Wein am Limit - Hendrik Thoma
14.05.2016 - Folge 261

Die Weine vom Bussaco Palace

Die Weine aus den Kellern des legendären Bussaco Palace Hotel in Portugal genießen einen großartigen Ruf. Bis vor einigen Jahren waren sie ausschliesslich den illustren Gästen des Hotels vorbehalten. Vor ca. 100 Jahren hatte die Familie d’Almeida, die Betreiber des Hauses, die Idee einen Hauswein zu kreieren, der ihrem Geschmack von Langlebigkeit und geschmacklicher Vielfalt entsprach. Seit einigen Jahren finden ein paar tausend Flaschen den Weg auf die Weinkarten der Welt. Das er nie richtig berühmt wurde, liegt daran das dieser Wein nur von ein paar Weinkennern jemals getrunken wurde. Ihre Langlebigkeit ist enorm und die Hotelgäste können auf der Weinkarte des Restaurants bis zu den Jahrgängen 1944 + 1945 zurückbättern.

Das Hotel liegt in der Serra de Bussaco, genau an der Schnittstelle von zwei Regionen: dem Bairrada mit seinen kalkhaltigen Böden und atlantischen Klima. Hier wachsen die weißen Sorten Bical und Maria Gomez, sowie die rote Baga. Das hochgelegene Dao (900 Meter über NN) beheimated auf seinen harten Granitböden zwei Sorten. Die Encruzado und die rote Touriga Nacional. Eine “Multiregional Blend” nach heutigem Standard, an der sich auch viel Cleverness ableiten lässt. Denn die Cuvées sind aufgrund der unterschiedlichen Charaktere der Sorten geradezu füreinander prädestiniert.

Die Bussaco Weine sind immer eine Blend, ob Weiß- oder Rotwein. Sie werden mit den Füssen gemaischt und lagern 3 bis 4 drei Jahre in 500 Liter Tonneaux. Bis zum Jahrgang 2000 reiften die Weine in Fässern aus brasilianischem Hartholz, dem so genannten Macacauba.

Das Skurrile an diesen Weinen ist, neben ihrer Langlebigkeit und dem außergewöhnlichem Herkunftskonzept, vor allem ihr vielschichtiger Geschmack. Er erinnert an große klassische Weine vergangener Epochen, wie weiße und rote Rioja, Burgunder oder Bordeaux. Trotzdem sind sie komplett Eigenständig. Ihnen wohnt eine Intensität und eine Leichtigkeit inne, wie sie die heutige Blockbustergeneration nicht erreicht. Eine üppige Sensation ist nicht gewollt, sie wird von sich aus erreicht. Ihre Frische und vor allem ihre Eignung zu Speisen ist großartig. Bei den alten Jahrgängen kann die Flaschenqualität naturgemäß variieren. Die Weine waren nie für den Export hergestellt, deswegen sind Kork, Aufmachung uvm. sehr einfach, geradezu banal. Wer das Glück hat, so wie ich, einen 1955er Branco Reservado oder einen 1983er Tinto Reservado zu trinken, der weiß um eines der bestgehütesten Weingeheimnisse der Erde.

Diese Gewächse sind in einer Zeitkapsel zu uns gereist. Daran hatte die politische Situation in Portugal sicher ihre Anteil, denn die Militärdiktatur dauerte über 50 Jahre und das Land hat sich erst in den 80iger Jahren geöffnet. Ein Glücksfall aus heutiger Sicht, der eine gewisse Tragik hat. Bussaco Weine trägt einen Titel mit Stolz: es ist der beste “Hauswein” der Welt, soviel ist sicher!

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