Wein am Limit - Hendrik Thoma
04.05.2014 - Folge 172

Christian Tschida und sein "Himmel auf Erden"

Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne

,
Soulfaktor
Details
2011 Kapitel I
Christian Tschida -Illmitz, Neusiedlersee
Soulfaktor 4
20-30 EurDetails

Liebe WALinauten,
Christian Tschida aus Illmitz von der Ostseite des Neusiedlersees ist ein Philosoph und begnadeter Handwerker zugleich. Ein Purist und ein lebensfroher Mensch. Seine Weine findet man auf den Weinkarten der besten Restaurants der Welt, wie z.B. dem Noma in Kopenhagen, oder dem Vendôme in Bergisch-Gladbach.

Dabei sind seine Weine keine effektvoll „gemachten“ Gewächse, sondern wunderbar entschleunigte Tropfen, die pur und klar schmecken. Die Grundlage bilden alte Reben, die im Schnitt 50 Jahre alt sind. Diese werden von Christian und seinem Vater in einem ausgeklügelten System biologisch bewirtschaftet.

Auch im Keller ist Christian ein Minimalist aber auch Traditionalist. Jeden Handgriff, alles, macht er gemeinsam mit seinem Vater selbst. Er würde gerne, aber er hat bis jetzt niemanden gefunden, der seinen Ansprüchen gerecht wird, geschweige denn jemanden, der sich für diese harte Arbeit begeistern kann. Die Weine lagern so lange in großen Fässern, bis Christian sie für so gut befindet, dass sie auf die Flasche gezogen werden können. Die Weine sind ungeschönt und unfiltriert. Kurz vor der Abfüllung werden sie gering geschwefelt. Es wird nur das Nötigste getan, das aber zur richtigen Zeit. So entstehen kleine Meisterwerke, wie z.B. der „Himmel auf Erden“ der keine Anmaßung sein soll, sondern nach einer Radierung des österreichischen Malers und Freund des Hauses Alfred Hrdlicka benannt ist.

Diese Blend aus 40 Jahre alten Scheu- und Weissburgunderreben hat mit der häufig anzutreffenden Bonbon-, Cassis- oder Maracuja-Aromatik der rheinhessischen Neuzüchtung nichts zu tun. Sie lässt sich vielleicht noch erahnen, da der „Himmel auf Erden“ auch über eine fruchtige Pfirsichkomponente verfügt, letztlich doch eine viel ruhigere Ausstrahlung als die üblichen Vertreter hat. Typisch für Christians Weine ist der geringere Alkohol, bei einer angenehmen nicht überbordenden Konzentration. Vitalität, Finesse und Rasse. Das ist das Markenzeichen dieser eigenständigen Kategorie.

Der „Laissez faire“ ist ein Weißburgunder bei dem er einfach „laufen lässt“. Bei diesem Stoff passiert im Keller so gut wie gar nichts und das Ergebnis ist ein dekadent, köstlich schmeckender Wein. Er hat eine luftige, transparente Frische und deutliche Mineralität. Das Aroma erinnert an Steinobst und Kräuter was von einer feinen, sanften Säure getragen wird. Ein Wein für die Karaffe, der am besten bei 10-12 ° Celsius zu trinken ist. Zu dem am Vorabend im Restaurant Punker www.restaurant-punker.de in Hamburg servierten pochierten Lachs mit Morchelrahm war er ein absoluter Genuss. Der „Laissez faire“ begleitet ein Essen und dominiert es nicht.

Die Rotweine von Christian sind eine Klasse für sich und er gewährt ihnen eine längere Maischestandzeit als üblich. Der Name Kapitel I bezieht sich auf die Lage. Einst gehörte dieser Grund der Kirche. Das 2011er Kapitel I ist eine Blend aus dem fruchtbetonten Zweigelt und dem würzigen Cabernet Franc. Dieses wärmere Jahr ist Christian sehr gut gelungen, denn er hat die Frische in den Trauben erhalten. Dafür wurden die Trauben Nachts gelesen, wenn es deutlich kälter ist, um die für ihn essentielle Säure zu erhalten. Ein würziger, saftiger Rotwein mit reifen und spürbaren Gerbstoffen. Ein Essensbegleiter und kein Verkostungswein. So soll es sein.

Christians Weine sind nicht für weichgespülte Gaumen, sondern für Menschen die ihren Geschmackshorizont erweitern wollen und einfach einen guten Wein genießen wollen.

„In taste we trust“.

Euer
Hendrik

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Kommentare

9 Kommentare zu “Folge 172 : Christian Tschida und sein “Himmel auf Erden”

    1. Gut aufgepasst lieber Elmar. Er ist zwar ein Grenzgänger mit knapp 5 Soulpunkten, aber wir wollen bei der Wahrheit bleiben. Viele Grüße und besten Dank, Hendrik

  1. Eine schöne Folge,
    ich hätte euch sogar noch länger zugehört. Der Trend zur kürzeren Folge ist nicht meiner.

    1. Hallo,

      ich hätte auch noch länger zuhören können, so Hintergrundwissen, warum udn wieso der Wein so ist wie er ist und das aus erster Hand finde ich super interessant.

  2. Tolle philosophische Runde! Allein das Zuhören hat Spaß gemacht, jetzt muss ich mir wohl bei nächster Gelegenheit auch mal das ein oder andere Gläschen vom Tschida gönnen 😉

  3. Tschad ist ein witziger Kerl. Habe mir seine Weine mal auf meine Merkliste geschrieben. Müsste mal nachfragen, wie es mit dem Versand nach Luxusburg steht??

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