tageszeitung oder sonstiges Druckerzeugnis dessen Aufbau ich kenne nicht chronologisch von der ersten zur letzten Seite sondern springe sofort zu den Stellen an denen ich von mir gesuchte Inhalte finde. Hier bei WaL sind das die in der Grafik gezeigten „technischen Daten“ und die Weinbeschreibung. Das Video interessiert mich dann meistens nur noch wenn das als Opener genutzte Standbild aus dem Video mich anspricht. Es ist wie am Zeitschriftenkiosk, entweder spricht mich das Cover an oder nicht – hier sprach es zu mir – nicht anklicken, bringt nichts.
      Hendrik hat sicher auch die Zugriffszahlen zu seinen Videos. Ich behaupte, es gibt einen Zusammenhang zwischen Qualität des Standbildes als Aufmacher und der Höhe der Zugriffszahlen. Ist aber auch egal, ich glaube auch nur den Statistiken die ich selbst gefälscht habe. 😉

      Tja, ansonsten hast Du schon in Deinem Blog einen lustigen Link zum Phänomen immer wiederkehrender Phrasen gezeigt.
      [http://hundertachtziggrad.blogspot.de/2013/04/weinrallye-62-5-die-grenze-des-guten.html]

      Das ist immer und überall so, nur manchmal fällt es durch besondere Häufung der Phrasen eben besonders auf.

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