Wein am Limit - Hendrik Thoma
23.02.2014 - Folge 159

Canadian Explorer Pearl Morissette

Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2011 Riesling „Cuvée Black Ball“
Pearl Morissette, VQA Twenty Mile Bench, Niagara
Soulfaktor 4
10-20 Eur
2011 Cabernet Franc „Cuvée Madeline“
Pearl Morissette, VQA Twenty Mile Bench, Niagara
Soulfaktor 5
10-20 Eur

Liebe Walinauten,

Kanada als Weinland haben wohl die wenigsten auf dem Radarschirm. Allenfalls Eiswein und ein paar bekannte Konzerne sind hierzulande zu bekommen.

Dabei hat sich in den letzten Jahren viel getan und auch die Weinkultur hat sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Vieles was ich in der Vergangenheit verkostet habe, war zwar interessant, aber nicht in einer Qualität, daß man es zwingend über der Ozean verschiffen muss.

Seit meiner Bekanntschaft mit dem Frankokanadier Francois Morissette vor einigen Tagen, denke ich anders darüber. Das muss man einmal probiert haben! Francois bringt Weine mit einem enormen „Wowfaktor“ auf die Flasche. Seine Weißen, wie Roten sind von einer großartigen und vor allem eigenständigen Qualität. Der Mann ist ein talentierter scharfsinniger „Vigneron“, und auch unbequemer Geist, wenn es gilt sich mit dem in Kanada herrschenden Staatsmonopol für Alkohol auseinander zu setzten..

Er hat neun Jahre auf der berühmten Burgunderdomaine JACQUES-FRÉDÉRIC MUGNIER, CHÂTEAU DE CHAMBOLLE-MUSIGNY gearbeitet. Seine Liebe zum Wein stammt aus seiner Arbeit als Sommelier, bei der er einige der innovativsten Weinkarten des Landes etablierte. Gleichzeitig ist er verantwortlich für ein kleines Weingut in Sonoma, auf dessen Weine wir noch etwas warten müssen. Ein 100% weinbesessener und sympathischer Zeitgenosse.

Er arbeitet bewusst sehr dosiert im Umgang mit Holzfässern und hat in seinem Keller große Fuderfässer und Betonbehälter. In seiner naturnahen Arbeit stellt er den Charakter des Weines ohne zuviel „ChiChi“ in den Vordergrund. Minierträge und viel Handarbeit sind die Essenz für sehr limitierte Weine, die den Stempel ihrer Herkunft tragen, auch wenn sie in kein bekanntes Raster passen. Das gilt insbesondere für den 2011er Riesling, der eine herrliche Spannung im Glas bietet. Obwohl der Stoff im Faß vergoren wurde, lässt sich dieser Duft nur erahnen. Ein Wein, der Luft und Temperatur braucht um seine Steinobst-, Zitrus-, Nuß- und Kräuteraromen im Glas zu entfalten. Im Geschmack ist er gnadenlos trocken und wird gut abgepuffert von einem feinen Schmelz. Natürlich hat er die prägnante Rieslingsäure. Geschmacklich befinde ich mich irgendwie an der Nahe wieder (Schlossgut Diel, Dönnhoff). Aber letzteres ist ein sehr subjektiver Gedanke.

Der Cabernet Franc ist eine Sensation und ein feiner eleganter Rotwein, der dieser Rebsorte alle Ehre macht und in gewisser Weise sogar eine Referenz ist. Würzig, pfeffrig aber auch mit einer delikaten Frucht ausgestattet. Diese erinnert an Pflaume und reife Kirschen. Im Geschmack hat er viel Substanz und reife -aber feste- Gerbstoffe. Zweifellos wird dieser Stoff gut reifen können.

Ich danke Francois, dass er auf seiner Europa Tournee im WAL HQ vorbei geschaut hat. Insbesondere an Peter Müller, den Chef Sommelier vom Schlosshotel Lerbach, der mich an diese neue Bewusstseinserweiterung heran geführt hat.

Geschmack beginnt dort, wo die persönliche Komfortzone aufhört. Auch wenn der ein oder andere meint, schon alles getrunken zu haben.

Deswegen: „In taste we trust“ oder einfach mehr Spaß im Glas,

Euer
Hendrik

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Kommentare

18 Kommentare zu “Folge 159 : Canadian Explorer Pearl Morissette

  1. “Geschmack beginnt dort, wo die persönliche Komfortzone aufhört. Auch wenn der ein oder andere meint, schon alles getrunken zu haben.”

    Die beiden Sätze sind widersprüchlich. Wenn die persönliche Komfortzone aufhört, dann muss ich den verkosteten Wein ausspucken um die Alkoholwirkung zu vermeiden und bei klarem Verstand vergleichen zu können. Im zweiten Satz ist von “getrunken” die Rede. Trinken heißt runterschlucken und nicht ausspucken und auch die Alkoholwirkung zu erfahren.
    Lieber esse ich etwas zum Wein um die Alkoholwirkung abzupuffern als ihn auszuspucken. Wer spuckt den Wein aus? Bitte um Antworten – lerne gerne dazu, wirklich. 🙂

      1. Ach, Hendrik, um Wahrnehmung Deines Textes scheint es mir hier weniger zu gehen, eher um Begriffsklarheit.
        Der Duden kennt das Wort nicht: „Leider haben wir zu Ihrer Suche nach ‘Komfortzone’ keine Treffer gefunden.“

        Modeworte, Wortneuschöpfungen aus der Welt der Werbung wie „Komfortzone“ sind schwammig, vieldeutig. Wer Wein-Blogs liest und auch dort gefundene Tipps befolgt, der hat seine „Komfortzone“ schon längst verlassen. Wäre er nicht bereit sich auf Neues einzulassen, dann verharrte er in seiner Bequemlichkeit, wäre gar nicht an Horizonterweiterung interessiert.

        „Geschmack beginnt dort, wo die persönliche Komfortzone aufhört.“ – Was soll das bedeuten? Letztlich läuft doch alles auf schmeckt mir oder schmeckt mir nicht heraus. Wenn Aufgeschlossenheit und Neugier vorhanden sind kann der zunächst ungewohnte und unangenehme Geschmack im Laufe zunehmender Erfahrung und einer Vielzahl von Vergleichen vielleicht doch eher einsortiert, geschätzt und sogar wertgeschätzt werden. Diese Bereitschaft sich auf so einen Lernprozess einzulassen ist sicherlich unbequem und liegt außerhalb der „Komfortzone“. Um effizient Wissen zu gewinnen muss ich den Mut haben mich meines Verstandes zu bedienen, Alkohol muss zugunsten des wachen Verstandes leider draußen bleiben – das war meine Schlussfolgerung und meiner Ansicht nach konsequente Anwendung Deines zitierten Satzes.

  2. Sehr spannende Folge mit tollen Gästen. Kanadische Weine habe ich noch nicht probiert, werde ich aber Anfang März nachholen wenn ich vor Ort bin. Wäre dankbar für ein paar Tipps! Francois Morissette kommt schonmal auf die Liste.
    Grüße von der Saar und weiter so…..

      1. Danke Rainer, hatte ich bereits auf dem Schirm, da ich die Sendung “Weinwunder Deutschland” verfolge, habe aber noch ein paar Anregungen für Kanada gefunden.

    1. Schau dir die definitiv Prince Edward an. Sehr spannende Pinots & auch viel Cabernet Franc. Mein favorite “Norman Hardie”, aber auch viele andere.

  3. Sehr schöne und horizonterweiternde Folge. Leider sind die in Deutschland erhältlichen kanadischen Weine alles andere als interessant – aber es gibt ja einiges an spannenden amerikanische Weinen von der Sonoma Coast und der Central Coast die hier erhältlich sind.
    Und dieses Wochenende hatte ich mit einem europäischen Wein ein sehr eindrucksvolles Erlebnis, weit außerhalb meiner bisherigen Drinkerfahrung und “Komfortzone”: 2011 Poulsard Arbois Pupillin von Pierre Overnoy
    So etwas ungewöhnliches und auf seine Art eindrucksvolles habe ich auch von ganz ganz weit weg noch nie getrunken 😉

  4. Versteht mich bitte nicht falsch, ich kenne weder den Winzer noch den Wein und meine Frage soll daher nicht missverstanden werden bzw. soll und kann kein Urteil sein, aber:

    Warum soll ich mir einen kanadischen Wein für 30-40 Euro holen?

    Mir ist bewusst, dass das durchaus provokant klingt und ggf. bei dem ein oder anderen nicht gut ankommt. Daher nochmal der Hinweis, dass das nicht negativ gemeint ist. Es ist auch nicht unbedingt eine Sache des Preises, aber auf die Frage brauche ich eine Antwort, da ich sie für die Kernfrage der Folge halte. Auf die Frage gäbe es für mich nur eine akzeptable Antwort. Mal sehen ob die jemand hat?

    1. Hallo Messias,
      meine Gegenfrage wäre warum soll ich 30-40 € für einen enttäuschenden Italiener, Deutsche oder Franzosen ausgeben? So etwas gibt es ja immer wieder. Ich finde -und ich habe es im Text bereits geschrieben- dass nicht jeder beliebige Wein um die Welt geschifft werden muss. Bei Pearl Morissette lohnt sich aber der Einsatz und man muss sich frei von dem Gedanken machen, was man meint über Kanadische Weine bereits zu wissen. Ich sage eindeutig klasse Weine. Warum nicht auch aus Kanada? Viele Grüße, Hendrik PS: Lies doch mal den weiterführenden Link vom Wineanorak

      1. Hallo Hendrik,
        danke für die Antwort. Also zur Gegenfrage “warum soll ich 30-40 € für einen enttäuschenden Italiener, Deutsche oder Franzosen ausgeben?” antworte ich, dass ich das erstens dank deiner Hilfe gar nicht mache ;-), das aber zweitens keine Antwort auf die aufgeworfene Frage sein kann. Die weitere Ausführung geht schon eher in die Richtung, welche ich erfofft habe. Ich gebe Dir da in fast allen Dingen recht, aber es hat eben schon wieder den Charakter der Rechtfertigung (für den Preis, den Wein, die lange Reise?), sodass ich noch nicht überzeugt wurde.
        Ich will das ganze auch nicht an den Preis koppeln, wobei die Frage “Warum gestehe ich einem Wein der “neuen Welt” keinen Preis der “alten Welt” zu?” auch spannend ist.
        Viele Grüße und einen schönen Abend. PS: Den Link schaue ich mir gerne an und treuer Fan der ersten Stunde bleibe ich ja auch 🙂

    2. Ja sicher muss man nicht alles um die Welt schiffen aber darum finde ich dieses Format so toll. Klar muss jeder selber wissen wieviel er für einen guten Wein ausgeben will, letztendlich bleibt es ja Geschmackssache. Die hier vorgestellten Weine lohnen immer ein Tasting und ich bin bis jetzt nie enttäuscht worden. Sind auch für mich keine Weine für jeden Tag aber man solltes alles probieren um sich eine Meinung bilden zu können.

      1. Hi, Messias, ob ich nun einen Wein aus Rheinhessen oder aus Neuseeland vor der Nase habe, der mich interessiert, ist mir herzlich egal. Interessanter ist für mich die Frage, welche Story damit verknüpft ist. Wer die Story erzählt, wie sie erzählt wird und was ich über den Winzer im Netz sehe und höre. Sowohl der Wein aus D als auch der Wein aus NZ oder CA usw. sind Wundertüten für mich, ich weiß nicht wie sie mir schmecken werden, wenn ich das Risiko schon eingehe, dann will ich wenigstens ein bisschen Spaß an der „Animation“, der Story, dem ganzen Gedöns drum herum haben.

        Diese Chance mich neugierig zu machen bekommt jeder Wein genau 1x, entweder seine Story hat mich erwischt oder sie lässt mich zögern und dann doch nicht zuschnappen. Manche Geschichte bleibt auch zunächst nur im Hinterkopf und wird dann später in eine Bestellung umgesetzt. Spontan bestellen werde ich, was mich nicht nur „anmacht“ sondern mich mit seiner Story umhaut – um es mal platt auszudrücken. Passiert irgendwann natürlich immer seltener, das ist wie das Aussuchen eines Kinofilms, jeder hat eigene Vorlieben, jeder Jeck ist anders. 😉

  5. Interessante Folge. Bisher kannte ich nur die Chardonnays aus Niagara, die wirklich Klasse haben können. Obschon ich meine Kindheit in Ontario verbracht habe, habe ich keine wirkliche Verbindung zu dieser Region. Sie zählt für mich zum absoluten Rand der Weinanbaugebiete. Auch scheint wieder die Art und Methodik (hier traditionell und ohne technische/bio-chemische Eingriffe, bis auf SO2) der Weinbereitung entscheidend für die geschmackliche Stilistik der vorgestellten Weine. Übrigens kenne ich getrocknete Tomaten Aromatik nur aus Rotweinen, die unzureichend geschwefelt wurden…eher unangenehme Empfindung…
    Dennoch, Cab Franc kann reinsortig sehr interessante und vor allem eigenständige Weine hervorbringen, sehr gute Essensbegleiter, wenn sie nicht zu dunkel und blautönig sind. Die Loire macht uns das beispielhaft vor. Auch ein kürzlich verkosteter Wein, der absolut vom Rande des Weinmarkts kommt und mich sehr an Cab Franc erinnerte, ist die autochthone Rebsorte Troussou aus dem Jura, hier als 2012er von Tissot eine absolute Empfehlung für neugirige Komfortzonenverlasser! 😉

  6. Hallo Hendrik,
    ich fürchte zwar, dass dies hier keiner mehr lesen wird aber egal.
    Heute Abend habe ich die erste Falsche Cab Franc von Pearl Morissette genossen (schön das Ihr die im Programm habt).
    Was soll ich sagen, ich liebe guten Cab Franc (bin u.a. ein großer Fan von Clos Rougeard) und der 2010 Pearl Morissette ist großartig. Gehört jetzt schon zu den persönlichen Top 10 in 2014… werde ich wohl etwas nachbestellen.
    Vielen Dank für diesen tollen Wein.
    Cheers p-no

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