Wein am Limit - Hendrik Thoma
14.03.2015 - Folge 208

Alles Asche!

Weine im Video

Name des Weines Soulfaktor Preisspanne
2014 Malvasia Volcanico Secco
Los Bermejos, Lanzarote
Soulfaktor 3.5
10-20 Eur

Die Vulkaninsel Lanzarote –im Atlantik vor der nordwestafrikanischen Küste gelegen- ist bekannt als Destination für Sonnenhungrige, Sportler und Surfer. Von den Weinen hat man bisher wenig gehört.

Doch die allgemeine Qualität der Gewächse ist weitaus besser, als sie nur als belanglose Urlaubsweine abzustempeln. Die Bedingungen für den Weinbau sind krass und am Limit der Möglichkeiten.

Heute ist meine Partnerin, Freundin und Mitglied des Wein am Limit Teams Bianca Maria Ganson mit von der Partie. Sie kennt das Terroir bereits seit einigen Jahren und die wenigen Bodegas die es vor allem im Süden der Insel um den Ort ,La Geria’ gibt. Hier gab es um 1730 sechs Jahre lang intensive vulkanische Aktivitäten die diesen Teil von Lanzarote buchstäblich in , Schutt und Asche’ gelegt haben.

Die Böden aus vulkanischer Asche, das trockene, heiße Klima und die extremen Winde haben die Winzer erfinderisch werden lassen. Die teilweise wurzelechten Reben aus der einheimischen Listan (Weiß und Rot) und den Mittelmeertrauben Malvasía und Moscatel erhalten ihre Bewässerung durch die Feuchtigkeit, die sich in der porösen Bodenformation, den Lapilli oder Picón, nachts sammelt. Denn auf Lanzarote regnet es nur wenig, eigentlich nur von Januar bis März.

Um die Reben vor den heißen Wüsten- und kalten Passatwinden vor dem Austrocknen zu schützen, werden sie in 2-3 Meter tiefe Gruben gepflanzt und zusätzlich von einer Mauer aus Vulkansteinen nach Norden hin geschützt. Gleichzeitig speichern die Lapilli-Schicht Wärme und Feuchtigkeit zugleich. Ein bizarres Unterfangen, um dem Boden einen charaktervollen Wein abzuringen.

Angetan hat es uns der trockene Malvasía von der Bodega Los Bermejos, mit seinem zitrusartigen, kräutrigen Bukett. Er schmeckt gehaltvoll, aber nicht plump oder schwer trotz seiner 13 Volt. Besonders reizvoll ist sein rauchiger Duft und eine feine Balance. Die knackige Säure gibt ihm seine frische, saftige Art. Ein geradliniger nicht besonders aromatischer Wein, der wunderbar pur und kristallin im Glas rüberkommt. Das passt hervorragend zu der einheimischen kanarischen Küche die in erster Linie aus Ziegenkäse und natürlich feinsten Meeresfrüchten besteht.

Die Entwicklung, die es in den letzen Jahren im Weinbau auf den Kanaren gegeben hat ist beachtlich und dürfte nicht jedem bewusst sein. Früher waren das raubeinige Tropfen oder Süße, die vor Ort halbwegs geschmeckt haben, heute gibt sich die Szene dynamisch. Ich empfinde das als Bereicherung für meinen Horizont und bedanke mich bei meiner Freundin Bianca für diese tolle Entdeckung.

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Kommentare

11 Kommentare zu “Folge 208 – Alles Asche

  1. Ich versuche schon immer, die Urlaube auch damit zu bereichern, daß ich vor Ort die regionalen Weine teste und in vielen Fällen auch mitbringe. Zuletzt waren das
    das Burgenland (z.B. Weninger), Ungarn (teils sehr schöne Furmints und Juhfarks aus dem Somloi-Gebiet), Bodensee (Kress und Aufricht), Trentino und Südtirol (zu viele zum Aufzählen), Australien (was ich halt ins Gepäck noch reinbekommen habe), Mallorca (dito). Nur aus Tanzania habe ich nichts mitgebracht, ich habe zwar einen Wein gefunden, der von einer katholischen Mission in Morogoro kultiviert wird und für 7.000 TSh (damals ca. 5 EUR) zu haben war, aber das war bestenfalls als Kuriosum gut.

  2. Wir waren vor einigen Jahren auch auf Lanzarote und hatten auch tolle Weine von dort auf dem Tisch. Ja Urlaubsweine mit nach Hause nehmen ist so ne Sache…..
    Das schöne daran war, dass wir dort auch die Weine Vom Torres (zwar nicht auf den Kanaren beheimatet aber trotzdem gut) gestoßen sind welche bis heute ein fester Bestandteil unseres Weinregals geworden sind.
    Viele Grüße und noch einen schönen Urlaub!

  3. Ich war vor etwa 20 Jahren “vor meiner Weinkarriere” mal auf Lanzarote. Damals haben mich diese Krater mit je einem Weinstock drin schon sher beeindruckt.
    Bianca machst sich gut als Moderatorin 🙂

    Kann es sein , dass du Hendrik in dem Video schon etwas unter dem Einfluss des geistigen Getränkes gestanden hast? Recht locker, teils mehr als locker 😉 Gesichtsfarbe 😉 😉 😉
    Weiter so!

  4. Hallo Hendrik, schöner entspannter Beitrag aus Lanzarote. Nur die Gläser….Erinnere mich an Deinen Beitrag, als Du den Rose von Fondreche am Pool degustiert hast und Du Dich über das “scheiß” Glas beschwert hast. Wir nehmen mittlerweile fast immer vernünftige Gläser mit in den Urlaub. Sehr nett auch mal mehr von Deiner Partnerin zu erfahren. Viele Grüße Ralf

  5. War anscheinend ein schöner Kurzurlaub. Freut mich für Euch.
    Den “ausländischen” Urlaubswein trinken wir eigentlich immer vor Ort, obwohl wir in unserem Wohnmobil für ne Kiste immer genügend Platz hätten. Schmeckt vor Ort einfach am besten.

    Danke für die Vorstellung des Weinguts Danner. Liegt keine 20 Minuten von mir entfernt. Kannte ihn noch nicht. Wird sich aber ändern..
    Warum dann einen Urlaubswein wenn das gute so nah ist 🙂

    Gruß Flo

  6. Hallo Hendrik,
    scheint ein entspannter Urlaub gewesen zu sein.
    Zur Frage “Urlaubsweine”:
    Mein letzter Urlaub war in Beaune, gutes Essen (La Lune, Bistro d l’hotel, Ma Cuisine,…), gute Weine (Denis Mortet, Pierre Naigeon, Jean Fournier, Sylvain Pataille,….), ziemlich voller Kofferraum und ziemlich pleite auf dem Heimweg.
    Nicht ganz so überraschend schmecken diese “Urlaubsweine” auch zuhause ganz gut 😉 .

  7. Wir fahren schon seit 1997 regelmässig alle 2-3 Jahre nach Lanzarote. Ich muss sagen, dass sich die Qualität der Weine über die letzten Jahre stark gesteigert hat. War vor 15 Jahren noch El Grifo das Maß aller Dinge traten in den letzten 10 Jahren dann Bodegas wie Stratvs oder Los Bermejos (oftmals mit massiven EU Subventionen gefördert) mit tollen Weinen ins Rampenlicht. Das kann man dann auch am Preisniveau ablesen, vor 15 Jahren hat man im trockenen Weißweinbereich kaum Weine in der Preisklasse von 15 Euro gefunden (weil es halt auch wenige Weine gab, die diesen Preis rechtfertigten), heute ist das gar nicht mehr so selten. Wenn wir heutzutage nach Lanzarote reisen (das nächste Mal Ende September 2015) stehen die Weine aus Lanzarote fest auf dem Programm, früher sind wir da eher auf importierte Weine aus dem spanischen Festland ausgewichen – halt mangels wirklich guter Qualitäten.

    @Hendrik: Es freut mich, dass Di etwas neues entdecken konntest – das ist ja immer das besondere an solchen Urlauben in fremden Ländern. Man muss sich nur darauf einlassen. Aber mitnehmen würde ich Weine aus dem Urlaub eher nicht, die Enttäuschung ist oftmals groß, wenn das Urlaubsfeeling und Ambiente fehlt und der Wein auf einmal blass wirkt.

    Ein Tipp für alle Urlauber, welche sich Abseits des Tourismus die Insel anschauen möchten: Sucht euch eine Unterkunft abseits der Touristenhochburgen. Uns zieht es z.B. immer wieder in das kleine Fischerdorf Punta de Mujeres im Nordosten der Insel. Unterkunft z:b. hier: http://www.lanzarote-arrieta.de/

  8. Wie Hendrik es schon durch seine kabarettistische Einlage verdeutlichte, dass Urlaubsweine zuhause sehr oft beklagt schlechter als am Urlaubsort schmecken ist derart trivial, das bedarf keiner weiteren Erwähnung – wer anderer Meinung ist – Google ist Dein Freund – lies! 😉

    Trotzdem möchte ich jeden Weinfreund ermuntern unbedingt seinen Lieblings-Urlaubswein mit nach hause zu nehmen. Bekanntlich lernt Mensch nur durch eigene Erfahrung. Da helfen keine guten Ratschläge, selbst erleben – scheitern – nachdenken – besser scheitern. 😉

    Oder wie ich neulich las. „Wer nicht probiert, der lernt auch nichts!“ (Horst Lüning, Whisky-Probierer)

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