Wein am Limit - Hendrik Thoma
05.11.2015 - Folge 238

Gib mir Magnum!

Von Magnumflaschen geht für Weinliebhaber, aber auch Amateure eine große Magie aus. Zum einen sind sie aufgrund ihrer üppigen Proportionen sexy, zum anderen beflügelen sie unsere Gedanken des Teilens. Denn eine Magnumflasche wird nur in großer Runde leer und man genießt sie mit Menschen die einem etwas bedeuten. So sollte es es sein und dafür waren sie einst gedacht. Früher wurde sogar häufig das beste Fass genommen und in die großen Flaschen gefüllt. Magnum, Doppelmagnum und Imperial sind den bedeutsamen Festivitäten vorbehalten.

Natürlich gibt es auch einen anderen wesentlichen Aspekt. Der Wein reift in den großen Gebinden langsamer und behält deutlich länger seine Frische. Dieser Effekt stellt sich zwar erst nach einigen Jahren auf der Flasche ein, aber er ist selbst für einen Laien gut zu erschmecken. Grund dafür ist in erster Linie eine langsamere Oxydation, durch das Verhältnis von Sauerstoff zu Flüssigkeit in der Flasche. Je kleiner das Gebinde, umso mehr Sauerstoff muss der Wein während seiner Reifung ertragen. Ein anderer Aspekt sind Moleküle und die Möglichkeiten in einer großen Flasche miteinander zu reagieren. Ein unerforschtes Feld, aber sicher ein weiterer Grund für eine andersartige Entwicklung.

Magnumflaschen bleiben etwas besonderes, denn sie sind limitiert und können nur von Hand gefüllt werden. Da das Material (Glas, Kork, Label) auch teurer in der Herstellung ist, kosten sie zusammengerechnet mehr als zwei normale Eintel. Interessanterweise sind die Preise für große Gebinde mit wertvollen Weinen auf Edelauktionen rückläufig, vor allem weil es die asiatische Hauptkäuferschaft nicht schafft die großen Flaschen leerzutrinken.

Viele Käufer schrecken auch zurück vor der Vorstellung, daß Ihr Wein Kork haben könnte, was im Eintrittsfall fatal ist, doch glücklicherweise selten vorkommt.

Wer sich Notizen zu Wein macht, oder sie sogar veröffentlicht sollte immer das Format angeben. Denn eine Regel hält sich seit Bestehen der Weinkultur: “Es gibt keine großen Jahrgänge, aber großartige Flaschen!”

In diesem Sinn mehr Spaß in Eurem Glas,

 

Hendrik

 

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Kommentare

10 Kommentare zu “Folge 238 – Gib mir Magnum!

    1. …es gab schon solche “trockenen” Sendungen z.B. über Hendriks Beaujolais-Sortiment. Ist vielleicht einfach der Tatsache geschuldet, daß der Weinhandel für ihn zu einem mehr und mehr bestimmenden Thema. Ist ja auch absolut legitim und in Ordnung so. Aber es stimmt schon, die “feuchten” Sendungen mit Gästen und / oder Weinen außerhalb seines Sortiments sind deutlich attraktiver, da ungezwungener…

    2. Lieber Praterralle, war aber auch die meistgeklickte. Interessant, oder. Will aber mal mehr Info Sendungen machen für die Zukunft. Liebe Grüße, Hendrik

  1. Hat zwar jetzt nichts mit dem Thema “Magnumflasche” zu tun, aber wie wäre es mal mit einer Verkostung ligurischer Weine, z. B. aus den Cinque Terre?

    1. JH, haben Sie für diese Region Tipps im roten wie im weißen Bereich? Ich konnte dort bislang nur max. Basiswein-Qualität mit starker Säure finden.

    2. Moin JH, ich habe bisher nur einen Wein von dort verkostet, der besonders, aber auch sehr teuer war. Der Winzer Elio Altare aus dem Barolo Gebiet hat dort einen Projektwein. Den kannst Du Dir in D ergoogeln. Viele Grüße, Hendrik

      1. Hallo Sebastian und Hendrik,

        die meisten Cinque-Terre-Weine kommen von der Gebietskooperative “Cantina 5 Terre” bei Riomaggiore. Einen Überblick über die Weine kann man sich in deren Webshop machen: http://www.cantinacinqueterre.com/it/12-vini-grappe-e-spumanti.
        Rotweine sind in der DOC die Ausnahme, der typische Cinque Terre Wein ist eine weiße Cuvee aus den Trauben Vermentino, Bosco und Albarola.Bereits den Basiswein “Cinque Terre Bianco DOC” fand ich sehr fein, leicht nach gelber Frucht, kräutrig-mineralisch (alle bisher verkosteten Weine des DOCs haben einen typischen leicht salzigen Geschmack, der, wenn man sich die Steilhänge über dem Meer mal anschaut, einfach perfekt passt).

        Richtig klasse und sicherlich eine Qualitätsstufe höher angesiedelt fand ich folgende zwei Weine individueller Winzer:

        – “Tuasso” des Guts La Polenza von Stefania Basso in Vernazza (Geschmack ähnlich wie der des Cinque Terre Bianco DOC aber noch feiner/differenzierter).

        – “Cinque Terre” von Forlini Cappellini in Manarola, herrlich frischer Geschmack nach Limonen und Grapefruit, leicht mineralisch-salziger Ausklang.

        Beide Weine dürften nur schwer in Deutschland zu bekommen sein, aber falls mal jemand einen (äußerst empfehlenswerten) Urlaub in den Cinque Terre plant… 😉

        Eine absolute Spezialität des Gebiets soll daneben der teure Süßwein “Sciacchetra” aus rosinierten Trauben sein, welchen ich allerdings nicht verkostet habe (im Nachhinein ärgere ich mich über meinen Geiz ;-)). Dieser könnte auch in Deutschland in ausgewählten Webshops verfügbar sein.

        Viele Grüße,
        Johannes

  2. Hallo Hendrik,

    wie ist denn der Name der Magnum mit dem Schraubverschluss? Espirito di Baga ist nach meinem Verständnis doch die Halbliterflasche.

    Viele Grüße

    Elmar

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