Wein am Limit - Hendrik Thoma
24.05.2015 - Folge 218

Der RAW Medley

Die RAW ist eine kleine Weinmesse, die seit einigen Jahren in London wachsende Aufmerksamkeit erhält. Es ist sicherlich das einzige Format, welches der wachsenden Naturweinszene eine größere Aufmerksamkeit verschafft. Eine Plattform für ca. 200 Winzer aus Europa und der “Neuen Welt”, die sich dem “Naturwein” und seinen Facetten verschrieben haben. Ein bunter Mix einer Stilrichtung, die noch ganz am Anfang steht und sich erst noch finden muss.

Als Ort wird das Gelände der ehemaligen “Old Truman Brewery” im Osten Londons genutzt. In dieser einstmals rauen Gegend hat sich, neben den vielen indischen Restaurants, auch die “Streetfoodszene” angesiedelt. Ein wildes Potpourri und ein köstlicher Mix für Menschen die das Ausgefallene lieben.

Der Andrang und das Interesse waren in diesem Jahr enorm. Mehrere tausend private und professionelle Besucher, teilweise aus ganz Europa angereist, konnten vor Ort die ungewöhnlichen Weine verkosten. Mein lieber Freund, die portugiesische Weinlegende Dirk van der Niepoort, fand die richtigen Worte: “Diese Bewegung ist schon längst nicht mehr ein Trend, auch nicht die Zukunft, die RAW und ihre Anhänger sind bereits zur Realität geworden.”

Unter den Besuchern konnte ich viele Sommeliers, Weinblogger, Journalisten und vor allem auch konventionell arbeitende Winzer sichten. Teils kamen sie aus Neugier, aber viele waren auch dort, um sich einen Überblick zu verschaffen. Oder sie lassen sich, wie Filipa Pato aus Bairrada, einfach nur inspirieren. Wie auf jeder Messe war einiges schlichtweg unterirdisch und untrinkbar, aber es gab auch einige Highlights. Auch für das Wein am Limit Sortiment sind wir fündig geworden. Die Reise hat sich gelohnt.

Für alle, die künftig nicht nach London reisen wollen gibt es gute Nachrichten. Die RAW kommt nach Berlin in die Markhalle 9. Am Sonntag, den 29. November 2015 wird diese Messe erstmalig in Deutschland stattfinden.

Ein großartiger Schritt zu dem wir Isabelle Legeron und ihre Mitstreiter beglückwünschen. Die RAW ist eine Bereicherung für die Weinkultur in Deutschland. Es ist an der Zeit sich mit diesen Weinen näher auseinanderzusetzen. Wir sehen uns dann in Berlin.

Cheers und sicherlich mehr “Spass im Glas”,

 

Hendrik

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Kommentare

7 Kommentare zu “Folge 218 – Der RAW Medley

  1. Jaja, die Höhen und Tiefen bei den “Wie-immer-man-sie-auch-nennen-mag-Weinen”, auch bei der Einordnung geht da ja noch alles kunterbunt durcheinander. Aber ich liebe eine solche Art der Unordnung, der freien Improvisation. Viele der Weine sind für mich wie Ornette Coleman’s “Free Jazz”, nach komplett anderen Regeln gemacht, die keiner so schnell als Regeln erkennt, extrem polarisierend, nichts für jedermann, aber wenn man sich mal dran festgebissen hat, kommt man von den Höhen dieser Sparte nicht mehr los. Über die Tiefen schweige ich mal.

    Der Abgrund wäre für mich übrigens das Frühstück. Wenn bereits am Morgen der Frühstücksraum vom Duft der fetten Würstchen und Rührei geschwängert ist. Uahhhhhh…

  2. Moin,

    klasse unterhaltsame Reportage von der RAW. Ein spannendes Thema. Ich beschäftige mich seit ein paar Jahren mit Orangeweinen, Natur- und biodynamischen Weinen. Viele, auch Fachleute verschmähen leider das Thema. Ganz klar, in meinen Augen sollte das Thema weiter diskutiert werden, gerne auch kontrovers. Aber wer sagt, das ist alles schlecht, der hat sich damit nicht auseinandergesetzt. Schönes Statement von Christian Tschida “Eine Höhe kann sich ohne Tiefe nicht definieren”, genau. Das gilt für die Konventionellen als auch für Unkonventionellen. Ich freue mich auf die RAW in Berlin.

    In diesem Sinne schöne Tage.

  3. Video kommt fresh rüber. Sichtlich von anderen YouTubern was Stil angeht dazugelernt. Sehr gut, gefällt mir!
    Mikro müsste bessere Richtcharakteristik haben um lautes Umgebungsgeräusch besser zu filtern.

    Großes Thema, ich rate mal, dass meiste womit Wein gemacht wird passiert im Weinkeller. Den Wein weit möglichst in Ruhe und sich selbst zu überlassen scheint nicht die gewünschten und wirtschaftlich notwendigen Erträge zu sichern – schade, wenn es wirklich so wäre. Wahrscheinlich ist es so – das Thema ist ausführlich beleuchtet worden, Google Suche mit: “wein trauben tausch”

    1. Ich nehme an, Du meinst damit das Projekt Wurzelwerk.

      http://wurzelwerk.org

      Das Ergebnis zeigt deutlich, dass in erster Linie die Handschrift des Winzers über die Weinstilistik entscheidet, vielmehr als das Traubengut selbst es vermag. Jedoch kann auch unter diesem Aspekt nur ein spannender und großer Wein entstehen, wenn die Qualität vom Rohstoff stimmt!

    2. Ich finde Mr. Brangelina von Oggau hat es auf den Punkt gebracht: man muss sich auch Raw-Weine einlassen können, eine Beziehung zu Ihnen aufbauen…dann können sie einen wirklich faszinieren in ihrer Vollkommenheit…schmecken sollten sie natürlich auch dabei, auch wenn sie ob Ihrer oft heftigen Gärnebenprodukte nicht so verträglich sind wie ein sterilgefilterter Normalo…

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